29 Januar 2010


Tracy McGrady wird kein Spiel mehr in einem Houston Rockets-Trikot absolvieren, das ist hinlänglich bekannt. Nach seiner Rückkehr im Dezember war 'T-Mac' auf lediglich 49 Minuten Einsatzzeit in 6 Spielen gekommen, bevor die sportlichen Verantwortlichen entschieden: die Chemie der Mannschaft wird durch den prominenten Shooting Guard negativ beeinflusst. Die Texaner (22 zu 17 Siege) spielen bisher eine sensationell gute Saison angesichts ihrer personellen Situation ohne Franchise-Center Yao Ming und eben McGrady. Man hatte ihm gestattet, künftig von allen Team-Aktivitäten fern zu bleiben. Seither trainiert der ehemalige All-Star in Eigenregie bei Fitnessguru Tim Grover in Chicago, um sich fit zu halten für seine nächste Station in der NBA.

Es stellt sich die Frage, zu welcher Mannschaft McGrady bis zur Trade-Deadline im Februar wechseln könnte. Am hartnäckigsten halten sich Gerüchte um potentielle Rockets-Deals mit Washington, Toronto oder Philadelphia - wenn auch freilich nichts von offizieller Seite her bestätigt wird.

Die Washington Wizards bieten für McGrady's Dienste angeblich ein Paket um Caron Butler. Allerdings müssten weitaus mehr Spieler in den Deal involviert werden, da McGrady's Vertrag mit 22.8 Millionen Dollar für diese Saison der höchst-dotierte der gesamten Liga ist. Es ist fraglich, ob die Wizards soviel ausgeben möchten, zumal nach Gilbert Arenas' endgültiger Sperre Butler wieder erste Scoring-Option im Team werden wird. Nicht zufällig hatte der Small Forward seine beiden besten NBA-Jahre, als Arenas verletzungsbedingt aussetzen musste. Eher würde man in der Hauptstadt auf den in die Jahre gekommenen Antawn Jamison verzichten, der in den letzten Wochen immer wieder mit den Cleveland Cavaliers in Verbindung gebracht wird.

Philadelphia ist ein weiteres Ost-Team auf dem absteigenden Ast. Man sucht händeringend nach Möglichkeiten, eine verkorkste Saison irgendwie zu retten und den Zuschauerzuspruch anzukurbeln - die Sixers residieren bei den verkauften Tickets immer noch weit unten, trotz Allen Iverson's Rückkehr in die Stadt der brüderlichen Liebe. Andre Iguodala plus weitere 10 Mio. in Spielergehältern wäre der Preis, den Manager Ed Stefanski für 'T-Mac' wohl zahlen müsste - ein in dieser Form kaum vorstellbares Szenario, denn ein kompletter Neuaufbau ab diesem Sommer ist „dank“ oder Elton Brand's Mega-Knebelvetrag (weitere 60 Mio. für 4 Jahre) nicht drin.

Auch Toronto wird mit Houston in Vebindung gebracht, seitdem die Rockets öffentlich Interesse an All-Star Power Forward Chris Bosh verkündet haben. Ein Deal würde mit Sicherheit beide Spieler (Bosh und McGrady) umfassen, es ist aber schwer vorstellbar, dass die Raptors Bosh für 'T-Mac' ziehen lassen. Zwar besteht die realistische Gefahr, dass 'CB4' im Sommer als 'Unrestricted Free Agent' woanders unterschreibt und die Kanadier letzten Endes mit leeren Händen dastehen. Allerdings will man heuer im hohen Norden unbedingt in die Playoffs - ohne Bosh müsste man sich dieses Ziel abschminken.

Die schlechtesten Kartem im Tauziehen um McGrady dürften die New York Knickerbockers haben. GM Donnie Walsh versucht zwar akribisch, die Monsterverträge von Jared Jeffries (6.9 Mio $) und Eddy Curry (11.3 Mio $) via Trade aus der Stadt zu schippern, es findet sich aber kein Abnhemer für die beiden limitierten Spieler. Ein mögliches Paket, bestehend aus Jeffries, Al Harrington (10 Mio $) und Cuttino Mobley's Vertrag (9.5 Mio $ - wird wegen Mobley's Sportinvalidität von einem Versicherungsunternehmen bezahlt) lag den Rockets bereits vor, es scheint in Texas aber kein Interesse an New York's Angebot zu bestehen.

Wo auch immer Tracy McGrady in den nächsten Wochen landen wird, eines ist sicher: wer T-Mac noch vor dem 18. Februar an Land zieht, für den spielen McGrady's spielerische Qualitäten, die einer kritischen Überprüfung in 09-10 noch standhalten müssen, eine untergordnete Rolle. Vielmehr will sich besagter Verein für die absurde Free-Agent Shopping Tour im Sommer positionieren, wenn McGrady's knapp 23 Millionen Dollar von der Gehaltsliste verfallen.