20 April 2010


Die News für Utah hätten vor Spiel 2 nicht schlechter sein können: Andrei Kirilenko, der sich ohne Fremdeinwirkung verletzte (Gerüchten zufolge beim Niessen) fällt ebenso für die gesamte Serie aus wie Mehmet Okur, dessen Achillessehne in Spiel 1 zum Teufel ging. Ohne zwei etatmässige Starter sind die Jazz auf eine Kombination aus Kyrylo Fesenko und Kosta Koufos angewiesen - allein beim Aussprechen dieser Namen läuft einem schon der kalte Schauer über den Rücken, denn alles, was über 3 Minuten Einsatzzeit (zusammen) hinaus geht, ist des Guten bereits zuviel. Nicht wenige prophezeiten einen Sweep der Nuggets, wohlwissend um Utah's jetzt spärlich besetzten Kader.

Ein gewisser Deron Williams riss aber das komplette Offensivspiel an sich, dominierte gemeinsam mit seinem kongenialen Partner Carlos Boozer die Partie und egalisierte fast im Alleingang die Serie bei 1-1. Es war ein Anschauungsunterricht in Sachen 2-man game, mit dem man ganze Seminare füllen könnte. Da war zum Beispiel Deron's Aggressivität vom ersten Sprungball an. Er attackierte jedes einzelne Mal mit seinem Dribbling die Nahtstellen in der Nuggets-Defensive und liess das Trio Billups/Afflalo/Smith wie Kreisligaverteidiger aussehen. Sein Drive zum Korb war beeindruckend, seine Beharrlichkeit wurde reich belohnt (16 von 18 Freiwürfen verwandelt). Der hohe Pick n Roll mit Boozer lief so effizient, dass man ab dem zweiten Viertel überrascht war, wenn der Ball nicht im Netz zappelte. Boozer bestrafte die Nuggets abwechselnd mit Power Moves zum Korb und seinem extrem treffsicheren Regenbogen-Sprungwurf aus 4 bis 6 Metern. Seine Statistiken unterstreichen den höchst effektiven Arbeitstag: 20 Punkte, 15 Rebounds, 10 von 16 aus dem Feld.

Williams spielte noch ein paar Levels besser und zeigte, warum viele in ihm den besten Spielmacher der Liga sehen. Die Mischung aus eigenem Scoring und Assists (33 Jordans, 14 Stocktons), aber vor allem die Art und Weise, wie er auf dem Platz alles im Griff zu haben schien, machte den Unterschied für die Jazz. Der wohl mit entscheidende Spielzug knapp zwei Minuten vor Schluss sah in etwa so aus: Auszeit Utah. Deron bekommt den Ball. Er tanzt mit Billups ein kleines Tänzchen, Chauncey vergisst die Schrittfolge und lässt D-Will höflich vorbei ziehen. Die komplette Denver-Defensive kriegt einen Panikanfall und macht die Zone zu, um Williams nicht schon wieder punkten zu lassen. Der will aber gar nicht scoren, zimmert statt dessen einen perfekten Pass zu Kyle Korver in die Ecke, der so frei steht, dass angenommen werden muss, er würde von den Nuggets für einen Zuschauer namens Ashton Kutcher gehalten. Dreier Kutcher, Utah führt 108-106 und gibt den Vorsprung bis zum Schluss nicht mehr aus der Hand.

Für Denver ist der Heimvorteil also erst mal dahin. Die Frustration an diesem Abend war den Nuggets oft anzumerken: bei drei von zwei Schiedsrichterentscheidungen, egal wie deutlich, wurde wild herum gestikuliert und eine Grundsatzdiskussion vom Zaun gebrochen. Carmelo Anthony erzielte zwar 32 Punkte, traf aber nur 9 von 25 aus dem Feld und disqualifizierte sich durch persönliche Fouls selbst. Damit fehlte er seinem Team in der entscheidenden Phase des Spiels.

Die nächsten zwei Spiele steigen in Salt Lake City, einer wahren NBA-Festung (wer liebt sie nicht, die Spiele in Utah oder Portland, wo die Fans so wild und laut sind, dass man den Eindruck hat, jeder Pfiff der Schiedsrichter könnte eine Zuschauer-Stampede provizieren), bevor man für Partie 5 wieder nach Colorado zurück kehrt. Will Denver diese Serie gewinnen, muss mindestens ein Auswärtsspiel gewonnen werden. Von einem Sweep sind die Nuggets nun weiter entfernt als von einem frühzeitigen Sommerurlaub.