26 April 2010


Es war wie eine Szene aus einem Hollywood-Streifen, und kein Regisseur dieser Welt hätte einen dramatischeren Script verfassen können: die Trail Blazers, 1-2 hinten und zwei mal in Folge vernichtend geschlagen, brauchten gegen die Phoenix Suns ein kleines Wunder, um die eigenen Playoff-Hoffnungen aufrecht zu erhalten. Und manchmal, wenn man denkt es geht nichts mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her: Brandon Roy, Portland's All-Star Guard, kehrte nur 8 Tage nach seiner Knieoperation aufs Parkett zurück und verhalf seinem Team in einem äusserst emotionalen Comeback zu einem 96-87 Heimsieg. Damit egalisieren die Blazers die Serie und schnappen sich obendrein das 'Momentum' vor Spiel 5 am Montag.

Roy musste lange betteln, bevor er die Spielerlaubnis bekam. Die ursprüngliche Antwort von Coach Nate McMillan war Nein. Roy blieb beharrlich, belästigte seinen Coach mit unzähligen SMS und Anrufen in den Stunden vor der Partie. McMillan kontaktierte schließlich den Manager der Blazers, Kevin Pritchard, sowie Paul Allen, den Besitzer. Nach einem Beratungsgespräch der Führungsriege bekam der Franchise-Spieler dann grünes Licht. 

Ende des ersten Viertels war es dann soweit: vor 20000 verrückten Freaks im Rose Garden wurde Roy eingewechselt, während die bekannte 'Rocky'-Hymne aus den Lautsprechern dröhnte. Es war einer dieser Gänsehautmomente, die man nur im Sport erlebt. Der Auftritt erinnerte sehr an die legendäre Rückkehr von Willis Reed, der 1970 seine New York Knicks zu deren erster Meisterschaft führte. Reed war zum Tip-Off des 7. und entscheidenden Spiels völlig unerwartet auf dem Parkett erschienen, obwohl er sich im Spiel zuvor einen Oberschenkelmuskel gerissen hatte. Die euphorisierten Knicks triumphierten damals 113-99, trotz Reed's nur 1 Zähler. Auch Roy war in seinem Comeback-Spiel alles andere als dominierend. Er scorte lediglich 10 Punkte. Allein seine Präsenz aber brachte den Game-Plan der Suns gehörig durcheinander. Sie zeigten sich sichtlich irritiert und mussten ihre Defensive umstellen. Als direkte Folge hatte Lamarcus Aldridge freie Bahn zu insgesamt 31 Punkten.  

"Ich hatte Gänsehaut, als Brandon zum ersten Mal eingewechselt wurde", beschrieb Blazers-Coach McMillan seinen Emotionen nach dem Spiel. "Wir brauchten unbedingt etwas nach den letzten zwei Partien. Ich bin heilfroh, dass er wieder dabei ist. Er wird wohl am Montag von Beginn an auflaufen."

Sowohl Roy als auch das Trail Blazers-Management betonten nach dem Spiel mehrmals, dass es dem Knie gut gehe und man sich über langfristige Komplikationen keine Sorgen machen brauche. Die Ärzte hätten von Anfang an ihr Einverständnis gegeben, und da der Spieler keinerlei Schmerzen (auch nicht während des Trainings in den letzten Tagen) verspürt habe, sei alles im grünen Bereich. Eines jedenfalls steht fest: was noch am Donnerstag nach einem Durchmarsch der Suns ausgesehen hatte, ist ganz plötzlich eine echte Serie geworden. Roy sei's gedankt.