05 März 2010


Wer die NBA seit Längerem verfolgt, dem wird die in den letzten Jahren gestiegene Qualität der Spiele - auch in der regulären Saison - aufgefallen sein. Neben neuesten, wissenschaftlichen Methoden, was Training, Taktik und Scouting anbelangt, hängt dies aber vor allem mit den Point Guards der Liga zusammen. Der Talentanstieg auf der 1 und eine neue Welle junger, talentierter Spielmacher haben dazu geführt, dass heutzutage nahezu alle NBA-Teams über einen zumindest soliden Spielgestalter verfügen. Das wirkt sich nachhaltig auch auf die Parität innerhalb der Liga aus - denn nie zuvor war die NBA so ausgeglichen.

Hier die besten Point-Guards der Welt, vorgestellt in drei Qualitätsgruppen:


1. Die All-Star Elite
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Chris Paul: momentan bester Point-Guard der NBA. Unbestrittener General auf dem Platz. Nicht vom Ball zu trennen. Potentiell verletzungsanfällig (Knie, Sprunggelenke).
Steve Nash: miserabel in der Defense, aber kreativster PG und ein Anführer der alten Schule. Macht routinemässig durchschnittliche Spieler besser als sie sind. Wird mit zunehmendem Alter (36) immer stärker.
Deron Williams: wird immerzu mit Paul verglichen, dabei immer falsch eingeschätzt und nicht entsprechend gewürdigt. Absoluter Top Point-Guard auf allerhöchstem Niveau, erst 25 Jahre alt.
Chauncey Billups: spielt nach wie vor ganz starken Basketball. Ohne ihn sind die Nuggets kein ernst zu nehmender Titelkandidat. Man merkt ihm das Altern aber langsam an, hat wohl noch 1-2 starke Saisons in sich.
Jason Kidd: Hauptverantwortlich für Dallas' starke Serie seit der All-Star Pause, Denker und Lenker, zweitbester Passgeber aller Zeiten (10754). In der Defense jedoch unbrauchbar.
Rajon Rondo: eine ganz anderer Typ als die oberen fünf, aber Motor seines Teams vor allem in Defensive. Exzellenter Verteidiger. Offensiv noch nicht sehr ausgereift, aber bereits jetzt in den Assists-Top5 (10.0 im Schnitt).


2. Die Soliden Veteranen
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Baron Davis: der wohl talentierteste aus dieser Gruppe, mit phantastischen Voraussetzungen. Allerdings zu unkonstant und mental zu labil. Gönnt sich oft Auszeiten und passt wenig auf seinen Körper auf. Wird in den nächsten Jahren (30) schnell altern und rapide abfallen.
Mo Williams: kein echter Spielmacher in Cleveland, wo die Offense nur über James läuft. Zum Jumpshooter und recht guten Verteidiger umgeschult, zeigte aber in Milwaukee, dass er die Tools hat, um eine NBA-Mannschaft zu führen.
Raymond Felton: zu klein, zu dick, zu langsam. Trifft auf Felton alles zu, dennoch ein echter Einser, mit gutem Blick und PG-Instinkten ausgestattet. Profitiert von der Erfahrung eines Larry Brown auf der Trainerbank.
Andre Miller: auch in fortgeschrittenem Alter immer noch ein exzellenter Passgeber, der kleinere Guards mit seinem körperlich robusten Spiel überrumpeln kann. Hat aber in den letzten Saisons an Effizienz eingebüsst.
Tony Parker: spielt phasenweise wie einer, der in die erste Kategorie gehört, jedoch zu unkonstant und defensiv nicht stark genug, um seine offensiven Defekte (Stichwort: unkonstanter Jumpshot) ausmerzen zu können.
Jameer Nelson: schwankt zwischen All-Star Kaliber und unterem NBA-Niveau, konnte in keiner seiner bisher 5 Saisons konstant starke Leistungen darbieten.
Devin Harris: extrem verletzungsanfällig und kein wirklicher Leader auf dem Platz. Leistet sich groteske Fehlentscheidungen mit dem Ball. Hat sein Potential bereits ausgeschöpft.
Gilbert Arenas: der Prototyp des '0-Guards', einer Mischung aus Ballhandler und Scoring-Guard. Verpasst in drei Saisons 199 von 246 möglichen Spielen. Unzuverlässig und geistig wohl auch nicht ganz bei der Sache.


3. Die Young Guns
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Tyreke Evans
: neben Jordan, Lebron und Big O einziger Rookie in der NBA-Geschichte mit mindestens 20 Punkten, 5 Rebounds und 5 Assists im Schnitt. Zukünftiges All-NBA-Kaliber, vielleicht schon im nächsten Jahr.
Stephen Curry: hat viel von Steve Nash, vor allem was reine Basketball-Instinkte anbelangt. Exzellenter Wurf, gutes Auge für den Mitspieler, hoher Spiel-IQ. Definitiv ein zukünftiger PG der Extraklasse.
Russell Westbrook: unendliche Möglichkeiten für einen der komplettesten neuen Spielmacher der Liga. Gleich stark in Offense und Defense, mit herausragender Athletik. Muss aber die Ballverluste in den Griff bekommen, um in den PG-Olymp aufzusteigen.
Derrick Rose: gross, kräftig, sprunggewaltig. Hat sich mit knapp 20 Punkten in dieser Saison etabliert, muss als nächstes das Zepter im Bulls-Angriff vollends an sich reissen und das Spiel mehr dirigieren.
Brandon Jennings: sucht trotz 55-Punkte Spiel immer noch seinen Offensiv-Rhythmus in der NBA. Lernt aber recht schnell die Nuancen des Defensivspiels von Scott Skiles und könnte mit etwas mehr Erfahrung zum Alptraum gegnerischer PGs werden
Aaron Brooks: einer der schnellsten Spieler der Liga, und einer der treffsichersten von hinter der Dreier-Linie obendrein. Könnte seine Assist-Werte (5 pro Partie) in den nächsten Jahren verdoppeln mit der Addition von Kevin Martin und einem gesunden Yao Ming.
Rodney Stuckey: erst in seiner zweiten Saison, bereits jetzt wichtigster Mann im Angriffsspiel der erschreckend schwachen Pistons. Kann mit dem richtigen Coach 20/8 Werte erzielen.
Darren Collison: seit dem Ausfall von Chris Paul zeigte Collison, dass er mit Leichtigkeit in der NBA mithalten kann. Werte von 19 Punkten und 8 Assists als Starter lassen viel Gutes vermuten für die Zukunft dieses extrem flinken Rookie-Guards.
Ricky Rubio: der Spanier wird spätestens 2011 in der besten Liga der Welt erwartet, und dürfte ein ganzes Team mit seiner kreativen und inspirierenden Spielweise beflügeln. Bleibt abzuwarten, wie seine körperliche Anpassung an den NBA-Marathon verläuft.
John Wall: ein 'Freak of Nature' wie die Amis sagen, unfassbare Athletik gepaart mit lupenreinen Point-Guard Instinkten. Automatischer Nr. 1 Pick im kommenden Draft, und zukünftiger Heilsbringer einer ganzen Franchise.