18 April 2010


Der amtierende NBA-Champion Los Angeles Lakers startet seine Titelverteidigung als bestes Team im Westen. Platz Nummer 1 steht seit mehreren Wochen fest, und so ließ es LA in den letzten Spielen der regulären Saison gemütlich angehen. Der Lakers-Motor läuft seit einiger Zeit alles andere als rund, und wie immer um diese Zeit schlüpfen alle Kritiker, Wahrsager und Klugscheisser aus ihren Schlupflöchern, um verbissener denn je die Krise beim Meister ins allgemeine Gewissen zu reden. Die Paniktrommel wird schon seit Februar gerührt: Bryant angeschlagen und zu egoistisch, Gasol zu soft, Bynum zu verletzt, die Bank zu schwach, Phil Jackson zu uneffektiv, und die Saison damit wohl schon in den ersten Runden zu Ende. Nutzniesser dieses angeblich historischen Tiefs sollen ausgerechnet die Oklahoma City Thunder sein, die alle überraschten und sich in der bärenstarken Western Conference in die Postseason spielten.

Die Erfolgsgeschichte der Thunder und deren Erreichen der Playoffs als jüngste Mannschaft der Liga zählt zu den besten Storys der Saison. Alle lieben Oklahoma City. Das Team avancierte quasi über Nacht zum Lieblingsteam aller NBA-Fans, und viele drücken Durant & co. die Daumen für ein Upset in Runde 1. Mehrere Faktoren auf Seiten OKC's werden die Serie offen und spannend gestalten. Zum einen natürlich Kevin Durant. Bester junger Spieler der Liga. Jüngster Topscorer (30.1 Pts pro Spiel) aller Zeiten. Ernst zu nehmender MVP-Kandidat. Trifft auf KD alles zu. Noch beeindruckender: seine bodenständige, symphatische Persönlichkeit. Im Gegensatz zu einem Lebron James, der sich selbst bei jeder Gelegenheit zum Himmel loben muss, spielt Durant einfach nur Basketball und stellt das Team und seine Mitspieler immer vorne weg. Die komplette Mannschaft agiert mit erstaunlicher Coolness und Rationalität auf dem Platz, trotz ihres noch jungen Alters. Russell Westbrook avanciert zum Schlüsselspieler in dieser Serie. Kräftig und athletisch gebaut, mit einem schnellen ersten Schritt zum Korb, wird Westbrook von keinem Lakers-Aufbauspieler effektiv verteidigt werden können. In dieser Saison brachte es der ehemalige College-Star aus Los Angeles (UCLA) auf knapp 18 Punkte, 8 Assists und 5 Rebounds im Schnitt, wenn es gegen die Lakers ging. Schafft es der Spielmacher, auf dem Platz überall hin zu gelangen und die perfekte Balance zwischen Aufbauarbeit und eigenem Scoring zu finden, könnte OKC die Serie interessant gestalten.

Zu viel mehr wird es allerdings nicht reichen. Zum einen verfügt LA über den besten Crunch-Time-Spieler der Liga in Kobe Bryant. Viele Pessimisten haben Nummer 24 schon abgeschrieben, weil er in dieser Spielzeit seine Dominanz vergangener Jahre vermissen liess, vergessen über alle oberflächliche Kritik aber oft, dass Kobe die komplette Saison über mit zwei gebrochenen Fingern an seiner Wurfhand spielte. Bedingt durch viele weitere Wehwehchen (Rückenprobleme, mehrere Sprunggelenksverletzungen) sicherlich nicht das beste Jahr von Bryant, aber trotzdem: 27 Pts, 5 Rebs und 5 Ast im Schnitt sind nicht gerade schäbige Rollenspielerwerte. Eines ist klar: der viermalige NBA-Champ lebt für die Playoffs und diese Spiele, in denen alles oder nichts gilt, und wird mal wieder seinen besten Leistungen im April und Mai abliefern.

Überhaupt diese Panikmache. Die ausgegebenen Etappenziele der Lakers vor der Saison waren: Platz 1 im Westen und Heimrecht bis in die Finals klar machen, und alle gesund an Bord haben, wenn die Playoffs losgehen. Mission erfüllt. Andrew Bynum ist pünktlich zu den wichtigsten Spielen des Jahres wieder genesen und bildet mit Pau Gasol und Lamar Odom die imposanteste Frontline aller 16 Playoff-Teams - Cleveland inklusive. Spielen nur zwei dieser Hünen gut, sind die Lakers kaum zu schlagen. Kommen alle drei ins Rollen, kann der Gegner einpacken. Oklahoma verfügt nicht über die nötige Länge, um die Big Men der Lakers im Zaum zu halten und wird dementsprechend unter den Körben den Arsch voll kriegen. In der Defensive werden sich Ron Artest und Kobe mit der Betreuung von Durant abwechseln und versuchen, die restlichen Thunder zum punkten zu zwingen.

Die Aufbauposition ist nach wie vor die Schwachstelle der Lakers. Fisher, Farmar und Brown müssen ihr Spiel steigern und vor allem ihre freien Würfe treffen, wenn Gasol, Bynum oder Kobe gedoppelt werden. In der Defensive werden die Lila-Gelben Probleme bekommen mit den schnellen Guards der Thunder - so wie in der regulären Saison (3-1 Lakers), als OKC ein Spiel gewann und zwei nur knapp verloren gab. Schon da wurde aber deutlich: LA's Länge und Erfahrung übertrumpft die Jugend und Athletik der Thunder. Der Champ wird diese Spiele nutzen, um als Team wieder zusammen zu finden und zieht nach unterhaltsamer Serie in die nächste Runde ein, während Oklahoma City die Tränen bitterer Playoff-Niederlagen trocknen wird, die auf dem Weg zur Elitemannschaft geweint werden müssen.


nbachef tippt: 4-2 Lakers