29 April 2010


Während die NBA in der heissen Phase der Saison steckt (sprich: Playoffs), ging an anderer Stelle die Spielzeit 09-10 zu Ende. Die Rio Grande Valley Vipers gewannen zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte die Meisterschaft in der National Basketball Association's Development League, kurz D-League (früher: NBDL).

Die Liga wurde 2001 von NBA-Boss David Stern gegründet und soll als Talentpool für die grosse Schwester dienen. Insgesamt 16 Mannschaften bilden ein Farmsystem, wie man es beispielsweise aus dem Baseball kennt. Jedem dieser Mannschaften ist ein oder mehrere Profiteams zugeteilt, man arbeitet eng zusammen. Die Development League emuliert die Strukturen und Arbeitsweisen der NBA. Es gelten die gleichen Regeln, die Spiele werden gleich geleitet, sogar die Spielsysteme werden zum Teil übernommen. Idealerweise, so stellt sich David Stern vor, wird eines Tages jedes der 30 NBA-Teams über ein eigenes Farmteam in der D-League verfügen. Spieler, vor allem Rookies und junge Talente, können so problemlos an die Spielweise in der NBA herangeführt werden. Sie arbeiten intensiv an ihrer Karriere, erhalten aber gleichzeitig Spielpraxis und versauern nicht (wie etwa junge Talente in der Deutschen Basketball Bundesliga) auf der Ersatzbank.

Spielt sich ein bestimmter Akteur in den Vordergrund, folgt in der Regel ein sogenannter 'Call-Up' von einem NBA-Team, welches ihm dann einen oder zwei 10-Tages-Verträge anbietet, im Idealfall sogar einen Deal für den Rest der Saison oder darüber hinaus. Mehr als 20 Prozent aller heutigen NBA-Spieler haben irgendwann einmal in der D-League Erfahrung gesammelt. Bekannte Call-Ups in den letzten Jahren waren u.a.: Aaron Brooks, Andray Blatche, Matt Barnes, Marcin Gortat, Kelenna Azubuike, Jamario Moon, Shannon Brown, Chris 'Birdman' Andersen, Luis Amundson, JJ Barea, Jordan Farmar oder Ramon Sessions.

Die Rio Grande Valley Vipers, das Farmteam der Houston Rockets, setzten sich nun im Finale gegen die Tulsa 66ers durch und hievten zum ersten Mal die NBDL-Trophäe in die Höhe. Angeführt von Mike Harris, dem Most Valuable Player der abgelaufenen Saison, gewannen die Vipers 94-91. Harris war mit 26 Punkten und 16 Rebounds wieder einmal wichtigster Akteur seines Teams. Auch Larry Owens (25 Punkte, 4 Blocks) und Craig Winder (16 Punkte, 4 Dreier) trugen massgeblich zum Sieg bei. Winder traf den entscheidenden Dreier at the buzzer. Für die Vipers ging so eine Traum-Saison zu Ende. Noch vor einem Jahr eines der schlechtesten Teams der Liga, rückte man in dieser Saison eng mit den Rockets zusammen, verpflichtete einen neuen Coach, stellte insgesamt fünf Spieler an die NBA ab, zog zum ersten Mal überhaupt in die Playoffs ein und beendete das Märchen mit einem echten Happy-End.