19 Oktober 2010


Erinnert sich einer noch an Kevin Garnett's letzte dominante Saison ? Die ist schon ein paar Jährchen her - 2007/08 genau, seine erste Spielzeit in Boston. Wie das für die Celtics damals ausging, ist hinlänglich bekannt und anhand des 18. Championship-Banners unter der Garden-Hallendecke auch für alle Zeiten ersichtlich. Seither aber musste sich der ehemalige Preps-to-Pro Superstar mit Verletzungen herum plagen und war nicht mehr der Alte. 37 verpasste Partien in den letzten zwei Saisons - das sind 13 mehr als in 9 Profijahren davor zusammen genommen. Unzählige Reha-Einheiten und die kräftezehrenden Monate, in denen KG verbissen versuchte, seine alte Dominanz auf dem Platz zurück zu gewinnen, fanden im Sommer ihr unrühmliches Ende mit der Celtics-Finalniederlage im 7. Spiel der NBA-Finals.

Seit Beginn des Trainingscamps letzten Monat stand ein Spieler besonders im Mittelpunkt des Interesses, und das trotz der vielen Neuzugänge bei den Grünen. Eben Kevin Garnett. Der Grund: der Power Forward des Titelkandidaten wirkt wie neugeboren. Jung, agil, selbstbewusst. Hatte Garnett noch in der letzten Saison pausenlos Angst um sein eigentlich gesundetes Knie und folgerichtig auch Skrupel gehabt, alles auf dem Platz zu geben, so scheinen sich seine Ängste zusammen mit Rasheed Wallace in den Ruhestand verabschiedet zu haben. Er springt auf und ab, mehrmals, pausenlos. Er läuft full speed hin und her, verteidigt wie ein Berserker und segelt durch die Zone, um sich Rebounds zu krallen.

Wer Garnett's unscheinbare, aber sehr effiziente Preseason nicht verfolgt hat, dürfte spätestens auf seine 20-minütige Meisterleistung am Samstag gegen die New York Knicks aufmerksam geworden sein: 20 Punkte bei 9 von 11 aus dem Feld, 2 Steals, 1 Block. Seine statistischen PER36 Testspiel-Werte (Stats umgerechnet auf 36 Min. Spielzeit) in diesem Herbst sind viel deckungsgleicher mit den Werten von 2007/08: mehr als 18 Punkte, 9 Rebounds, 3.8 Assists im Schnitt.

Vor allem aber - und das dürfte für die Celtics am erfreulichsten sein und für den Rest der Liga nicht so sehr - hat der 34-jährige in der Defensive jenen an Aberwitz grenzenden Fokus wieder erlangt, der ihn in der Meistersaison ausgezeichnet hatte. Er schwadroniert an der Seite von Shaquille O'Neal anmassend durchs Zonerechteck, blockt und klaut mehr Bälle als in den vergangenen beiden Jahren und scheint die historisch schlechte letzte Saison (Career Lows bei den Steals/Blocks, zweitschlechtester Wert bei Punkten, Rebounds, Minuten und Wurfversuchen) vergessen machen zu wollen.

Offensiv scheint sich KG in diesem Jahr wieder mehr Zeit zu nehmen für seine Moves und sucht öfters selbst den Abschluss. Bei einer Trefferquote von knapp 53 Prozent in den letzten Jahren ein durchaus gute Idee. Sein Turnaround-Jumper sitzt nach wie vor wie ein Maßanzug. Solange Garnett's Jungbrunnen in den nächsten Monaten nicht zu versiegen droht, werden die C's defensiv wieder einmal zu den absoluten Monstern der Liga zählen. Das allein macht sie schon zu einem der vier Meisterschaftsfavoriten.