19 April 2010


Schwerer Schock für die Portland Trail Blazers vor dem ersten Spiel der Playoffs gegen die Phoenix Suns: Superstar Brandon Roy fällt mit einer Knieverletzung mindestens zwei Wochen aus und wird seinem Team in dieser Serie nicht zur Verfügung stehen. Die gesamte Dynamik der Serie verschiebt sich damit schlagartig: anstatt eines spannenden Duells zweier verschiedener Basketball-Philosophien, das gut und gerne über die volle Distanz hätte gehen können, werden die Blazers zu Kanonenfutter für die Offensivmaschinerie aus Arizona.

Man verstehe mich nicht falsch: auch ohne Roy verfügt Portland über ein talentiertes Team mit vielen vielversprechenden, jungen Spielern. Die meisten von ihnen haben aber so gut wie keine Playoff-Erfahrung. Ohne Roy fehlen nicht nur 21.5 Punkte pro Spiel, sondern auch Herz und Seele (sowie der wichtigste Initiiator) des eigenen Angriffspiels. Andre Miller, Marcus Camby und der knapp 94-jährige Juwan Howard sind die einzigen Veteranen im Team, die sicherlich alles tun werden, um Jungspunden wie Nic Batum oder Martell Webster das Leben zu erleichtern. Die Bank- und Rollenspieler müssen ohne ihren Go-to Guy über sich hinaus wachsen, um eine Chance zu haben. Der zweitbeste Spieler der Blazers, Lamarcus Aldridge, muss zudem zum absoluten Leistungsträger avancieren. Portland spielt ein extrem langsames Tempo, bevorzugt im Halbfeld, läuft selten Fastbreaks und versucht, die Uhr zu kontrollieren. Mit Andre Miller haben sie den idealen Spieler für diese Taktik. Sie dürfen sich in dieser Serie keine Ballverluste erlauben und müssen offensiv hocheffizient zu Werke gehen, um Phoenix' Fast-Break-Spiel zu unterbinden.

Trotzdem hätte es für Portland ohne Roy keinen ungeeigneteren Gegner als die hochexplosiven Phoenix Suns geben können. Obwohl in den Playoffs ein langsameres Tempo angesagt ist, interessiert das die Suns herzlich wenig. Die Hauptphilosophie ist nach wie vor: rennen, was das Zeug hält, und schnell den Abschluss suchen, um so viele Wurfmöglichkeiten wie möglich heraus zu spielen. Im Gegensatz zu früher sind die Suns aber auch im Halfcourt-Spiel nicht mehr zu unterschätzen, erarbeiten dank eines hocheffektiven Pick & Rolls zahlreiche Chancen aus dem Set Play. Steve Nash, zweimaliger Most Valuable Player und mittlerweile 36, scheint nicht von dieser Welt zu sein. Kein Spieler in seinem Alter hat jemals vergleichbare Statistiken zusammengetragen: knapp 17 Punkte und 11 Assists (Platz 1) im Schnitt bei 51 Prozent aus dem Feld und 94 (!) Prozent von der Linie. Zusammen mit Amare Stoudemire, der seine dominante Form früherer Tage wieder erlangt hat (durchschnittliche 27 Pts und 10 Reb im März/April) bildet Nash eine tödliche High-Low Kombination. Die Bank der Suns ist stärker als je zuvor (Dudley, Frye, Barbosa, Dragic, Amundson). Alle Spieler können punkten und das Spiel auf mehrere Weisen beeinflussen, wenn sie auf dem Platz stehen. Die Distanzschützen bei Phoenix sprechen für sich.

Zwar scheinen die Suns den Trail Blazers auf den ersten Blick zu liegen: in der regulären Saison gewann Portland zwei der drei Begegnungen, erlaubte nur 98 Punkte im Schnitt - weitaus weniger als die 110, die PHX pro Partie erzielt. Die Marschroute der Schwarz-Roten wird auch diesmal heissen: Zone zumauern, um Amare aus dem Spiel zu nehmen, und sich darauf verlassen, dass bei den Suns die Distanzschützen versagen. Daruf zu bauen, dass in Phoenix aber keiner der vielen Dreier-Werfer ins Rollen kommt, ist der einzige effektive Game-Plan, den Portland hat. Das Prinzip Hoffnung hat in den Playoffs noch nie sehr gefruchtet. Ein Spiel geht an die Blazers, weil sie zu Hause über die mit besten Fans der Liga verfügen. Mehr als ein Strohfeuer ist aber nicht drin.


nbachef tippt: 4-1 Phoenix