21 Oktober 2010


Alle Jahre wieder, möchte man bei Baron Davis meinen. Zumindest galt der Angelino schon vor zwölf Monaten als potentieller BounceBack-Kandidat nach seiner ersten, katastrophalen Saison in Los Angeles. Zwar verbesserte Davis in der abgelaufenen Spielzeit seine statistischen Werte gegenüber 2008/09, aber nur minimalst, wie folgende Zahlen belegen:


Zwei Dinge stechen besonders hervor. Das ist zum einen sein immer noch elitärer Assist-Wert, der trotz seiner Ef-you Einstellung gut genug für Platz 7 in der Liga war. Das Potential für 10 Stocktons pro Abend ist bei Davis immer noch vorhanden, vor allem wenn er - und da kommen wir zu Punkt zwei - seine irren und schlecht getimten Jumpshots aus allen Lagen endlich bleiben lässt und wieder mehr den Spielgestalter gibt. Dass er noch nie ein Scharfschütze vor dem Herrn war, ist bekannt. Aber was er letzte Saison ablieferte, war selbst für einen Chucker seiner Größenordnung des Guten zu viel. 296 Dreier-Versuche bei einer Trefferquote von 28 Prozent, da hätte nicht einmal Antoine Walker Verständnis für.

Das Problem war (wieder einmal) Davis' Kopf. Bill Simmons hat einmal beim Basketballer Davis drei Gemütszustände diagnostiziert, die je nach Situation in der Halle auftreten können:
1. schlechte Stimmung + hoffnungsloses Team = Baron lustlos
2. gute Stimmung + hoffnungsloses Team = Baron interessiert
3. gute Stimmung + gutes Team = Baron hoch motiviert
Die Los Angeles Clippers hingen, bis auf wenige Highlights gegen die Lakers oder Boston, permanent auf Stufe 1 fest. Dementsprechend lethargisch und uninspiriert trat auch Davis auf. Zu dick, zu lustlos und im Clinch mit dem Coach.

Das könnte in diesem Jahr alles anders werden. Die Clippers haben zum ersten Mal seit der Rückkehr von Davis in seine Heimatstadt LA einen potenten Kader beisammen, der im Idealfall um den letzten Playoff-Platz im Westen konkurrieren könnte. Mit Blake Griffin, Eric Gordon und Chris Kaman hat Davis eine Vielzahl von Offensivoptionen zur Verfügung. Er hat im Sommer angeblich ein paar Pfunde abgespeckt, kam ausgeruht und hoch motiviert ins Trainingscamp und präsentierte sich fit wie schon lange nicht mehr. Auch gedanklich und spirituell scheint Davis nach seiner Afrika-Reise im Sommer gereift zu sein. Da passt auch der Trikotnummer-Wechsel von der 1 zurück zur 5 gut ins Bild.

Wer Davis in der Preseason verfolgt hat, konnte einen rundumerneuerten Point Guard bestaunen, der zurecht als einer der komplettesten Einser in der Liga gilt. Davis wirkte frisch, fit und fröhlich. So zum Beispiel gegen Denver, als er zwei Monsterblocks in kurzem Abstand aus dem Hintern zauberte - was man von ihm schon lange nicht mehr gesehen hatte. Er lenkte die Clips-Offensive souverän und zeigte sich in seiner Wurfauswahl stark verbessert. Seine PER36 Stats: 15 Punkte, 11 Assists bei 45% FG und 42% von Downtown.