07 März 2010


Wir nannten ihn "The Answer". Er war der Messias, Heilsbringer und Vorbild einer ganzen Generation von Ballern. Sein Karriere-Schnitt liegt bei 26.7 Punkten pro Partie (Platz 6 der ewigen Bestenliste). Er machte Crossover Dribblings, Cornrows, und 1 gegen 5 Spielzüge salonfähig. Allen Ezail Iverson beeinflusste und inspirierte Millionen durch seine elektrisierende und unerschrockene Spielweise auf dem Platz. Ein Zwerg unter Riesen, allein gegen den Rest der Welt - damit konnten sich viele seiner Fans identifizieren, und gerade diese Tatsache machte ihn so beliebt. Er kam als 21-jähriger in die Liga und veränderte nachhaltig die Art und Weise, wie heute das Spiel gespielt wird.

Abseits des Basketballcourts aber lag immer schon ein Schatten über ihm, Dämonen, die ihn auf Schritt und Tritt verfolgten. Sie scheinen ihn nun endgültig eingeholt zu haben. Während Iverson's sportliche Laufbahn sang- und klanglos zu Ende geht, zerbricht auch sein Privatleben in Einzelteile.

Iverson hatte seine Mannschaft, die Philadelphia 76ers, die ihn Anfang Dezember in einer gefühlsduseligen Aktion verpflichtet hatten, nachdem er in Memphis nicht mehr spielen wollte, am 22. Februar zeitweilig verlassen. Begründung: seine 4-jährige Tochter Messiah sei schwer krank. Weder die Krankheit an sich noch die Art des Leidens konnte bis heute offiziell bestätigt werden. Jetzt hat seine Ehefrau, Tawanna Iverson, die Scheidung eingereicht. Die Ehe sei "hoffnungslos zerrüttelt", begründet Tawanna ihren Schritt und heuerte einen berühmten New Yorker Scheidungsanwalt an. Dieser soll ihr einen Großteil von Iverson's Vermögen und das Sorgerecht für die insgesamt 5 Kinder einklagen. Bekannte und Eingeweihte berichten zudem, dass Allen Iverson zur Zeit massive Alkoholprobleme haben soll. Das ist nun freilich nichts Neues, ist doch der ehemalige All-Star PG schon seit Jahren Hochprozentigem äusserst zugeneigt. Während seines Engagements in Denver und auch bei seinem kurzen, aber verdammt erfolglosen Intermezzo bei den Detroit Pistons verbrachte A.I. einen Großteil seiner Zeit auf Partys und in den Casinos der Gegend. In Detroit hat Iverson noch immer Hausverbot in zwei Dritteln aller Spielhäuser der Stadt.

Dass Iverson ständig mit seinen Coaches im Clinch lag, ist bekannt (Stichwort: PRACTICE !). Larry Brown, Jim O'Brien und vor allem Mo Cheeks - sie alle bekamen ihr Fett weg. Auch im echten Leben hatte der enigmatische Guard immer wieder Probleme mit dem Gesetz. Da war etwa die Anklage wegen Drogen- und Waffenbesitz 1997. Fünf Jahre später stürmte ein erboster Iverson mit geladener Waffe in ein Apartment und bedrohte die Anwohner - er war auf der Suche nach seiner Frau. Im Jahr 2003 wurde ein Bekannter Iverson's in Old City angeschossen. Es wird allgemein angenommen, dass die Kugeln für Iverson selbst bestimmt waren. Nach weiteren zwei Jahren verklagten zwei Männer den Point Guard, der angeblich nur zuschaute, während seine Bodyguards die Störenfriede übelst verprügelten. Sie hatten sich geweigert, Iverson's VIP Raum in einem D.C. Nachtclub zu verlassen. Auch heute noch liegen mehrere Zivilklagen gegen den Sixer vor. Diese werden wohl in den nächsten Monaten aufgerollt, wie es eben üblich ist wenn jemand am Boden liegt.

Sein ehemaliger Mentor und jetziger Head Coach der Charlotte Bobcats, Larry Brown, der trotz aller Probleme immer zu Allen Iverson gestanden hat und als einer der wenigen Coaches den Respekt des eigenwilligen Guards geniesst, brachte A.I.'s neueste Eskapaden trefflichst auf den Punkt: "Dieses schwierige Kapitel in seinem Leben wird all die wunderbaren Dinge trüben, die Allen in seiner Karriere geleistet hat. Alles, wofür dieser Krieger in Basketballuniform jemals stand, ist in Vergessenheit geraten. Das macht diese Geschichte letztendlich so tragisch."