07 Mai 2010


Mo Williams: What a difference a game makes ! Wer nach Spiel 1 ernsthaft geglaubt hatte, Mo würde eines Tages in die Belle Etage der NBA-Point-Guards aufsteigen (inklusive Mo selbst), wurde prompt auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. 1 von 9 aus dem Feld, insgesamt nur 4 Punkte. Uneffektiver kann man 35 Minuten auf dem Court nicht abspulen. Wurde sogar von den eigenen Fans augebuht. Zurecht...

Shaquille O'Neal: 19 Minuten Spielzeit, 1 Defensivrebound, 4 von 10 aus dem Feld. Was gegen Chicago und deren Miniatur-Frontcourt noch gut funktioniert hatte (kleinere Spieler in der Gegend rumschubsen und im Notfall einen gut platzierten Clothesline ansetzen), klappt gegen Kendrick Perkins überhaupt nicht. Shaq ist gegen Boston absolut nutzlos, und Spiel 2 war der ultimative Beweis.

Die Cleveland Lebrons: just an dem Abend, als Lebron seinen MVP-Award vor heimischem Publikum in Empfang nahm, präsentierte sich das ganze Team in dermaßen schlechter Verfassung, dass ich über alle Prognosen nur lachen kann. Das soll der NBA-Champion 2010 sein, wie er schon im Voraus von den Experten gekrönt wurde ? Die Cavs ließen sich im dritten Viertel 31-12 abschlachten. Diese 19-Punkte Differenz zu Hause war die zweithöchste in der Cavaliers-Playoffs-Geschichte. Absolut meisterlich, in der Tat. Noch eine kurze Anmerkung zu den ständigen Lebron/Michael Jordan Vergleichen: abgesehen von MJ's knappem 6-0 Vorsprung bei den gewonnenen Meisterschaften sei angemerkt, dass die 1990er Bulls sich NIEMALS, unter keinen Umständen am MVP-Abend ihres Topstars so hätten vorführen lassen. Jordan hätte das nie erlaubt. Eher hätte man Jordan's Teamkollegen der Reihe nach in Einzelteilen aus der Halle karren müssen. Für Lebron ist so etwas sekundär. Hauptsache der nächste individuelle Award ist mal wieder eingeheimst. Soviel dazu...

Lebron's Ellbogen: kaum ein Artikel, Kommentar oder Feature über Cleveland zur Zeit ohne ellenlange Zustandsberichte über Lebrons lädiertes Gelenk. Ist es angeschlagen ? Macht Lebron nur so ? Ist es schlimm ? Ist es nicht schlimm ? Kann er spielen ? Haben das auch alle auf ihren Titelseiten ? Immerhin: fliegt Cleveland wie letztes Jahr vor dem Titelgewinn aus den Playoffs (und es wird passieren), haben alle in 'The Mistake by the Lake' eine gutes Alibi parat, warum es mal wieder nicht geklappt hat.

Utah's Frontcourt: wenn ich mich in den Playoff auf Kyrylo Fesenko verlassen muss, dann weiss ich, dass ich als Team in ernsthaften Schwierigkeiten stecke. Die sowieso schon grosse Lakers-Frontline wirkt gegen die Jazz wie Gulliver in Liliput. Um das einmal zu verdeutlichen: Utah griff in Spiel 2 erstaunliche 19 Offensiv-Rebounds ab - und verlor den Kampf unter den Brettern dennoch 40-58 (!). Bynum, Gasol und Odom spielten mit den Jazz Katz und Maus, verbuchten zusammen 50 Punkte, 44 Rebounds und 9 Blocks bei 18 von 24 aus dem Feld (astronomische 75 Prozent). 64 der insgesamt 111 Lakers-Punkte kamen direkt in der Zone zustande. "Auf die Grösse kommt es eben doch an..."

Kyrylo Fesenko
: würde ein Laufduell gegen eine dreibeinige Schildkröte mit Sicherheit verlieren. 1 von 7 aus dem Feld, 0 von 4 von der Linie, dazu 4 Fouls, und das alles in 17 extrem produktiven Minuten, die eindrucksvoll beweisen, wie sehr Utah Mehmet Okur vermisst. Um noch einen drauf zu setzen: Fesenko liess sich, so sein Coach Jerry Sloan, vor dem 6. Spiel gegen Denver von den herabfallenden Luftballons während der Pre-Game Spielervorstellung ablenken, während der Trainer taktische Anweisungen an seine Spieler weitergab. Klassiker !

