12 März 2010


Jeden Sommer arbeiten die meisten NBA-Spieler verbissen an ihrem Spiel und versuchen, im kommenden Jahr ein Schippchen drauf zu legen. Einige wenige aber machen, ob durch neu erlernte und perfektionierte Moves, mehr Spielzeit oder Verletzungen ehemaliger Leistungsträger, Quantensprünge zwischen den Saisons und spielen sich so ins helle Rampenlicht. Welcher der folgenden Akteure verdient in dieser Spielzeit den Award für den 'Most Improved Player' ?


1. Aaron Brooks: mit vielen Fragezeichen waren die Houston Rockets in diese Saison gestartet: Yao verletzt, McGrady verletzt, und kaum ein Spieler in Sicht, der die Lücke hätte schließen können. Dann aber spielte sich ein flinker, kleiner Mann mit krummen Beinen ins öffentliche Interesse: Aaron Brooks, gerade mal 72 Kilo schwer, aber einer der schnellsten Spieler der Liga. Er verdoppelte seine Punkteausbeute nahezu, wurde zur ersten und wichtigsten Offensivoption bei den Rockets und war einer der Hauptgaranten für die überraschend guten Anfangsmonate der Texaner. Brooks führt die Liga mit insgesamt 158 erfolgreichen Drei-Punkte-Treffern an, und erzielt in diesem Jahr Karriere-Bestwerte in allen relevanten Kategorien. Mit gut 20 Punkten im Schnitt liegt der nur 1,83 m grosse Guard ligaweit auf Rang 19. Hinzu kommen noch 5 Assists pro Partie. A new Star is born !

Stats 08/09: 11.2 Pts, 2 Reb, 3 Ast, 0.6 Stl, 40% FG
Stats 09/10: 19.8 Pts, 2.7 Reb, 5.1 Ast, 0.9 Stl, 43% FG


2. Marc Gasol: lange Zeit galt er als 'Pau's kleiner Bruder'. Zu dick und ein bisschen ulkig, um auf NBA-Niveau langfristig zu bestehen. Schon gegen Ende der letzten Saison deutete der Spanier aber an, wozu er eines Tages in der Lage sein könnte, als er im März und April auf 14 Punkte und 8 Rebounds im Schnitt kam. In der Offseason speckte 'der kleine Gasol' dann ab, wurde schneller und beweglicher. Die Ergebisse können sich sehen lassen. Zusammen mit Zach Randolph gehört der Memphis Frontcourt in diesem Jahr zu den stärksten der Liga, und Marc trägt mit durchschnittlich 15 Punkten und knapp 10 Rebounds entscheidend dazu bei. Seine peripheren Stats sind noch beeindruckender: 58% aus dem Feld, 1.6 Blocks und 2.5 Assists - von der Centerposition. Gasol ist schon jetzt, in seiner erst zweiten NBA-Saison, ein legitimer Double-Double Fünfer und wird schon bald zur absoluten Elite auf seiner Position zählen. Übrigens: sein populärer Bruder, All-Star und NBA-Champion Pau Gasol, kam in seiner zweiter Profisaison auf folgende Werte: 19 Punkte, 9 Rebounds, 2.8 Assists, 1.8 Blocks, 51% aus dem Feld. Ich mein' nur...

Stats 08/09: 11.9 Pts, 7.4 Reb, 1.7 Ast, 0.8 Stl, 1.1 Blk, 51% FG
Stats 09/10: 14.8 Pts, 9.5 Reb, 2.4 Ast, 1 Stl, 1.6 Blk, 58% FG


3. Carl Landry: Ein ehemaliger Rocket zählt ebenfalls zu den angenehmen Überraschungen dieser Saison. Schon 26 Jahre alt, aber erst in seiner dritten Profisaison, setzt der ehemalige Purdue Boilermaker seinen Aufstieg als einer der besten jungen Power Forwards im Spiel fort und erreicht heuer Bestwerte bei den Punkten (16.3), Rebounds (5.8) und Blockshots (0.8). Mit dem Wechsel zu den Sacramento Kings legte der ruppige Frontcourt-Spieler sogar noch ein paar extra Holz aufs Feuer und kommt in seinen bisher 11 Spielen für das Team aus Kalifornien auf 17 Punkte, 7 Rebounds und 1 Steal im Schnitt. Die Kings haben die Zukunft ihrer Franchise bereits klar umrandet: Tyreke Evans und eben dieser Carl Landry. Tendenz weiter steigend.

