06 April 2010


Am Samstag hatten die populären und hoch favorisierten Duke Blue Devils ihr Halbfinale gegen West Virginia klar und deutlich gewonnen (78-57) und standen damit zum ersten Mal seit 2001 wieder in einem Endspiel um die College-Meisterschaft. Der Gegner: die unbedeutenden Butler Bulldogs, die noch vor Wochen kein Mensch wirklich ernst genommen hatte. Dabei war die kleine Universität aus Indiananapolis schon während der regulären Saison ein erstklassiges Basketball-Team, kam war mit 20 Siegen in Folge ins NCAA-Turnier. Dort warf Butler dann einen Hochkaräter nach dem anderen raus: nach UTEP und Murray State in den ersten beiden Runden mussten Syracuse und Kansas State dran glauben. Im Halbfinale war schließlich für die Michigan State Spartans Endstation, Butler behielt mit 54-52 die Oberhand und landete zum ersten Mal überhaupt im Finale. Das Frühlingsmärchen näherte sich seinem Siedepunkt, und die Dramaturgie hätte nicht besser konzipiert sein können: Butler gegen Duke, David gegen Goliath, symphatischer Underdog gegen verhassten Seriensieger.

Das grosse Entscheidungsspiel um die College-Krone stieg gestern Nacht - es sollte eines der besten Spiele seit langem werden. Ein epischer Schlagabtausch zwischen zwei völlig gleichstarken Mannschaften, die sich nichts schenkten und erstklassigen Basketball boten. Am Ende fehlten den Bulldogs Zentimeter zum Happy End - der letzte Wurf ihres Starspielers Gordon Hayward prallte vom Brett an den Ring, aber nicht in den Korb.

So triumphierte Duke mit 61-59 und darf sich bei seinen 'Big Three' - Kyle Singler (19 Punkte), Nolan Smith (13) und Jon Scheyer (15) bedanken. Die Teufel spielten streckenweise gute Verteidigung und zeigten ihr ausbalanciertes Inside-Out Game, hatten aber auch Glück in den entscheidenden Situationen und hätten sich über eine Niederlage nicht beschweren können. Butler hatte zwei Siegchancen in Person von eben jenem Hayward, der sich als einer der besten Spieler des Turniers einen Namen machte. Erst verfehlte der Bulldog einen schweren Fadeaway-Jumper knapp 4 Sekunden vor dem Ende, dann den entscheidenden Wurf mit der Schlußsekunde. Butler verschlief die Anfangsphase und blieb zudem in Hälfte zwei knapp 8 Minuten ohne eigenen Treffer - das machte letzten Endes den Unterschied aus und bescherte den verhassten Teufeln aus dem Bundesstaat North Carolina die Trophäe. Es war der insgesamt vierte Titel für die Blue Devils, seit der legendäre Coach Mike Krzyzewski vor etwa 30 Jahren an der Tobacco Road anheuerte. Erst das sensationelle Back to Back Anfang der Neunziger Jahre (1991 und 92), als Christian Laettner zum kommenden Megastar des Basketballs hochstilisiert wurde, und ein weiteres Mal vor neun Jahren (2001). Damals im Team: die heutigen NBA-Stars Carlos Boozer, Shane Battier, Mike Dunleavy Jr, Chris Duhon und Dahntay Jones.