30 Januar 2010


Die Reservisten für das All-Star Wochenende sind raus. Insgesamt 7 Auswechselspieler pro Conference wurden von den Coaches auserwählt, um ihre Teams beim jährlichen Stelldichein der Stars und Sternchen zu repräsentieren. Über den Großteil der Selektionen muss man nicht viel reden. Spieler wie Chris Bosh, Joe Johnson oder Rajon Rondo im Osten, sowie Chris Paul, Kevin Durant, Dirk Nowitzki und Deron Williams im Westen sind absolute Selbstläufer. Hochverdient ist auch die jeweils erste Teilnahme von Gerald Wallace und Zach Randolph, deren Teams Charlotte respektive Memphis zu den angenehmen Überraschungen der laufenden Saison zählen.

Auch Pau Gasol's Nominierung lässt sich rechtfertigen, denn obwohl der Forward/Center der LA Lakers schon 17 Spiele aussetzen musste in dieser Spielzeit, gehört er zu den dominierenden Big Men der NBA und ist integraler Bestandteil des besten Teams der Liga. Allein mangels Alternativen auf der Center-Position musste man Gasol wohl mitnehmen. Chris Kaman ist ebenso wenig AllStar-reif wie Marcus Camby, Al Jefferson oder Marc Gasol. Über Derrick Rose, den PG der Chicago Bulls kann man schon eher streiten - zwar trägt DRose 20 Punkte und 6 Assists pro Spiel zusammen, seine Bulls (22-22) sind aber trotz einem Überangebot an talentierten jungen Spielern höchstens Mittelmaß in der grottenschlechten Eastern Conference. PGs wie Tyreke Evans oder Monta Ellis müssen trotz besserer Einzelstats zu Hause bleiben. Stephen Jackson, der seit seinem Trade zu den Bobcats 21 Punkte, 5 Rebounds und 4 Assists im Schnitt beiträgt (Charlotte hat 20 von 36 seit dem Deal gewonnen und steht auf einem Playoff-Platz), wird wohl nie ins All-Star Team gewählt werden.

Drei Spieler, die aber unbedingt in Dallas mit von der Partie sein müssten, sind Josh Smith, Chauncey Billups und David Lee. Von den dreien hat nur Billups realistische Karten, doch noch nachnominiert zu werden - dann nämlich, wenn Brandon Roy, der als fünfter und letzter Guard im Westen selektiert wurde, wegen seiner hartnäckigen Oberschenkelprobleme nicht antreten kann. Verdient hat es Chauncey allemal, denn das Spiel seiner Nuggets - immerhin zweitbestes Team im Westen - steht und fällt mit dem unspektakulären aber extrem effizienten Spiel des alten Mannes auf der 1.

Lächerlich ist in jedem Fall die Berufung von Al Horford und Paul Pierce, die ich nicht ganz nachvollziehen kann. Dass Al Horford den Vorzug erhält vor David Lee, der Double-Double Maschine im Big Apple, erschließt sich mir beim besten Willen nicht. New York kämpft verbissen um die Playoffs, und Lee ist mit Abstand der beste Mann bei den Knicks mit knapp 20 Punkten und über 11 Rebounds im Schnitt. In 5 von 7 Kategorien (Punkte, Rebs, Ast, Stl, FT%) ist Lee deutlich besser als Horford - Double-Doubles gar nicht mit berücksichtigt. Natürlich haben die Hawks eine viel bessere Bilanz als NY, aber Horford hat nicht mehr Anteil am Höhenflug der Falken als ein Jamaal Crawford oder eben Josh Smith, einem der besten Verteidiger der Liga. Wer in dieser Saison das ein oder andere Atlanta-Spiel live mitverfolgen konnte, wird mir zustimmen, dass gerade Smith Herz und Seele dieser Mannschaft ist und unbedingt hätte ernannt werden müssen. Nicht nur seine nackten Statistiken sind im teaminternen Vergleich besser: Smiths PER liegt bei 21.7, Horfords nur bei 19.3. Seine +/- Werte sind ebenfalls höher. Wer die detaillierte Bedeutung dieser Zahlen nicht versteht, dem sei vereinfacht dargestellt: Smith trägt auf vielfältigere Weise zum Erfolg der Hawks bei, von allen Akteuren auf dem Platz macht sich sein Fehlen in Atlanta's Spiel am meisten bemerkbar. Wem das nicht auffällt, hat wohl nicht richtig zugeschaut. Wer also Johnson nominiert UND Horford, aber J-Smoove aussen vor lässt, dem ist nicht mehr zu helfen.

Paul Pierce, den ich persönlich gerne mag, bekommt ausser Scoren überhaupt nichts mehr effektiv auf die Reihe für seine schwächelnden Boston Celtics und hat ebenso wenig etwas in Dallas verloren wie sein Teamkollege Kevin Garnett. Ich werde nicht in Details gehen, warum ihm etwa Josh Smith in allen Belangen (ausser Scoren) überlegen ist, will aber dennoch eine letzte Statistik für die Freaks unter Euch bemühen: in 100 Angriffen bringen es die Hawks MIT SMITH auf 17.8 Punkte mehr im Schnitt als ohne ihn. Die Celtics MIT Pierce auf dem Platz ? Magere +2.2 Pünktchen mehr. Ich denke, dass allein spricht Bände, und verdeutlicht einmal mehr wie beschränkt und oberflächlich (Smith werden immer wieder Einstellungsprobleme vorgeworfen) manche Menschen ihre Entscheidungen treffen.