04 Mai 2010


Der Kontrast könnte vor dem ersten Aufeinandertreffen heute Abend nicht grösser sein zwischen den zweitplatzierten Orlando Magic und den Atlanta Hawks, ihres Zeichens drittbestes Team in der Eastern Conference. Orlando machte mit Charlotte kurzen Prozess (4-0) und hatte insgesamt acht Tage frei - für Playoff-Verhältnisse eine Ewigkeit. Währenddessen bekamen die Hawks weitaus mehr Probleme als erwartet mit den lästigen Milwaukee Bucks, die sich erst nach 7 Spielen geschlagen gaben. Folgerichtig hatte das Team aus Georgia nicht einmal zwei volle Tage Zeit, um die Akkus wieder aufzuladen. Diese völlig unterschiedliche Ausgangsbasis sorgt für etwas Spannung in einem Duell, dass viele Experten einseitig zugunsten der Magic prognostizieren. Wer kommt besser ins Spiel und damit in die Serie - müde, aber eingespielte Hawks, oder ausgeruhte, aber eingerostete Magic ?

Schlüssel zum Erfolg für Orlando ist selbstredend in allererster Linie das 'Beast in the Paint', Dwight Howard. Der Verteidigungsspieler des Jahres spielte in Runde 1 gegen Charlotte beschissen. Die Bobcats frustrierten ihn mit einer dreiköpfigen Hydra unter den Körben (Ratliff, Chandler, Thomas), Howard holte sich im Schnitt astronomische 5.5 Fouls pro Partie ab und stand gerade mal 26 Minuten pro Spiel auf dem Platz. Seine Freiwurfquote (13 von 35, das macht 37 Prozent) war unterirdisch, selbst für seine Verhältnisse. Wichtig für Orlando wird sein, dass Howard sich von Beginn an gegen die athletischen Hawks-Forwards etabliert und dumme Fouls vermeidet. In den Duellen der regulären Saison (3-1 Magic) mittelte Howard 21 Punkte, 16.8 Rebounds und 3.5 Blocks pro Partie, ohne auszufoulen. Ähnlich effektiv wünschen sich Orlando's Fans (die heute zum ersten mal seit 2 Wochen wieder Basketball in der Amway Arena bejubeln dürfen) ihren Franchise-Center auch diesmal. Ein weiterer potentieller Matchup-Vorteil liegt für das Team aus Florida auf der Point-Guard-Position, wo Jameer Nelson in Runde 1 seinen Counterpart Raymond Felton schwindelig spielte (23.8 Pts, 3 Dreier im Schnitt). Mike Bibby ist ein ähnlich schlechter Defender auf der 1, und auch Jamal Crawford verteidigt nicht gerade in Gary Payton-Territorium. Klickt Nelsons Offensivspiel und schafft es Dwight, mindestens 37-40 Minuten pro Partie zu absolvieren, sind die Magic dank ihrer endlosen Liste von effektiven Dreierschützen nicht zu schlagen. Gleich 9 (!) Spieler (also das komplette Team minus Howard, Gortat und Bass) trifft .319 oder besser von Downtown, allen voran JJ Redick (.407) und Rashard Lewis (.397).

Rätselhaft präsentierte sich Atlanta's Coach Mike Woodson in der Pressekonferenz vor Spiel 1, als er nach seiner Defensivtaktik gegen Howard gefragt wurde. "Ich weiss es noch nicht, ob wir doppeln oder 1-1 verteidigen. Man wird sehen", war die Antwort von Woodson, der sich nicht in die Karten blicken lassen wollte. Scouting-Daten aus den vier Duellen der regulären Saison zeigen Folgendes: Al Horford kann gegen Howard defensiv durchaus seinen Mann stehen. In den vier Duellen der regulären Saison versuchte Dwight insgesamt 34 mal gegen Horford direkt zu punkten. In 24 Fällen wurde nicht gedoppelt. Howard punktete in 8 dieser Situationen, verlor 4 Bälle und verfehlte 12 Würfe. Kommt das Double-Team (10 mal), steckt D12 in ernsten Schwierigkeiten (9 Turnover). Wer jetzt denkt: "is doch klipp und klar, dann muss halt immer das Doppel kommen", der vergisst, dass Howard mittlerweile ein effektiver Passgeber aus dem Low-Post geworden ist. Das Ergenbis kann also dank Orlandos 239847 Dreier-Schützen potentiell niederschmetternd für Atlanta ausfallen, denn die Dreier werden sitzen, soviel steht fest. X-Faktor im Spiel der Falken wird wohl mal wieder Josh Smith werden, der durch seine Athletik und Defensivarbeit (Platz 2 hinter Howard beim Defensive Player of the Year' Voting) seine Kollegen hinten entlasten kann. Nicht als direkter Verteidiger von Dwight Howard, sondern als Weakside-Defender. J-Smoove gehört dank seiner Athletik zu den effektivsten Help-Verteidigern der Liga und muss konzentriert zu Werke gehen, um den Hawks eine Aussenseiterchance zu wahren.

Interessant wird sein, wer das Tempo der Partien kontrolliert. Beide Mannschaften laufen gerne Fast-Breaks, vor allem die Hawks sind weitaus gefährlicher im Transition Spiel, wo sie ihre Athletik (minus Bibby) voll ausspielen können. Atlanta muss uneigennützig angreifen, zu häufig stagniert das Set Play aufgrund mangelnden Ball-Movements. Die Konsequenz: schlechte Würfe kurz vor Ablauf der 24-Sekunden. Orlando's Game-Plan ist simpel wie effektiv: Howard früh etablieren und den Gegner zum Handeln zwingen. Wichtigste Voraussetzung natürlich: Dwight spielt mit Köpfchen, versucht nicht jeden Wurf zu blocken und vorne nicht mit dem Kopf durch die Wand zu springen. Vermeidet er dumme Fouls ist das schon die halbe Miete. Atlanta wird das ein oder andere Spiel gewinnen, hat aber keine realistische Chance aufs Weiterkommen, zumal die Magic acht der letzten neun Duelle zwischen diesen beiden Teams für sich entscheiden konnten.


nbachef tippt: 4-1 Orlando