25 Oktober 2010


Anstatt dem üblichen Preview-Salat, den man sonst so vorgesetzt bekommt (Startaufstellungen, Siegesvorhersagen etc.), bringt Euch nbachef eine leicht modifizierte Vorschau auf die neue Saison - und beleuchtet die jeweiligen Best/Worst Case Szenarios für alle 30 Teams in der antizipierten Tabellenreihenfolge. Los geht's im Osten mit den Lotterie-Kandidaten:


9. Charlotte Bobcats


Best Case: Playoffs

Coaching-Ikone Larry Brown führte die Rotluchse in der abgelaufenen Saison zu erstaunlichen 44 Siegen und zum ersten Mal überhaupt in der Geschichte des Vereins in die Playoffs. Das wollen die 'Cats heuer natürlich wiederholen. Brown und Teambesitzer Michael Jordan versuchten es in diesem Sommer mit der 'Addition durch Subtraktion' Strategie, liessen PG Raymond Felton und C Tyson Chandler ziehen, ohne einen einzigen relevanten Neuzugang zu präsentieren. Die Hoffnung ist, dass DJ Augustin instinktiv in seine Rolle als Spielgestalter hinein wächst, Stephen Jackson und Gerald Wallace wieder die Offensivlast tragen und die Defensive (letztes Jahr Platz 1 mit 93.4 erlaubten PPG) gut genug ist, um die Bobcats wieder in die Playoffs zu hieven.

Worst Case: 30 Siege, Spieler wenden sich von Brown ab

Brown's Halbwertszeit bei seinen neuen Teams ist legendär: er verliert schnell das Interesse, tradet Spieler reihenweise aus der Stadt und vergrault die Veteranen im Kader durch seine harte Gangart. Obwohl mit Sicherheit noch ein Point Guard via Trade kommen wird, verfügt Charlotte auf den zwei wichtigsten Positionen (Aufbau und unter dem Korb) nicht über die notwendige Klasse, um mit der Liga mitzuhalten. Während der Rest der Conference sich verbessern konnte, traten die Katzen auf der Stelle. Kein Salary Cap Platz und keine Draft-Picks bedeuten einen raschen Absturz.


10. Washington Wizards


Best Case: Playoffs

Die tiefste Talsohle ist durchschritten in der Hauptstadt. Nummer 1 Pick John Wall bringt einen neuen Enthusiasmus und die Aussicht auf bessere Zeiten mit, und plötzlich scheint auch wieder die Sonne durch beim zuletzt stark gebeutelten Club. Der Rookie PG übernimmt gleich die volle Verantwortung, und das kann den Wizards nur gut tun. Flankiert wird Wall vom aufstrebenden, wenn auch launischen Andray Blatche und dem freakigen Javale McGee. Scharfschütze Gilbert Arenas weicht auf die SG-Position aus und wird versuchen, seine Karriere wieder in geregeltere Bahnen zu lenken. Mit Josh Howard, Al Thornton und Nick Young stehen weitere talentierte Nachwuchsmänner bereit. Die Erwartungen sind gering, so dass Coach Flip Saunders von unten eine neue Mannschaft und eine neue Philosophie etablieren kann. Wenn alles passt und Wall die Rookie-Mauer umdribbeln kann, spielt Washington um die Playoffs mit.


Worst Case: 25 Siege, Arenas sorgt für Chaos

Im schlimmsten Fall zeigt sich gleich von Beginn, dass keiner der aktuellen Wizards-Spieler ins Zukunftskonzept um Wall passt. Arenas fährt die Ego-Schiene und verbaut den Zauberern jede Chance auf ein sinnvolles Wachstumsjahr, verpestet gleichzeitig die Umkleidekabine und bringt psychisch labile Youngster wie Blatche und Howard auf dumme Gedanken. Der ohnehin niedrige Basketball-IQ der Wizards wird durch Spieler wie Yi Jianlian und Hilton Armstrong zusätzlich gedrückt. Es wird klar: erst nachdem Arenas aus der Stadt gejagt wurde, kann hier etwas Neues erblühen.


