29 März 2010


Der NCAA-Wahnsinn ging weiter an diesem verrückten Wochenende. In vier Städten wurden die Achtel- und Viertelfinals der College-Meisterschaft ausgespielt. So gut wie alle ernsten Titelanwärter blieben dabei auf der Strecke, obwohl die Stars des Turniers ihren Erwartungen mehr oder weniger gerecht wurden. Der Trend aber ging klar zu teamorientiertem Basketball und harter Verteidigung.
SWEET 16
----------------


Im Mittleren Westen fand die Traumsaison der UNI ein jähes Ende gegen die erfahreneren Michigan State Panthers. Beim 59-52 nahm das ehemalige Team von Magic Johnson die Starschützen der Panthers gut aus dem Spiel, und dominierte nach dem Seitenwechsel die Partie dank seines pfeilschnellen Guards Durrell Summers (19 Punkte). Die Underdogs erzielten in den letzten elf Minuten keinen einzigen Treffer mehr aus dem Feld. Im anderen Achtelfinale kegelten die Underdogs Tennessee Volunteers dank Wayne Chism (22 Pts, 11 Rebs) den großen Favoriten Ohio State aus dem Turnier (76-73). Zwar erzielte deren Superstar Evan Turner 31 Punkte, wurde aber in der zweiten Hälfte vom Defensiv-Ass der Vols, JP Prince hervorragend verteidigt. Von den anderen Buckeyes kam nicht sonderlich viel, vor allem Jon Diebler war ein Totalausfall.


Im Osten setzte sich West Virginia gegen die Washington Huskies mit 69-56 durch. In einem grausamen Spiel mit insgesamt 44 Ballverlusten waren die Mountaineers das weniger grausame. Währenddessen setzten die Kentucky Wildcats ihren Triumphzug Richtung Final Four zunächst fort und machten mit Cornell kurzen Prozess. Obwohl die Big Red nach wenigen Minuten 10-2 führten, scorten die Wildkatzen 30 der nächsten 36 Punkte bis zur Halbzeit. Am Ende hieß es 62-45 für John Wall, DeMarcus Cousins & co.


In der westlichen Region schockten die Butler Bulldogs einen weiteren Hochkaräter - für die hoch gelobten Syracuse Orangemen war die Party schon am Donnerstag beendet. Die Bulldogs erzielten 11 Punkte in Serie, und das in der entscheidenden Phase kurz vor Schluß. Gordon Hayward (17 Pts) war der Matchwinner beim knappen 63-59 in einem heiß umkämpften Spiel. Das Match der Woche aber stieg in Utah, wo sich die Kansas State Wildcats in einem wahnsinnigen Hin-und-Her gegen die Musketeers nach zwei Verlängerungen durchsetzten. Jacob Pullen war mit 28 Punkten (6 Dreier) der Mann des Tages und schleppte die Wildcats zum Sieg mit irren Würfen, wann immer es eng wurde.


Duke hatte im Süden keine Mühe mit den Purdue Boilermakers, setzte sich leicht 70-57 durch und erreichte zum ersten Mal seit 2004 die Runde der letzten Acht. Dort landeten auch die Baylor Bears nach ihrem überzeugenden 72-49 Erfolg über die bisherige Aschenputtel-Mannschaft des Turniers, St. Mary's. Baylor's Guards LaceDarius Dunn (23 Pts) und Tweety Carter (14) waren die besten Schützen bei den Bears.


ELITE 8
--------------

Michigan State Spartans vs. Tennessee Volunteers (70-69) MSU Coach Tom Izzo setzte seine März-Dominanz fort und zog mit seinem Team zum sechsten Mal in nur 12 Jahren ins Final Four ein. Izzo's Bilanz in Regional Finals liegt nun bei 6-1 Siegen. Die Spartans schafften das Kunststück wieder mal mit ihren Paradetugenden: harte Defense und Reboundarbeit. Star-Guard Durrell Summers war erneut bester Spartan mit 21 Punkten (8 von 10 aus dem Feld). Raymar Morgan traf den entscheidenden Freiwurf zum 70-69, bevor die Vols mit dem Schlusspfiff einen Verzweiflungsversuch von der Mittellinie vergaben.

Kentucky Wildcats vs. West Virginia Mountaineers (66-73) In einem Turnier voller sensationeller Upsets war der Erfolg der Mountaineers über die hoch favorisierten Wildcats noch sensationeller. Kentucky's extrem junge Mannschaft vergass, seine Dominanz unter den Körben auszunutzen, verlor in den entscheidenden Situationen die Nerven und letztendlich auch das Spiel. Die Wildcats versuchten es immer wieder von jenseits der Dreierlinie, trafen aber kein Scheunentor (4 von 32). West Virginia machte es genau andersrum, versenkte insgesamt 10 Dreier und spielte seinen Stil selbstbewusst nach Hause. Ersatz-Pointguard Joe Mazzulla machte mit 17 Punkten das beste Spiel seiner Karriere, DaSean Butler scorte 18, und die Mountaineers stehen zum ersten Mal seit den Tagen von NBA-Logo Jerry West (1951) unter den letzten Vier.

Butler Bulldogs vs. Kansas State Wildcats (63-56)
Schock des Jahres, wieder mal in Utah (wo sonst). Die kleinen, ehemals unbekannten Butler Bulldogs schickten den nächsten Titelaspiranten nach Hause und stehen zum ersten Mal überhaupt im Final Four. Defense war der Schlüssel zum Erfolg. Mit einer zermürbenden Verteidigungsarbeit wurden die beiden Topscorer der Wildcats - Jacob Pullen und Dennis Clemente - zur Weißglut getrieben. Gordon Hayward war erneut bester Bulldog mit 22 Punkten und 9 Rebounds. Es war der insgesamt 24. Sieg in Folge für Butler - das aber seine regulären Saisonspiele in einer unbedeutenden Conference absolviert, und deswegen kaum zur Kenntnis genommen wurde. Spätestens seit den Back-to-Back Siegen gegen Syracuse und jetzt K-State sollte man die Doggen aber auf der Rechnung haben. Das Final Four findet dieses Jahr in Indianapolis statt, keine 10 Kilometer entfernt vom Campus der Butler-Universität. Gut möglich also, dass Butler's Märchen zu Hause sein Happy End findet.


Duke Blue Devils vs. Baylor Bears (78-71)
Dank Nolan Smith's Karrierebestleistung (29 Punkte) stehen die Blue Devils zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder in einem Final Four. Es ist bereits das 11. NCAA-Halbfinale für den legendären Coach der blauen Teufel, Mike Krzyzewski. Smith brachte in einem spannenden und eng umkämpften Spiel seine Farben auf die Siegerstraße durch seine Dribblings und sicheren Treffer aus der Halbdistanz. Duke holte insgesamt 22 Offensiv-Rebounds und machte daraus 23 Punkte - darunter neun ganz wichtige (3 Dreier) in der entscheidenden Phase des Spiels. Baylor's Megatalent Ekpe Udoh erzielte in seinem wohl letzten College-Spiel 18 Punkte, 10 Rebs, 6 Assists und 5 Blocks für die Bären, die trotz ihres Ausscheidens mit dem Turnier zufrieden sein können.


Die beiden Halbfinals (Michigan State/Butler und West Virginia/Duke) steigen am kommenden Samstag (3. April).