Stats 08/09: 9.2 Pts, 5 Reb, 0.4 Blk, 81% FT
Stats 09/10: 16.3 Pts, 5.8 Reb, 0.8 Blk, 83% FT


4. Corey Brewer: viele hatten ihn schon komplett abgeschrieben und als sogenannten 'Draft Bust' abgetan - einer monumentalen Enttäuschung angesichts des siebten Picks, den die Minnesota Timberwolves vor drei Jahren auf ihn verbrauchten. Allerdings deutete der ehemalige College-Champion aus Florida schon in seinem Rookie-Jahr phasenweise an, wo seine Nische in der NBA liegt: guter Verteidiger mit langen, flinken Armen und in der Offensive knapp 15 Punkte im Schnitt. Letztes Jahr verpasste der Small Forward nach einem Kreuzbandriss insgesamt 67 Spiele, arbeitete sich aber im Sommer eindrucksvoll zurück. In dieser Saison zählt Brewer zu den wenigen Lichtblicken in einem ansonsten grauenvollen Timbervolves-Team und hat sich als dritte Scoring-Option etabliert. Mit 'Career Highs' bei den Punkten, Rebounds, Assists, Steals, Blocks, Dreiern und der Trefferquote hat Brewer seine schärfsten Kritiker zumindest zeitweise verstummen lassen und sieht als 'Glue Player' einer langen Karriere entgegen. Beeindruckend: Brewer ist der einzige Wolf neben Rookie Jonny Flynn, der alle 65 Partien in dieser Saison absolviert hat.

Stats 08/09: 6.2 Pts, 3.3 Reb, 1.7 Ast, 1 Stl, 0.3 Dreier
Stats 09/10: 13.2 Pts, 3.7 Reb, 2.3 Ast, 1.4 Stl, 1 Dreier


5. Channing Frye: es war die Cinderella-Story der ersten paar Wochen: Phoenix spielte spektakulären Basketball und stürmte an die Spitze der Western Conference, unterstützt von einem Scharfschützen, den man so seit Sam Perkins in den 90ern nicht mehr gesehen hatte. Channing Frye war nach zwei enttäuschenden Jahren in Portland nach Hause zurück gekehrt in der Hoffnung, seine Karrier zu revitalisieren. In Phoenix, AZ aufgewachsen und zur Schule gegangen (St. Mary's High School), tat die Heimatluft sichtlich gut, denn der Forward/Center blühte an der Seite von Hall of Fame Point Guard Steve Nash regelrecht auf und verdreifachte seinen Punkteschnitt aus der letzten Saison. Noch beeindruckender: Nach gerade mal 20 (!) erfolgreichen Distanzwürfen in seinen ersten vier Profisaisons schenkt Frye heutzutage mehr als 2 pro Spiel ein. Der ehemalige Arizona Wildcat rangiert mit bisher 139 versenkten Dreiern auf Platz drei in der Liga, hat sich nach einem schwachen Februar wieder gefangen und ist auf dem besten Weg, die beste Saison seiner Karriere erfolgreich zu Ende zu spielen.

Stats 08/09: 4.2 Pts, 2.3 Reb, 0.4 Ast, 0.3 Stl, 0.3 Blk, 0.2 Dreier
Stats 09/10: 11.6 Pts, 5.2 Reb, 1.4 Ast, 0.9 Stl, 0.9 Stl, 2.1 Dreier


Honorable Mention, aber zu oft verletzt oder bereits "zu gut": Joakim Noah, Andray Blatche, Russell Westbrook, Kevin Durant, Josh Smith, Gerald Wallace, Andrew Bogut