11. Philadelphia 76ers


Best Case: Playoffs

Die Sixers galten direkt nach dem Draft als Sleeper-Team im Osten und wurden von vielen Beobachtern (etwas voreilig) in die Playoffs gehievt. Der neue Coach Doug Collins (Karrieresiegquote 54%) gilt als guter Lehrer für junge Spieler und wird das Team vorübergehend verbessern. Der Backcourt wirkt stark dank Andre Iguodala, Jrue Holiday, Evan Turner und Louis Williams. Vor allem von Iguodala erwarten Beobachter nach dessen Engagement beim Team USA - wie schon bei vielen Topstars zuvor - einen immensen Leistungssprung. Mareese Speights soll den alternden Elton Brand unter den Körben unterstützen und ist - genug Spielzeit vorausgesetzt - ein Breakout Kandidat. Mit Nocioni und Songaila verfügen die 76ers endlich über ein klein wenig dringend benötigte Toughness im Team. Viele Neuerungen, ein Schritt in die richtige Richtung

Worst Case: 25 Siege, Turner floppt

Iguodala ist nicht der Franchise-Spieler, für den viele ihn halten. Eher eine zweite Option. Holiday wirkt als Spielmacher oft noch überfordert. Thaddeus Young stagniert trotz des hohen Talent-Levels seit seiner Rookie-Saison - ebenso wie Speights und Spencer Hawes. Brand wirkt immer öfter wie ein 65-jähriger Kreisligaspieler statt wie eine 20/10 Zonen-Wuchtbrumme. Und Turner blieb bisher den Nachweis seiner Klasse schuldig, sowohl in der Summer League als auch in der Preseason. Sieht ganz danach aus, als würde dieses Team im Zug nach Nirgendwo sitzen.


12. New Jersey Nets


Best Case: Playoffs
Obwohl auf den ersten Blick zu hoch gerankt und weit von einem potentiellen Playoff-Platz entfernt, muss zunächst auf die 12-70 Bilanz von vor einem Jahr eingegangen werden. Die Mannschaft war nicht so schlecht, wie das Endergebnis vermuten lässt. Extrem viel Verletzungspech und franchise-internes Chaos beschleunigten den Absturz des Teams. Das spielerische Talent ist ohne Zweifel da: mit Brook Lopez (18.8 Pts, 8.6 Reb) und Devin Harris (16.9 Pts, 6.6 Ast) verfügt NJ über zwei Stützpfeiler für die Zukunft. Dazu zählt auch All-Around Talent Terrence Williams. Mit einem neuen, spendierfreudigen Teambesitzer (Prokhorov) und dem kleinen General Avery Johnson an der Seitenlinie, der weiss, wie man Defensive und junge Spieler lehrt, zeigt die Leistungskurve der Nyets klar nach oben. Und Chancen auf Carmelo Anthony hat man ja auch noch...

Worst Case: 20 Siege, die vielen Puzzlestücke sind nicht kompatibel

Die Tatsache, dass man trotz eines Milliarden-Geldgebers und viel Salary Cap Raum keinen einzigen relevanten Spieler an Land ziehen konnte, bestätigt den Ruf New Jersey's als unattraktives Sumpfloch, in dem keiner spielen will. Der geplatzte Trade für Anthony wird dem Club Alpträume bescheren, während sich so mancher junger Leistungsträger (Harris, Favors) von den Wechselgerüchten entnerven lässt. Big Man Troy Murphy erholt sich nur schlecht von seinen chronischen Rückenleiden, und New Jersey tritt die ganze Saison über auf der Stelle, während Avery an seinem wenig lernwilligen Roster nach und nach verzweifelt.


13. Cleveland Cavaliers


Best Case: Playoffs

Der tiefe Fall vom besten Regular Season Team hinunter in die Abgründe der Ost-Tabelle ist ohne LBJ vorgezeichnet, aber: das Potential für eine Überraschungssaison ist da im Niemansland Ohio. Mit Mo Williams und Antawn Jamison verfügen die Cavs über ehemaliges All-Star Talent. In Varejao, Moon und Parker spielen gute Verteidiger auf strategisch wichtigen Positionen. JJ Hickson ist ein potentieller Star. Der neue Coach Byron Scott ist ein guter, konnte bisher die Hälfte seiner Partien an der Seitenlinie gewinnen. Vor allem aber wird Cleveland von seiner Extra-Motivation zehren in dieser Saison. Keiner traut den ex-Lebrons etwas zu, die Erwartungen sind historisch niedrig. Die Cavs könnten, wenn alles perfekt läuft, zur Aschenputtel-Geschichte der Saison werden und sich als 8. Team in die Playoffs mogeln.

