19 April 2010


Eine der besten Serien in der ersten Runde steigt in Texas, wo die an zwei geführten Dallas Mavericks auf den alten Rivalen San Antonio Spurs treffen. Beide Teams kennen sich in- und auswendig. Alle Spielzüge, alle taktischen Schmankerl sind bekannt, sie Spieler und Coaches sehen sich jedes Jahr mindestens vier Mal. Man traf sich in den Playoffs 2006 (Klassiker in der zweiten Runde, Dallas gewann 4-3), letzte Saison dann wurden die Spurs mit 4-1 nach Hause geschickt. Man sinnt also auf Rache beim in die Jahre gekommenen, viermaligen NBA-Champion.

Für die Spurs schließt sich nach über 10 Jahren Dominanz und insgesamt vier Titeln (1999,2003,2005,2007) in der Ära Duncan-Popovich langsam aber sicher die Tür zu weiteren Krönungszeremonien im Juni. Tim Duncan wird nächste Woche 34 Jahre alt. In dieser Spielzeit wurde sein zunehmender Leistungsabfall deutlicher denn je. Bei den Punkten, Rebounds und Blocks postete Timmy die schlechtesten Werte seiner Karriere - klares Zeichen dafür, dass sich der Big Man auf das Ende seiner spektakulären Laufbahn zubewegt. Tony Parker, ehemaliger Finals-MVP, verpasste verletzungsbedingt 26 Spiele in dieser Saison und ist nicht der Alte. Die Verpflichtungen der Spurs im Sommer (Jefferson, Bogans) blieben weit hinter den Erwartungen zurück. Einzig und allein Manu Ginobili haben es die Spurs zu verdanken, dass sie überhaupt die Playoffs erreicht haben. Der Argentinier, mittlerweile auch schon 32, hielt seine Farben mit über 20 Punkten im Schnitt seit dem All-Star Wochenende auf Kurs, am Ende wurde man 7. im Westen. Selbstverständlich ist jedes ehemalige Meisterteam in den Playoffs brandgefährlich. Die Spurs spielen abgezockt, langweilig, aber hoch effektiv. Jeder im von Gregg Popovich perfekt gecoachten Verbund füllt seine Rolle ideal aus. Allein schon deswegen wird San Antonio die Serie eng gestalten und mindestens zwei, eher drei Spiele für sich entscheiden. Die alten Männer wissen einfach, wie man in den Playoffs Basketball-Spiele gewinnt.

Die Dallas Mavericks haben nur ein Ziel: den Titel. Teambesitzer Mark Cuban scheute keine Mühe und keinen Dollar, um eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen, die ihren Topstar Dirk Nowitzki nach Kräften unterstützt. Der Trade von Jason Kidd für Devin Harris, den Experten vor zwei Jahren noch müde belächelten, haben die Mavs klar gewonnen. Kidd hat sich gegen Ende seiner Karriere offensiv neu erfunden, lenkt aber das Spiel seiner Mannschaft immer noch wie zu seinen besten Zeiten. Ähnlich wie Steve Nash in Phoenix wird J-Kidd mit zunehmendem Alter ebenfalls immer besser. Vor der Saison kam Shawn Marion als agiler, defensivstarker Flügelspieler. Er soll die Drecksarbeit erledigen, den besten Frontcourt-Spieler des Gegners aus dem Spiel nehmen und Dirkules so für die entscheidenden Momente im Spiel fit halten. Der absolute Coup aber gelang den Mavs vor der diesjährigen Trade-Deadline, als man Brendan Haywood und Caron Butler aus Washington entführte. Mit Butler verfügen die Mavs nun über einen weiteren Go-to Scorer sowie einen exzellenten Perimeter-Verteidiger. Haywood und Erick Dampier ergeben zusammen ein sehr gutes Center-Tandem, das gegen die Spurs und Lakers dringend benötigtes Rebounding und Shotblocking bereit stellt. Weitere Pluspunkte für die Mavs: eine gute Reservebank, mit Rick Carlisle ein erfahrener Coach, und natürlich der zweiteffektivste Crunch-Time Spieler der Liga, Dirk Nowitzki. Die Spurs werden das deutsche Wunderkind auch diesmal nicht in den Griff bekommen.

Alles in allem verfügen die Mavs über zu viele Waffen, um gegen San Antonio zu verlieren. Sicher: laufen alle Spurs-Spieler gleichzeitig heiß, treffen die Distanzschützen jeden Dreier, und spielen Ginobili und Parker wie vor drei Jahren, könnte es für die Mavs eng werden. Ich denke dennoch, dass Duncan bei Haywood und Dampier über weite Strecken gut aufgehoben sein dürfte, Ginobili von Butler/Marion einigermassen ausgeschaltet wird, und Parker nicht wieder der Alte ist, um die Sensation zu schaffen. Denn Spurs hin oder her: die Mavs sind hungriger, tiefer besetzt, haben Heimvorteil und den besten Spieler der Serie in ihren Reihen. Wird zwar anstrengend, aber Dallas will ins Conference Finale.


nbachef tippt: 4-3 Dallas