17 April 2010


Wäre Andrew Bogut's schwere Armverletzung in der letzten Woche der regulären Saison nicht gewesen, würde uns hier die wohl interessanteste Serie im Osten erwarten. Ohne ihren Franchise Center aber steht den Bucks ein (sehr) frühes Ausscheiden aus den Playoffs ins Haus. Zu unerfahren, zu klein, zu berechenbar präsentieren sich die Hirsche ohne Bogut. 

Der Australier war einer der Hauptgründe für die überraschend starke Saison des Teams aus Wisconsin. Dank seiner Präsenz unter den Körben (10.2 Reb, 2.5 Blks) verankerte er in erster Linie die Defensive - die Paradetugend des recht untalentierten Teams, in dem Rollenspieler dennoch ihre Aufgaben hervorragend ausführten, vor allem hinten. So gewannen die Milwaukee Bucks 46 Spiele in der regulären Saison und landeten zur Überraschung aller Beobachter auf Platz 6. Die Handschrift ihres Coaches Scott Skiles ist klar erkennbar: harte Verteidigung und in der Offense uneigennützig spielen. John Salmons ist nach Bogut der wohl wichtigste Spieler in Milwaukee. Er kam in jenem Mid-Season Trade aus Chicago. Seitdem spielen die Bucks wie ausgewechselt (22-8 Siege), und Salmons hat mit knapp 20 Punkten im Schnitt einen Hauptanteil am Erfolg. Auch Rookie-Point Guard Brandon Jennings kommt eine Sonderstellung im Spiel des ehemaligen NBA-Champions (1971) zu. Das Hauptproblem aber bleibt: ohne Bogut fällt das ganze Kartenhaus in sich zusammen. Es fehlt sowohl die erste Offensivoption unter den Körben sowie der 'Enforcer' in der Defensive. Gegnerische Teams können ihre ganze Aufmerksamkeit der Verteidigung des Perimeters widmen. Unter dem Korb sind die Bucks auf Spieler wie Kurt Thomas und Dan Gadzuric angewiesen - das kann nicht gut gehen.

Zumal auf die Bucks ein junges, athletisches und körperlich imposantes Gegnerteam wartet: die Atlanta Hawks gehören (immer noch) zu den besten jungen Teams der Liga, konnten sich in den letzten sechs Jahren stetig steigern und in der Endabrechnung der regulären Saison verbessern (Bilanzen ab der 04/05 Saison: 13-69 // 26-56 // 30-52 // 37-45 // 47-35 // 53-29). Mit Joe Johnson verfügen die Falken über einen echten All-Star, der zusätzlich zu den vielseitigsten und abgebrühtesten Spielern der Liga zählt. Josh Smith und Al Horford unter den Körben sind ein echter Matchup-Alptraum für nahezu jeden Gegner. Und die Addition von Jamal Crawford - dem besten Sechsten Mann der Liga - merzte mit einem Schlag mehrere Schwachstellen in Atlanta's Spiel aus: das Problem nur einer offensiven Option in Crunchtime (Johnson), das PG-Problem (Bibby), und die in vergangenen Saisons zu schwach besetzte Bank. 

Auf nahezu allen Positionen wartet auf Milwaukee ein Mismatch. Unter den Körben hat das Team von Scott Skiles überhaupt keinen Stich - der Froncourt Atlantas wird nach Belieben agieren können, die Bretter und das Spiel in der Zone dominieren. Kann zwar sein, dass die geistig nicht immer topfitten Hawks sich ihrer Sache zu früh zu sicher fühlen und ein Spiel abgeben - weil die Einstellung eben nicht stimmt. Alles in allem aber zählt dieses Matchup zu den langweiligsten in Runde 1 - für die Bucks geht eine Traumsaison hier sang- und klanglos zu Ende.


nbachef tippt: 4-1 Atlanta