02 Mai 2010


Als Kobe Bryant vor der Serie gegen Utah nach seiner Einschätzung des Lakers-Gegners im Halbfinale der Western Conference gefragt wurde, war seine simple Antwort: "Kein Scouting-Bericht notwendig. Beide Mannschaften sind extrem, extrem gut miteinander vertraut." Leicht zu sagen für einen Spieler, der mit den Jazz routinemässig Katz und Maus spielt, und das schon seit längerem: in den vergangenen zwei Jahren wurden die Jazz jeweils von Kobe's Lakers aus den Playoffs gekickt. Bryant war dabei mit durchschnittlich 34 Punkten im Schnitt nicht zu stoppen. Ein ähnliches Schicksal steht Utah wohl auch diesmal bevor.

Kein Spieler der Jazz kann Kobe Bryant verteidigen. Er wird nach Belieben in die Zone gelangen, wo er entweder selber punkten oder durch effektive 'Drive and Kicks' seine Mitspieler in Szene setzen wird. So auch in den drei Siegen dieser regulären Saison (3-1 Los Angeles, Bryant mit 29 im Schnitt). Wichtiger als eine dominante Serie ihres Shooting Guards wird für die Lakers aber Balance im Angriff sein, so wie das auch in den Duellen mit Oklahoma City der Fall war. Die Thunder kamen mit dem Inside-Outside Game des Champions nicht zurecht. Ähnlich ausgeglichen müssen die Lakers auch gegen Utah zur Sache gehen. Unter den Körben hat Lila-Gelb einen klaren Vorteil, erst recht nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Memo Okur (Achillessehne).

Pau Gasol
vernaschte die Big Men der Jazz in dieser Saison mit durchschnittlich 18 Punkten und 17 Rebounds im Schnitt. Andrew Bynum laboriert mal wieder an einer Knieverletzung, hat aber angekündigt, spielen zu wollen. Wie effektiv der Center mit einem Teilabriss des Meniskus sein wird, bleibt abzuwarten. Ganz unabhängig davon kommt Lamar Odom eine absolute Schlüsselrolle in dieser Serie zu. Spielt L.O. mit Leidenschaft und Interesse, sind die Lakers ein ganz anderes Biest. Odom ist der zweittalentierteste Laker nach Bryant, hat aber oft einfach keinen Bock und gibt sich mit seiner Wasserträger-Rolle zufrieden. Auf seiner Produktivität basieren viele Lakers-Erfolge der letzten Jahre.


Bei Utah reifte Deron Williams in der abgelaufenen Saison zum absoluten Topstar heran und einem der, wenn nicht sogar dem besten Aufbauspieler der Liga. Gegen Denver dominierte er die komplette Serie nach Belieben, und auch gegen LA wird D-Will freie Bahn haben. Kein Laker ausser Kobe Bryant kann Williams effektiv und über längere Phasen verteidigen, und ich gehe stark davon aus, dass Phil Jackson seinen ohnehin angeboxten Starspieler nicht unnötig schinden wird. Derek Fisher hat gegen Williams keine Chance - man sollte sich also auf eine wieder einmal dominante Vorstellung des Denkers und Lenkers auf Seiten der Jazz einstellen. Gemeinsam mit Carlos Boozer bildet Williams ein kongeniales Duo, vor allem im Pick n Roll. Das klassische '2-man game' gehört zu den absoluten Stärken und effektivsten Waffen des Teams von Jerry Sloan auf dem Platz. Um gegen den amtierenden Champion bestehen zu können, müssen aber bei den Jazz andere Dinge zusammenpassen. Zu den X-Faktoren gehört zum einen Paul Millsap. Der Ersatz-Forward machte gegen Denver, was er wollte (17 Pts, 10 Reb, 2 Blk, 61% aus dem Feld in gerade mal 31 Minuten pro Spiel) und wird LA's zweite Garde gehörig ins Schwitzen bringen. Andrei Kirilenko, bisher mit einer Rückenverletzung ausser Gefecht, hat für Spiel 3 oder 4 seine Rückkehr ins weiss-blaue Trikot angekündigt. Er ist der einzige Jazzer, der Kobe eventuell neutralisiert bekommt - und der Serie eine andere Dynamik verleihen könnte. Der dritte Schlüssel zu einem Weiterkommen der Jazz ist das Offensivspiel von Wes Matthews und/oder CJ Miles. Schafft es einer der beiden, zu einer Konstante in der Offensive zu werden, haben die Underdogs eine Chance.

Insgesamt eine spannende Serie, die uns da erwartet. Beide Teams sind hervorragend gecoacht, haben zwei Elite-Spieler mit Verletzungssorgen in ihren Reihen (Williams verletzte sich in Spiel 6 gegen Denver am Ellbogen, während Kobe bekanntlich die ganze Saison mit zwei gebrochenen Fingern an seiner Wurfhand absolvierte), einen All-Star Big Man, einen potentiell spielentscheidenden Ersatz Power Forward, sowie multiple weitere Waffen im Arsenal, auf die man sich aber nicht zwingend verlassen kann. Angesichts der Dominanz der Lakers über die Jazz in den vergangenen Jahren (sowohl in den Playoffs als auch in der regulären Saison), und weil ich fest davon ausgehe, dass Kobe Bryant der Serie wieder einmal sein Gütesiegel aufstempeln wird, sehe ich die Lakers in einer offensiv geführten Serie knapp vorne.


nbachef tippt: 4-2 Lakers