Worst Case: 16 Siege, Depressionen und ganz lange Wintermonate

Das letzte Mal, als Mo Williams (2008) oder Antawn Jamison (2009) Go-to Scorer ihrer respektiven Teams waren, gewannen diese Mannschaften gerade mal 28 (Milwaukee) bzw. 19 (Washington) Spiele. Schlechte Vorzeichen also für Cleveland, die sich schon im Januar aus dem Playoff-Rennen verabschieden werden. Den Franchise-Spieler James, der 7 Jahre lang bei den Cavs auf MVP-Niveau agiert und den Verein wieder relevant gemacht hatte, bekommt Dan Gilbert und das Team einfach nicht ersetzt. Der Fall zurück in die Bedeutungslosigkeit ist nicht abzuwenden.



14. Detroit Pistons


Best Case: Playoffs

Auf dem Papier wirken die Pistons durchaus wie ein potentielles Playoff-Team im Osten. Mit Richard Hamilton (18.1 Pts) verfügen die Kolben über einen soliden Go-to Scorer an der Seite von Shoot-first PG Rodney Stuckey, der immer noch Platz zum Wachsen hat. Von der Bank kommen die zwei Mikrowellen Ben Gordon und Will Bynum. Neuzugang Tracy McGrady soll ebenfalls dringend benötigtes Scoring zur Verfügung stellen. Im Frontcourt bietet sich Charlie Villanueva für eine Breakout-Saison an. Austin Daye und Greg Monroe sind zwei blutjunge Bigs mit verblüffendem Potential. Ausserdem verfügt Detroit über massenweise Tradeware und die auslaufenden Verträge von Prince und Wilcox. Ein weiteres Upgrade im Frontcourt (Stichwort: Low Post Präsenz) wird angepeilt.


Worst Case: 15 Siege, interne Querelen um Spielzeit/Führungsrollen

Der Identitätswechsel ging für die Pistons absolut nach hinten los. Der Übergang vom defensivstärksten Team der Liga zu einer Möchtegern-Phoenix Suns-Version tut sehr weh. Das Team sieht auf Papier vielleicht solide aus, aber nur wenn heute 2005 wäre (Wallace, Prince, Hamilton, McGrady). Die Teamchemie ist nicht vorhanden, der Roster extrem schlecht ausbalanciert (2 Center, 33 Perimeter-Spieler). Der Coach wirkt planlos, und das Spielermaterial schreckt alle potentiellen Tradepartner ab.



15. Toronto Raptors


Best Case: 30 Siege, klare Identität
Im Idealfall umarmt Andrea Bargnani von der ersten Minute an seine neue Franchise-Spieler-Rolle in T-Dot. Der lange Italiener (17.2 Pts, 6.2 Reb) blüht als erste Option im Angriff so richtig auf und zeigt seine beste Dirk Nowitzki Imitation. Die Young Guns im Team (DeRozan, Weems, Wright) laufen ihren Gegnern dank schnellen Beinen davon. Die beiden Neuzugänge Linas Kleiza und Leandro Barbosa danken ihrem neuen Arbeitgeber mit Comeback-Saisons. Angeführt von Jarrett Jack und Jose Calderon auf Aufbau schaffen es die Dinos, immer wieder ihre Gegner zu überraschen und mehr als jedes dritte Spiel zu gewinnen. Rookie Ed Davis schlägt nach seiner Rückkehr ein wie eine Bombe und macht Chris Bosh auf Anhieb vergessen.

Worst Case: 9 Siege, schlechteste Bilanz aller Zeiten
Begrüsst die Toronto Euros, das neue NBA-Kanonenfutter. Jedes Spiel des neuen schlechtesten Teams der Liga wird schmerzhafter als eine Drillings-Geburt. Die Wunden vom Chris Bosh Fiasko und der verpasste Trade im Februar werden selbst in 5 Jahren noch nicht verheilt sein. Die Raps rangierten schon letzte Saison auf Platz 30 bei der Team-Defensive. Die dürfte in dieser Spielzeit noch anämischer auftreten. Das kommt davon, wenn man seinen Kader um europäische Rollenspieler herum zusammenstellt. Immerhin steigen so die Lotterie-Chancen auf den 1. Pick im Sommer 2011.