01 Mai 2010


Der Ring ist geputzt für den Schwergewichts-Showdown, auf den alle gewartet haben: die Cleveland Cavaliers treffen auf den Champion von 2008, die Boston Celtics. Das lange antizipierte Duell der Ost-Riesen startet am Samstag in Cleveland und dürfte in den nächsten knapp zwei Wochen für reichlich Schlagzeilen auf- und ausserhalb des Platzes sorgen. In den Playoffs trafen beide Mannschaften das letzte Mal vor zwei Jahren aufeinander. Damals behielt Boston in einer epischen 7-Spiele-Eastern-Conference-Halbfinal-Serie die Oberhand und machte später den insgesamt 17. Titel der Vereinsgeschichte klar. Seither hat sich einiges verändert in der NBA-Landschaft, die Rivalität und die gegenseitige Verachtung zwischen diesen Mannschaften ist aber nach wie vor allgegenwärtig. Von Paul Pierce's Freundschaftsspiel-Spuckattacke in Richtung Cavs-Bank über Mo Williams' absichtlichen Ellbogenschlag gegen Shelden Williams zu Ray Allens Tiefschlag ins brasilianische Glockenspielchen: man kann sich gegenseitig nicht ausstehen, und das ist auch gut so.

Die Cavaliers beendeten, zum zweiten Mal hintereinander, die reguläre Saison mit der besten Bilanz in der östlichen Conference und sind so die Gejagten in den Playoffs. Sie scheinen damit gut umgehen zu können. In Runde 1 wurden die Stiere aus Chicago zu Hamburgern verarbeitet - Cleveland gewann 4-1, obwohl die Bulls hart kämpften und dank inspiriertem Spiel dem Ost-Primus einiges abverlangten. Am Ende war Cleveland's tief besetzte Bank plus ein gewisser Lebron James dann doch zuviel des Guten für das Team aus der windigen Stadt. James war es dann auch, der mit einer schockierenden Nachricht über seinen verletzten rechten Ellenbogen für Extra-Gesprächsstoff vor dem anstehenden Duell mit den Celtics sorgte. Wie schlimm es um den Wurfarm des Most Valuable Players dieser Saison wirklich steht, weiss kein Mensch. Ich gehe aber stark davon aus, dass es halb so schlimm ist und King Aufmerksamkeit einfach nur wieder den Drang nach ein bisschen Extra-Medienliebe verspürte angesichts der ausgedehnten Berichterstattung über die Thunder-Lakers-Serie oder die sensationell starken Playoff-Hirsche in den letzten Wochen. Neben Lebron ist die extrem talentierte und stark besetzte Cavs-Bank der Trumf des Teams aus Ohio. Angeführt von Anderson Varejao, der immer spielt, als hätte er zuviel Cola getrunken, gehört die zweite Garnitur der Cavs zu den besten der Liga. Delonte West, Zydrunas Ilagauskas, Jamario Moon oder JJ Hickson sorgen für mächtig Wirbel, wenn die Starter sitzen. X-Faktor im Spiel des Titelaspiranten aber dürfte Neuzugang Antawn Jamison werden. Durch seine hohe Trefferquoute von jenseits der Dreierlinie zieht Jamison die gegnerischen Big Men nach draussen, schafft so Platz für Lebron's Drives zum Korb oder Shaq im Lowpost. Mit dem absolut lächerlichen Deal Ilgauskas für Jamison (Big Z kam ja bekanntlich ein paar Wochen später für umsonst wieder zurück) wurde aus den Cavs endgültig Titelkandidat Nummer eins.

Und so gehen die Boston Celtics zum ersten Mal, seit die 'Big Three' vor knapp drei Jahren gegründet wurden, als Underdog und ohne Heimvorteil in eine Playoff-Serie. Boston erkennt durchaus an, dass Cleveland zur Zeit eine Nummer grösser ist. Zitat Kevin Garnett: "Cleveland is the no. 1 team, they are the beast of the East." Wer die Celtics aber kennt, weiss, wie so eine Aussage, zumal von KG geäussert, zu interpretieren ist. Trash-Talk und psychologische Kriegsführung gehören seit jeher zu Garnett's Expertise. Der lange Zeit verletztungsgebeutelte Forward ist wieder gesund und kam in der Serie gegen Miami (4-1 Boston, entgegen meiner völlig vergeigten Prognose) offensiv wieder ins Rollen. Wichtig für die Celts, denn ein Garnett in Top-Form wird dringend benötigt gegen den enormen Cleveland-Frontcourt. Auf den Guard-Positionen haben die Celtics mit Rajon Rondo und Jesus Shuttlesworth Ray Allen einen leichten Vorteil. Die Defensive muss auf allerhöchstem Niveau arbeiten, vor allem was die Verteidigung der 3-Punkt-Linie und des Fast-Breaks anbelangt. In diesen Bereichen sind die grün-weissen leicht verwundbar.

Insgesamt verfügt Cleveland nämlich über ein ganzes Arsenal an Dreier-Schützen. Gleich acht Kavaliere treffen mehr als 33 Prozent ihrer Versuche von Downtown. Wegweisend wird wohl auch der Kampf der Ersatzbänke sein. Treffen zwei ähnlich talentierte Mannschaften aufeinander, kommt den Reservespielern oft einen Schlüsselstellung zu. Tony Allen und Marquis Daniels werden zeitweise versuchen, Lebrons' Wirkungskreise einzudämmen. Wie genau die jeweiligen taktischen Moves des Gegenübers gekontert werden, hängt sehr von den jeweiligen Coaches ab. Hier hat Boston mit Doc Rivers die Nase vorn. Mike Brown ist nicht mehr als eine Marionette am Spielfeldrand, eine Spielpuppe in den Händen des allmächtigen Königs von Ohio.

Fakt ist und bleibt aber: trotz Boston's leichten Vorteilen auf vier der ersten fünf Positionen sowie im taktischen Bereich, sehe ich die Cavaliers die Serie gewinnen. Schaffen es die Celtics, die auswärts stärker spielen als daheim (26-15 gegenüber 24-17), mehr als eine Partie in Cleveland zu klauen, ist eine Überraschung drin. Das gleiche gilt für den eigentlich undenkbaren Fall, dass Lebron's Verletzung tatsächlich relevant würde. Die Serie wird ruppig, dreckig, verteidigungsintensiv, vollgepackt mit dummen Sprüchen, unfairen Aktionen und gutem Playoff-Basketball auf beiden Seiten. Eines der Teams wird letztendlich nicht nur jetzt auf der Strecke bleiben, sondern nach der Saison dann (in Teilen oder komplett) auseinandergerissen. LLLLLLLLLets get ready to rumbbbbbbbbbbbble !


nbachef tippt: 4-3 Cleveland