30 April 2010


Die ganze Saison über wurde vielerorts darüber spekuliert, ob Dirk Nowitzki in diesem Sommer die Free-Agent Gewässer navigieren würde. Dazu müsste er auf seine Spieler-Option für 2010/11 verzichten, die ihm nächstes Jahr garantierte 21.5 Millionen Dollar einbringt. Andererseits könnte der Forward dann einen neuen Multijahres-Deal abschliessen, der unter dem aktuellen Collective Bargaining Agreement mehr Geld aufs Sparbuch bringt als nächstes Jahr.

Dirk liess oft verlauten, in Dallas einen Titel holen und seine Karriere beenden zu wollen. Nun aber sind die Dallas Mavericks (wieder einmal) an den San Antonio Spurs gescheitert. Nowitzki & co. verloren das sechste Spiel vergangene Nacht mit 97-87 - und damit auch die Serie. Nach dieser weiteren bitteren Pille in Form eines frühen Playoff-Aus in der ersten Runde (schon zum 3. Mal in den letzten vier Jahren) wird der beste deutsche Basketball-Export nach Uwe Blab seine Optionen sicherlich überdenken. "Ich wollte dieses Jahr einen langen Playoff-Run erreichen und meinen Traum verwirklichen. Ich bin jetzt geschockt und sehr enttäuscht", diktierte Nowitzki nach der finalen Niederlage in Spiel 6 Reportern in die Mikros. "Ich habe mir bis soeben keine Gedanken über Morgen gemacht. Nun habe ich Zeit, nachzudenken, meine Optionen abzuwägen."

In der Tat wird Dirkules einsehen müssen, dass mit dieser Mannschaft in den Playoffs nichts zu holen ist - auch in kommenden Spielzeiten nicht. Seit 1998 reisst sich der Hüne für seinen Club nun schon den Arsch auf, und ausser dem monumentalen Zusammenbruch in den Finalspielen 2006 sieht das Resümee der Mavs in der Postseason alles andere als beeindruckend aus. Trotz 10 Playoff-Teilnahmen in Folge verlor man insgesamt schon 4 mal in Runde eins. Dem Club haftet nicht umsonst ein Verlierer-Image an. Immer für 50+ Siege in der Regular Season gut, kommt man in den Playoffs ein ums andere Mal unter die Räder. Die Gründe: die Mavs sind ein softes Jumpshooting-Team. Zu viele Sprungwürfe, zu wenig Drecksarbeit unter dem Korb, zu wenig Defense. Auch der Trade mit den Washington Wizards im Februar änderte nichts an dieser Tatsache. Dirk bleibt in den entscheidenden Situationen oft auf sich allein gestellt. Die zwei Jasons (Kidd und Terry), Marion und Haywood spielten in dieser Serie weit unter ihren Möglichkeiten, enttäuschten auf ganzer Linie. Rick Carlisle wurde im Trainer-Duell mit Gregg Popovich unter den Tisch gecoacht und trägt einen grossen Teil der Schuld am (wieder einmal) frühen Aus. Warum zum Beispiel Roddy Beaubois, den keiner bei San Antonio verteidigen kann, erst in Spiel 6 zum Einsatz kam, wird für immer ein Geheimnis bleiben.

Nowitzki wird sich also die Frage stellen, ob es einen Weg aus der Sackgasse gibt, denn viele Spieler aus dem aktuellen Kader sind vertraglich über die Saison hinaus an die Mavs gebunden. Entweder Mark Cuban lockert (wieder einmal) den Geldbeutel und holt via Trade oder über die Free Agency einige kompetente Starspieler nach Texas. Oder aber Dirk entschliesst sich dazu, seinem Traum vom NBA-Titel an anderer Stelle nachzujagen, und wechselt. So oder so: nach mittlerweile 12 Jahren gehen die Mavericks zum ersten Mal mit absoluter Ungewissheit in die Off-Season, denn ihr Franchise-Spieler könnte, ganz realistisch, im November zum ersten Mal ein anderes NBA-Trikot tragen.