06 Mai 2010


Was haben die Pro-Teams in Philly, New Orleans, Los Angeles, New Jersey und Chicago gemeinsam ? Alle fünf schassten direkt nach dem Ende ihrer jeweiligen Saison den alten Coach und suchen für die neue Spielzeit nun einen kompetenten Mann an der Seitenlinie.


- Die Philadelphia 76ers feuerten Eddie Jordan, der zu keinem Zeitpunkt die Connection zu seinem Kader fand und viel zu lange auf 'washed up veterans' á la Brand, Dalembert und Iverson setzte, anstatt es mit den jungen Talenten im Team zu versuchen - das hätte eventuell seinen Arsch gerettet. So aber wurde er direkt nach der Saison gegangen. Philly's Wunschkandidat Nr. 1, Larry Brown, bleibt (vorerst) in Charlotte. Weitere heiß gehandelte Kandidaten, die schon interviewt wurden: Doug Collins (Karrierebilanz: 332-287), seines Zeichens erster Proficoach von Michael Jordan und zuletzt Analyst bei TNT. Avery Johnson (siehe New Orleans). Und die ehemalige Point-Guard-Legende aus New York City, Mark Jackson, der wie es scheint in diesem Jahr endlich einmal die Chance auf eine Traineranstellung in der NBA erhalten wird. Es wäre ihm zu wünschen.


- Avery Johnson, der ehemalige Coach der Dallas Mavericks, ist in seiner Heimat eine lebende Legende. Zufällig ist seine Heimat New Orleans, Lousiana, und zufällig suchen die Hornets einen neuen Coach. Johnson, der in vier Jahren an der Seitenlinie eine beeindruckende Siegesquote von 74 Prozent erreichte (194-70), ist mein klarer Favorit, weil er a) ein Player's Coach ist, mit seinen Spielern also gut auskommt und b) Heimvorteil hat. Schärfster Kandidat könnte ein Zar werden. Mike Fratello ist ein echter Dinosaurier im NBA-Zirkus, wie seine Karrierestats eindrucksvoll beweisen (667-552). In 11 seiner 16 Saison coachte Fratello seine Teams in die Playoffs. Weitere Kandidaten: Dwane Casey (53-69) und Monty Williams, Assistenztrainer in Portland.


-
Das Aus kam gestern für Vinny del Negro nach 2 Saisons in Chicago und einer 82-82 Bilanz, inklusive 4-8 in den Playoffs. Wer kommt ? Heiss gehandelt werden John Calipari, College-Coach in Kentucky, der aber in seiner ersten Saison als Wildcats-Trainer nicht wirklich ankam und weiterhin davon träumt, eines Tages seine wahre Bestimmung als Trainer in der NBA zu finden. Noch spektakulärer als Calipari wäre die Verpflichtung von Jeff van Gundy, der nach mehreren Jahren als TV-Kommentator auch öffentlich mit dem Gedanken spielt, wieder aktiv zu coachen, und zu den besten Übungsleitern der letzten 15 Jahre zählt (9 Playoff-Teilnahmen in 11 Jahren, 430-318 Bilanz)


-
Zunächst gab es hier Gerüchte, dass Mike Krzyzewski, der legendäre Coach der Duke Blue Devils, seinen Stuhl in North Carolina räumen und bei den New Jersey Nets anheuern würde - Coach K konnte darüber nur lachen und fügte süffisant hinzu: "Glaubt ihr echt, der neue russische Besitzer würde einen Polen anheuern ? Niemals." Neuer Wunschkandidat in New Jersey ist nun Tom Thibodeau, Assistant Coach bei den Boston Celtics. Thibodeau gilt als Arbeitstier, als Perfektionist, und als einer der brilliantesten Defensivcoaches weit und breit. Bereits 15 mal landeten von ihm co-trainierte Mannschaften in den Top10 Defensivratings der Liga, inklusive New York (Vizemeister 1999) und Boston (Champion 2008).


- Larry Brown höchstpersönlich liess angeblich vor einigen Wochen anfragen, ob bei den Clippers Bedarf nach jemandem wie ihm herrsche. Donald Sterling, der Besitzer, wusste nicht so recht, und so war die Idee dann schnell wieder vom Tisch - grosser Fehler (mal wieder) von Sterling, der aber noch nie wusste, wie ein NBA-Team zu führen ist und hoffentlich in absehbarer Zeit an seiner chronischen Dummheit zugrunde geht. Ansonsten ist aus Clipper-Land nicht viel zu vernehmen. Bleibt zu hoffen, dass die Franchise irgendwie Byron Scott an Land ziehen kann, der schon im Februar (Mike Dunleavy gefeuert, Kim Hughes Interimscoach) als aussichtsreicher Kandidat galt.


- Zum Schluß noch kurze Info aus Miami, wo Erick Spoelstra eigentlich sicher im Sattel sitzt - es sei denn Pat Riley macht seine Ankündigung von gestern wahr und kehrt tatsächlich auf die Coaching-Bank zurück. Ob das nur ein taktisches Manöver von Pat ist, um einen Big-Name Free Agent nach Florida zu locken, den er Dwyane Wade an die Seite stellt, oder aber tatsächlich seinen Absichten entspricht, werden die nächsten Monate zeigen. Soviel sei aber vorweg genommen: hat man ein Comeback einmal zur Hälfte angekündigt, ist man schon halb da. Riley hat das schon einmal abgezogen, 2005 mit Stan van Gundy. Also wer weiss...