01 April 2010


Nach jeder Trainingseinheit und jedem Shootaround bleibt Dwight Howard länger, um mit dem Assistenztrainer der Magic, Patrick Ewing, an seinem Wurf und seinen Offensivmoves zu arbeiten. Der Mehraufwand scheint sich vermehrt auszuzahlen, denn 'Superman' präsentiert sich seit seinem Durchhänger im Winter stark verbessert.

Noch Mitte Januar steckten die Magic und vor allem Howard in ernsten Schwierigkeiten, es lief nicht viel zusammen für den amtierenden Vize-Meister. Orlando hatte gerade in LA bei den Lakers verloren, und viele Experten machten vor allen Dingen Howard für die Misere verantwortlich. Dabei hatte das Magic-Tief mehr mit der Spielweise damals zu tun - haufenweise Dreier ballern, 15 Würfe pro Partie für Rollenspieler wie Ryan Anderson, und weniger als 4 Ballkontakte pro
Viertel für den Franchise-Center. Howard forderte vehement, in Zukunft mehr in die Offensive eingebunden zu werden. Der Ball kam, und siehe da: seit dem 20. Januar hat Orlando 26 seiner 33 Partien gewonnen, das entspricht einer sensationellen Quote von 79 Prozent. Hauptverantwortlich für den Aufschwung: Mr. Howard höchstpersönlich. Neben den gewohnt dominanten Defensivstatistiken (knapp 14 Rebounds und 3 Blocks im Schnitt) zeigt sich Nr. 12 auch im Angriff von seiner besten Seite, punktet so konstant wie noch nie zuvor in seiner Karriere (20.6 Pts).

Neben immer effektiveren Low-Post Moves hat Howard gelernt, aus dem Double Team schnell und sicher heraus zu passen. Seine einst unterirdische Freiwurfquote hat sich ebenso verbessert (Trefferquote im Februar: 68 Prozent), und sogar ein Sprungwurf aus der Halbdistanz taucht mittlerweile immer mal wieder in seinem Repertoire auf. Kevin McHale, Legende der Boston Celitcs und der wohl beste Post-Spieler aller Zeiten, zeigte sich sehr angetan von Howard's Lernzuwachs in dieser Saison: "Er lässt das Spiel mehr auf sich zukommen und spielt entspannter. Basketball ist ein Spiel, das man erfühlen muss - man kann nicht mit der Brechstange agieren. Howard spielt viel effizienter und entschlossener, und die Ergebisse beweisen das eindrucksvoll", so McHale. Auch Orlando's Coach, Stan van Gundy, lobte seinen Center und attestierte ihm gestiegenes Selbstvertrauen und mehr Geduld im Angriffsspiel: "Er hat sein Repertoire an Moves stetig verbessert, ich denke das wird er auch weiterhin tun. Er lässt sich jetzt mehr Zeit in der Offense, und wenn er das tut, wenn er geduldig bleibt und nichts erzwingt, dann werden wir mit ihm noch Großes erreichen können". ESPN-Experte Jon Barry schlägt in die gleiche Kerbe: "Ich sehe rechte Hakenwürfe, ich sehe linke Hakenwürfe, sogar einen Sprungwurf von Zeit zu Zeit. Wenn er den perfektioniert, wenn der öfters kommt, dann wird Howard nicht zu stoppen sein", verspricht Barry.

Während D12, bescheiden und kleinlaut wie eh und jeh, keine Veränderung feststellen will, sehen Experten in seinem gestiegen Offensivdrang den Schlüssel zu Orlandos Titelhoffnungen in dieser Saison und darüber hinaus. Gerade in den Playoffs ist eine gesunde Balance zwischen Inside-Game und effektivem Perimeter-Spiel ausschlaggebend. Mit einem starken und entschlossenen Howard als Offensivmotor ist für die Magic alles möglich.