Carlos Boozer: auf den ersten Blick sehen seine Stats in Spiel 2 recht ordentlich aus: 20 Punkte, 12 Rebounds. Bei genauerem Hinsehen fällt auf: 13 von 21 Würfen versemmelt und insgesamt 6 Mal geblockt worden. Dass Booz hinten ausserdem zu den uneffektivsten Verteidigern aller Zeiten zählt, ist allgemein bekannt, und ein Hauptgrund für die Dominanz der Lakers in dieser Serie.

Die Atlanta Hawks: wo soll man hier nur anfangen ? Die Hawks produzierten in Spiel 1 gegen Orlando eine der grössten Playoff-Stinkbomben aller Zeiten. Die 114-71 Demontage war gleichbedeutend mit der zweithöchsten Spiel 1-Niederlage in der Geschichte der NBA Playoffs und zeigte schon früh, wohin sich diese Serie entwickeln wird. Atlanta verlor das 2. und 3. Viertel mit 60 zu 21, verfehlte insgesamt 58 Würfe (Fieldgoals + Freiwürfe), liess sich 53-35 unter den Brettern abschlachten und wirkte generell eher so, als hätte man sich zufällig in die Eastern Conference Semifinals verirrt. Um das Fiasko zu verdeutlichen: ausgerechnet Zaza Pachulia war der beste Falke an diesem Tag (12 Pts, 7 Reb). Es wäre unfair, auf einzelnen Hawks rumzutrampeln angesichts des kollektiven Totalausfalls - ich tu's trotzdem.

Joe Johnson: gäbe es ein Seminar in "Wie verschlechtere ich in nur zwei Playoff-Serien meinen Aktienkurs für einen bevorstehenden Max-Vertrag", Joe Jonson wäre Prof.Dr.rer.nat.habil. Was in den letzten drei Partien gegen die Bucks schon auffiel, findet gegen Orlando sein wohl unrühmliches Ende. Johnson trifft nicht, und entpuppt sich wieder einmal als uneffektiver Crunch-Time Spieler in den Playoffs. Vieles davon hat mit seiner Spielweise zu tun, die darin besteht, den Ball ewig in den Händen zu halten, bevor er zu seinen Moves ansetzt. So killt JJ routinemässig einen grossen Teil der Shot-Clock, das Movement seiner Teamkollegen stagniert, und die Hawks sind zu leicht auszurechnen und leicht neutralisierbar. In den letzten 5 Playoff-Partien (inklusive der 112-98 Niederlage in Spiel 2 gegen Orlando) traf Johnson gerade mal 33 Prozent seiner Würfe, von der Dreierlinie gar nur 22 Prozent. 14 Punkte pro Spiel vom Top-Scorer und Franchise-Player reicht für Atlanta einfach nicht aus.

Jamal Crawford: feierte seinen '6th Man of the Year Award' mit einer Demonstration seiner Wurfstärke. Hievte einen Backstein nach dem anderen Richtung Magic-Korb und hatte am Ende genug für ein ganzes Einfamilienhaus beisammen. Bilanz in 34 Spielminuten: 5 Punkte bei 1 von 11 aus dem Feld.

Mike Bibby: gegen Orlando bisher 5 Punkte, 4 Assists, 2 von 7 aus dem Feld...insgesamt wohlgemerkt, nicht im Schnitt.

Die San Antonio Spurs: hatten zwei Mal Chancen auf einen Sieg in Phoenix, und man kann nicht umhin, einen Unterschied zu den Serienkillern aus vergangenen Tagen festzustellen. Die Spurs von 2003, 05, 07 oder 08 hätten diese Spiele absolut und ohne wenn und aber für sich entschieden. In Spiel 1 (111-102) vergaben die Suns
soviele Führungen, dass es den Anschein hatte, als wollten sie die Partie gar nicht gewinnen. San Antonio verzichtete höflich. In Spiel 2 dann (110-102), auch bekannt als das Phoenix-Fehlwurf-Festival, versenkten die Suns nur 42 Prozent ihrer Würfe und leisteten sich 14 Ballverluste. Dennoch gingen die Spurs wieder unter, vor allem weil sie nicht imstande sind, Phoenix' Aggressivität unter den Brettern zu konterkarieren - entgegen meiner falschen Prognose in der Vorschau auf diese Serie.

Richard Jefferson/George Hill: Phoenix' Strategie in Spiel 1 ging absolut auf, denn man wollte die Rollenspieler der Spurs so gut wie möglich aus allem relevanten Geschehen auf dem Platz heraus halten. Jefferson (der angebliche Heilsbringer vor der Saison) und Hill schienen damit mehr als einverstanden zu sein: 66 Minuten Spielzeit, 3 von 12 aus dem Feld, und ein PER von -33 sprechen klare Worte.

Gregg Popovich: kein Kommentar