12 April 2010


Des öfteren gab es in dieser Saison (wie jedes Jahr) schon überaus kontroverse Schiedsrichterentscheidungen. Das gehört zum Sport dazu und ist wohl auch nicht vermeidbar. Laufen die Dinge aber vermehrt schief, muss man, vor allem in der NBA, den Fokus auf die Leistungen der Referees richten und diese etwas genauer beobachten (Stichwort: Tim Donaghy). Wenn, so wie in der abgelaufenen Woche, in gleich mehreren Spielen groteske Fehlentscheidungen getroffen werden, die zum Teil direkten Einfluss auf den Spielausgang und die Platzierung bestimmter Teams im Playoff-Rennen haben, ist die NBA gefordert. Nach aussen hin stets um ihr Saubermann-Image und Unparteilichkeit bemüht, muss die Liga nun schnell und entschieden handeln, will sie die Grundsatzdiskussion um fragwürdige Leistungen ihrer Referees nicht in die Postseason überschwappen lassen.

Die Farce begann bereits am Dienstag in jenem
denkwürdigen Schlagabtausch zwischen Utah und Oklahoma City. Die Jazz führten mit einem Punkt, es waren noch 1.1 Sekunden zu spielen. Kevin Durant bekam den Inbounds-Pass, stieg zum Dreier hoch und wurde von CJ Miles klipp und klar gefoult. Die Pfeifen blieben aber stumm, Utah gewann. TV-Bilder beweisen das Foul eindeutig. Einen Tag später entschuldigte sich die NBA in Person von Joel Litvin, dem 'Präsidenten für Basketballangelenheiten' mit folgendem kurzen Statement: "On the final play of last night's Oklahoma City-Utah game, the officials missed a foul committed by the Jazz's C.J. Miles on the Thunder's Kevin Durant during a three-point shot attempt."

Nur einen Tag später sorgten die Refs für die wohl
eigenartigste Szene dieser Saison beim Gastspiel der Nuggets in Oklahoma City. Carmelo Anthony verletzte sich auf dem Weg zum Korb an der Halswirbelsäule und blieb auf dem Hallenboden liegen. Das Spiel wurde jedoch fortgesetzt, während Melo regungslos in der Thunder-Zone lag. Erst zwei Angriffe später nahm Denver eine Auszeit, Melo konnte behandelt werden und später auch weiterspielen. Die ganze Situation aber war so grotesk, dass einem die Worte fehlen ob des grob fahrlässigen Verhaltens der Unparteiischen. Zum einen hätte Anthony potentiell in Lebensgefahr sein, zum anderen ernsthaft verletzt werden können, während um ihn herum weiter gespielt wurde. Ich will hier nicht die Paniktrommel rühren, aber wenn ein Spieler verletzt am Boden liegt, sollte doch zumindest das Spiel unterbrochen und nach dem Verletzten gesehen werden - das halten wir wohl alle für selbstverständlich. Die NBA, die bei jeder Gelegenheit die Sicherheit der Spieler, Trainer, Funktionäre und Fans als kostbarstes Gut deklariert, wollte sich zu der Partie nicht äussern.

Am Freitag hatten die Schiris dann Anteil an Chicago's Niederlage in New Jersey, auch hier durch eine krasse Fehlentscheidung. Brook Lopez tippte den Ball 0.1 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit zum 103-103 in den Korb - berührte das Spielgerät aber auf dem Ring. In der NBA ist das im Gegensatz zu Europa nicht erlaubt, solange sich der Ball im imaginären Zylinder über dem Korb befindet, darf er nicht gespielt werden. Bulls-Coach Vinny del Negro bat die Schiedsrichter, die Szene noch einmal am Monitor zu beurteilen - die Refs lehnten unverständlicherweise ab, obwohl die Direktive seitens der Liga lautet: bei strittigen Situationen nach oder kurz vor der Schlußsirene unbedingt die TV-Aufnahmen zu Rate ziehen. New Jersey gewann nach zwei Verlängerungen.


Das Nachtspiel Dallas gegen Portland war indessen so schlecht geleitet, dass es keinen Sinn machen würde, einzelne Szenen heraus zu filtern. Es war, gelinde gesagt, eine der schlechtesten Schiedsrichterleistungen aller Zeiten, auf beiden Seiten gleichermassen. Fans beider Teams warfen im dritten Viertel aus Frustration Objekte aufs Spielfeld, um zu protestieren. Hier einige Highlights: Roy's doppeltes Doppeldribbel, also quasi Trippel-Dribbel (nicht geahndet). Haywood's ernsthafte Fingerverletzung, nachdem ihn Rudy Fernandez im Karatestil umhackt (nicht geahndet). Dampier schlägt Fernandez ins Gesicht, als dieser zum Korb zieht (nicht geahndet). Batum's Phantomfoul an Terry, der den Franzosen wie ein Football-Linebacker von den Beinen holt (geahndet).

Angesichts dieser schwarzen Serie ist es für die Liga spätestens jetzt an der Zeit, aktiv einzuschreiten. Vor allem in den Playoffs muss sicher gestellt werden, dass nur die allerbesten Refs die wichtigsten Spiele leiten - ohne jede Ausnahme. Die Diskrepanz zwischen Pfiffen fürs Heimteam und Nicht-Pfiffen für Auswärtsteam muss ausserdem verringert oder ganz abgeschafft werden. Nur so geht die NBA auf Nummer sicher und verhindert, dass die wichtigsten Spiele der Saison kompromittiert werden.