08 April 2010


Don Nelson ist seit gestern der 'All-Time Winningest Coach' in der Geschichte der National Basketball Association. Seine Golden State Warriors gewannen in Minnesota 116-107 und bescherten Nelson den 1333. Sieg seiner Trainerkarriere - einen mehr als Lenny Wilkens, dem bisherigen Rekordhalter.

Nelson ist mit seinen 69 Lebensjahren ein echter Dinosaurier in der sich schnell verändernden NBA-Landschaft von heute. Seit 31 Saisons gibt 'Nellie' schon den Ton an, insgesamt coachte er vier verschiedene Teams zu einer 1333-1061 Bilanz. Neben den Warriors, bei denen er in den frühen Neunzigern schon einmal engagiert war (1988-95), sass Nelson schon in Milwaukee (1976-87), New York (95-96) und Dallas (1997-2005) auf der Bank. Seit fünf Jahren ist er wieder in Oakland bei den Warriors.

Nelson hat sich über die Jahre den Ruf eines verrückten Professors erarbeitet. Kritiker bemängeln seinen Spielstil immer wieder als uneffektiv und weisen ganz gerne auf seine gescheiterten Versuche hin, einen NBA-Titel zu gewinnen. Dennoch zählt der dreimalige Trainer des Jahres zu den innovativsten und kreativsten Coaches aller Zeiten, ein echtes Offensiv-Genie mit einem extrem hohen Basketball-IQ. Soviel müssen ihm auch die Neider eingestehen. Er experimentierte viel und entwickelte in all seinen Teams einen freizügigen, improvisierenden Spielstil, der immer von seiner Schnelligkeit und einer extrem hohen Anzahl an Wurfversuchen lebte. Die Lieblingsformel des Professors: "Würfe = Punkte. Mehr Würfe = Mehr Punkte. Mehr Punkte = Sieg". Aus so manchem schlechten Team holte Nellie so das Maximale heraus, stellte auf 'Small-Ball' um und kreiierte so unzählige Mismatches auf dem Platz, die seine Spieler immer wieder ausnutzten. Er hatte selten den Luxus, erstklassige Teams betreuen zu dürfen. Angesichts dessen ist seine Siegquote von über 56 Prozent exzellent. Faszinierend auch folgende Statistik: 13 mal kam Nelson mit seinen oft durchschnittlichen Teams auf 50 Siege oder mehr. Eingefleischten Nowitzki-Fans dürfte Nelson zudem als visionärer General Manager in Erinnerung bleiben, der 1998 den damals erst 20-jährigen Würzburger Zweitligaspieler ohne echte Profierfahrung nach Dallas holte.

Am ehesten beeindruckt mich persönlich die Tatsache, dass der alte Mann seinem Stil immer treu geblieben ist, egal wo er war. Er legte sich mit Spielern, Managern und Funktionären gleichermassen an, nahm nie ein Blatt vor den Mund und zog die Sache immer nach seinem eigenen Geschmack durch. In einem Business, in dem Coaches eine Halbwertszeit von teilweise nur wenigen Monaten haben, hat Nelson über 30 Jahre mehr recht als schlecht überlebt - auf seine eigene Art und Weise. Das verdient Respekt und Anerkennung.