27 März 2010



Gilbert Arenas muss nicht in den Knast. Ein Gericht in Washington DC verurteilte den 'Shooting Guard' der Washington Wizards am Freitag zur Mindeststrafe: 2 Jahre auf Bewährung, dazu 30 Tage in einem Resozialisierungszentrum, 400 gemeinnützige Arbeitsstunden und läppische 5000 $ (ja: fünf tausend Dollar) Strafe. Die Staatsanwalschaft hatte eine Freiheitsstrafe von mindestens drei Monaten gefordert. Angesichts des Verbrechens, welches Arenas begangen hatte, als diese Episode im Dezember vergangenen Jahres seinen Lauf nahm, und seinen bekannten Vorgeschichten in Punkto 'unerlaubter Waffenbesitz', kam er mehr als glimpflich davon. Nach außen gibt Arenas nun das reumütige Lamm, hinter verschlossenen Türen wird er sich das Grinsen indes nicht mehr vom Gesicht wischen können.

Alles begann mit einem Streit während eines Auswärtstrips, als Arenas und sein damaliger Teamkollege Javaris Crittenton im Flieger verbal aneinander gerieten. Anschließend brachte 'Agent 0' vier Feuerwaffen in die Umkleidekabine des Washingtoner's Verizon Center, der Heimspielhalle der Wizards, und deponierte sie in seinem Spind. Er forderte Crittenton auf, sich eine davon auszuwählen. Beide Spieler bedrohten sich gegenseitig. Abgesehen davon, dass Arenas' Verhalten in mehrfacher Hinsicht gesetzeswidrig war - der Besitz von Feuerwaffen ist im District of Columbia streng reguliert, zudem am Arbeitsplatz sowie im 'Arbeitsumfeld NBA' nicht gestattet - werfen vor allem seine fragwürdigen Vertuschungsaktionen nach dem Vorfall Fragen auf.

° Arenas behauptete unmittelbar nachdem er erwischt wurde, er habe von den Regularien nichts gewusst. Erst im November hatte er aber ein Teammeeting besucht, welches sich ausdrücklich mit dem Thema 'Waffenbesitz am Arbeitsplatz NBA' beschäftigte.
° Er hatte angegeben, die Waffen in die Umkleide mitgebracht zu haben, um sie vor seinen Kindern daheim zu verstecken. Noch am selben Tag aber forderte er einen Teamkollegen auf, die Waffen wieder in seinem Auto zu verstauen, um sie wieder mit nach Hause zu nehmen.
° Einen Tag später gab er an, er habe die Waffen mitgebracht, weil er sie einem Teamkollegen verkaufen wollte.
° Er schickte Javaris Crittenton detaillierte Angaben, was dieser den Behörden erzählen sollte, um die Angelegenheit so gut als möglich zu vertuschen. SMS-Texte belegen dies.
° Arenas änderte seine Geschichte mehrmals in den folgenden Tagen und widersprach sich mehrfach angesichts des Zeitpunkts der Konfrontation, wie und wann die Waffen ins Spiel kamen und inwieweit er an der ganzen Sache beteiligt gewesen sei.
° Nachdem er zunächst öffentlich jegliche Schuld von sich gewiesen hatte, unterschrieb Arenas doch eine Schuldbekenntnis

Angesichts der eindeutigen Schuldlast, Arenas' mehrfachen Anklagen wegen illegalem Waffenbesitz in der Vergangenheit und seiner außergewöhnlichen Stellung als prominenter Sportler und Vorbild war eine mehrwöchige Haftstrafe zu erwarten. Allerdings hatten die Beobachter die Macht des Geldes unterschätzt, mit dem die besten Anwälte und Freiheit in unserer Mehrklassengesellschaft erkauft werden können. Arenas heuerte Staranwalt
Kenneth Wainstein an. Wainstein zählt zu den einflussreichsten und mächtigsten Juristen in Washington und hat seine Finger überall mit im Spiel. Sehr brisant: Wainstein war noch vor wenigen Jahren Chef der Staatsanwaltschaft, die in diesem Fall als Kläger agierte, verfügte also über beste Kontakte und illegale Insider-Informationen. Auch für das FBI hatte Wainstein gearbeitet, zudem war er persönlicher Berater von George Bush in Sachen 'Staatssicherheit'. Wainstein's Nachfolger im Department, Chefankläger Chris Kavanaugh, plädierte für die Haftstrafe und wies mehrmals darauf hin, dass eine reine Bewährungsstrafe falsche Signale an die Öffentlichkeit und vor allem an die jüngeren Wizards-Fans senden würde.

Im Endeffekt kam es dann genauso. Wainstein spielte die 'Arenas ist eigentlich ein ganz netter Kerl, der sich hier mit einem Jugend-Streich ein wenig verspekuliert hat' - Karte so geschickt, dass ihm das Gericht die Story abnahm und den 28-jährigen de facto freisprach. Nach diesem Urteil wird Arenas auch von der NBA und David Stern keine weiteren Konsequenzen zu befürchten haben, die Liga richtet sich in solchen Angelegenheiten ausschließlich nach den gesetzlichen Vorgaben. Wir werden Gilbert also ab der nächsten Saison wieder schmunzelnd auf dem Spielparkett erleben, für die Washington Wizards, die ihm in den nächsten vier Jahren 80 Millionen Dollar Gehalt überweisen werden. Dieser Fall beweist wieder mal: vor dem Gesetz sind wir alle gleich. Aber manche sind gleicher...