18 April 2010


Das wohl spannendste Ost-Duell der ersten Runde wird in Massachusetts eröffnet, wo für die Boston Celtics im heimischen TD Banknorth Garden gegen die Miami Heat mehr als nur eine Playoff-Serie auf dem Spiel steht. Das Team und die komplette Franchise ist am Scheideweg angelangt. Der Ex-Champion in der uns bekannten Form wird nur unter einer Bedingung so in dieser Art weiter existieren, nämlich durch ein erfolgreiches Vorstossen bis tief in die Playoffs hinein. Ist dagegen schon vor den Conference Finals Schluss, wird die Mannschaft wohl oder übel auseinander gerissen, denn selbst die grössten Optimisten werden dann einsehen müssen: das Haltbarkeitsdatum des Meisters aus dem Jahr 2008 ist eindeutig überschritten.

Mehr schlecht als recht schleppte sich der Altmeister durch die reguläre Saison, die man als viertbestes Team in der Eastern Conference beendete mit einer 50-32 Bilanz. Die Celtics wirkten satt, uninspiriert und unmotiviert. In der Offensive ist das Team mittlerweile sehr leicht auszurechnen, dementsprechend auch leicht auszuschalten. Im Lowpost fehlt jegliche Scoringoption, so dass man entweder Rondo aus der Zone fern halten oder Ray Allen durch die Zone jagen muss, um ihn von seinen bevorzugten Screen-Curl Spotup Würfen weg zu drängen. Verfügt man zusätzlich über einen grossen, physischen Forward, der Paul Pierce körperlich ein bisschen beackern kann, hat man so gut wie gewonnen. Kevin Garnett ist mittlerweile ein Schatten früherer Tage, und obwohl sich seine Karriere-Playoff-Werte sehr beeindruckend lesen (21.6 Pts, 12.4 Rebs), hat KG seinen Zenit längst überschritten. Die Defensive, einst Markenzeichen der irischen Kobolde, kann zwar immer noch recht effektiv sein, hat aber ihren ehemaligen Ruf als 'Lockdown D' eingebüsst. Rasheed Wallace, im Sommer noch als Heilsbringer nach Beantown gelockt, enttäuschte selbst die eigenen Fans auf ganzer Linie und zählt zu den grössten Fehlgriffen der Saison. Einziger Lichtblick in dieser Serie: Rajon Rondo auf der PG-Position. Kein Spieler bei Miami kann den blitzschnellen Guard stoppen. Will Boston weiterkommen, muss Coach Doc Rivers das Spiel seines Teams in die Hände seines jungen Aufbauspielers legen. Ausserdem gefällt die Bank der Celtics - dank vieler Veteranen und Rollenspieler haben sie hier ganz klar die Nase vorn.

Das dürfte Dwyane Wade allerdings herzlich wenig interessieren. Der Megastar und ehemalige Finals-MVP steht ganz klar im Fokus, denn ein Spieler seines Kalibers kann eine ganze Serie dominieren und Spiele im Alleingang gewinnen - erst recht in den Playoffs (siehe 2006). In dieser Saison brachte es Wade in drei Duellen mit Boston auf 33.7 Punkte und 8.7 Assists im Schnitt. Die Celtics sind also vorgewarnt und dürften einen Großteil der defensiven Aufmerksamkeit Wade zuteil werden lassen. Man kann dennoch davon ausgehen, dass 'Flash' sich routinemässig knapp 30 Punkte in jedem Spiel genehmigt. Viel wird für die Heat von Spielern wie Udonis Haslem und Jermaine O'Neal abhängen. Haslem wird Garnett und Wallace verteidigen sowie im Rebounding einen Hauptanteil übernehmen müssen. Auf JO verlässt sich Miami unter den Körben, sowohl als konstante Scoring-Option sowie als Verteidiger, der Fouls vermeidet. Der X-Faktor beim Team von Rookie-Coach Erik Spoelstra, dass mit einem Lauf in die Postseason startet (18-4 Bilanz zum Ende der Saison), ist aber ganz klar Michael Beasley. Schafft es der talentierte, aber enigmatische Small Forward, sein Potential abzurufen, stecken die Celtics in Schwierigkeiten ob der unterschiedlichen Scoring-Optionen bei den Heat.

Alles in allem treffen hier zwei Teams aufeinander, bei denen viele Fragezeichen im Raum stehen. Schafft es Boston, die Intensität in der Defensive über 48 Minuten aufrecht zu erhalten, dürfte das alte Team weiterkommen - vorausgesetzt die Altstars Garnett, Pierce und Allen liefern halbwegs gute Leistungen ab. Eine gute Serie von Rasheed Wallace wäre natürlich ein Riesenboost für das kränkelnde Celtics-Ego. Bei Miami hängt indes viel von Beasley ab - alle anderen dürften in etwa die erwarteten Leistungen abliefern, Horror-Bank inklusive. So oder so, die Serie wird eng und hart umkämpft. Die Celtics könnten im Halbfinale auf die Cavs und Lebron treffen - allerdings nur wenn alles zusammen passt, was eher unwahrscheinlich ist. Dwyane Wade wird etwas dagegen haben, und keiner bei Boston kann ihn stoppen.


nbachef tippt: 4-3 Miami