26 Oktober 2010


Anstatt dem üblichen Preview-Salat, den man sonst so vorgesetzt bekommt (Startaufstellungen, Siegesvorhersagen etc.), bringt Euch nbachef eine leicht modifizierte Vorschau auf die neue Saison - und beleuchtet die jeweiligen Best/Worst Case Szenarios für alle 30 Teams in der antizipierten Tabellenreihenfolge. Weiter geht's im Osten mit den acht Playoff-Teams:


1. Orlando Magic


Best Case: NBA-Titel

Dwight Howard ist weiterhin der Schlüsselspieler für die Magischen. Auch wenn sein Sommer-Workout mit Center-Legende Hakeem Olajuwon nicht fruchten sollte, bleibt D12 ein ernst zu nehmender MVP-Kandidat und Favorit auf den Defensivspieler des Jahres. Zudem ist Howard einer der wenigen Akteure, den das neue Heat-Superteam nicht in den Griff bekommen kann. Orlando hat den tiefsten Roster ligaweit. Der Kader ist eingespielt und wird dank seiner chirurgischen Präzision einen Regular Season Gegner nach dem anderen sezieren. Zudem sind mehr als genug Puzzlestücke (Rollenspieler, auslaufende Verträge) vorhanden, um einen Hochkaräter á la Chris Paul via Trade an Land zu ziehen. Der surreale Hype um den In-State Rivalen weiter südlich garantiert höchste Motivation von Oktober bis Mai.

Worst Case: Platz 2, Conference Halbfinale
Orlando hat nichts dazu gelernt. Obwohl die Magic mal wieder durch die reguläre Saison preschen, lassen Spieler wie Vince Carter und Rashard Lewis in der Postseason einmal mehr jeglichen Killer-Instinkt vermissen. Howard ist in der Zone auf sich allein gestellt, kassiert Fouls im Minutentakt und dazu ein bis zwei Technische pro Spiel. Miami gewinnt die Southeast Division und Orlando wird von den Veteranen-Celtics - wie bereits letzte Saison - aus den Playoffs gefegt.


2. Miami Heat


Best Case: NBA-Titel
Der neue Spielplatz-Bully in der Nachbarschaft terrorisiert von Beginn an seine Kontrahenten. Lebron, Wade und Bosh entwickeln schon im November eine mustergültige Teamchemie und reissen den Rest der Mannschaft mit - alle Rollenspieler agieren am Limit. Miami wird so gut wie unmöglich zu verteidigen sein, und obwohl das Loch in der Mitte offensichtlich bleibt, so macht das an den meisten Abenden überhaupt keinen Unterschied. Die Heat nehmen Chicago's All-Time Bestmarke von 72 Siegen ins Visier und walzen alles platt, was sich ihnen in den Weg stellt - Boston und Orlando inklusive. Lebron kratzt als Point-Forward am Triple Double. Platz 1 im Osten ist reine Formsache.

Worst Case: Platz 2, Conference Halbfinale

Was die Preseason schon angedeutet hat, bestätigt sich ab dem 26. Oktober: Miami hat noch erhebliche Probleme mit der Teamchemie. Wade, Bosh und Lebron standen bisher gerade mal 4 Minuten gemeinsam auf dem Platz. Verletzungen werfen die Heat immer wieder zurück. Das Team ist frühestens im Januar eingespielt - bis dahin ist Orlando schon davon gezogen in den Standings. In den Playoffs trifft Miami auf Boston, das dem neuen Superteam auf brutale Art und Weise seine Grenzen aufzeigt. Der grosse Durchbruch kommt frühestens 2011/12.


3. Boston Celtics


Best Case: NBA-Titel

Ein ganz starker Konsens innerhalb der Ball-Kommune scheint zu sein: Boston auf 3 im Osten. Diese Mannschaft existiert nur noch für die Playoffs, die reguläre Saison ist absolut irrelevant. Coach Doc Rivers, der schlauerweise verlängert wurde, wird seine Veteranen pacen. Mehr als 58 Siege sind also nicht drin. Das reicht in der schwachen Atlantic Division dennoch locker zum Titel - ein Platz unter den ersten 4 und Heimvorteil in den Playoffs ist damit garantiert. Man erinnere sich an letzte Saison: da war man trotz des ineffektiven Rasheed Wallace und eines einbeinigen Kevin Garnett nur wenige Minuten von einem NBA-Titel entfernt. Die Additionen in diesem Sommer, eine starke Bank und die Gewissheit, dass sich das Fenster langsam aber sicher schliesst, garantieren einen weiteren langen Run der Kobolde bis tief in den Mai/Juni. Die Celtics sind die neuen Spurs - man darf sie nie abschreiben.

Worst Case: Platz 4, Conference Halbfinale
Den C's merkt man ihr methusalemisches Alter zusehends an. Die Defensive büsst immer mehr ihrer ehemals furchteinflössenden Effizienz ein. Vor allem Kendrick Perkins wird schmerzlich vermisst werden, denn die beiden O'Neals sind nur noch ein Schatten ihrer selbst und nicht in der Lage, die Rolle der Bahnschranke im bunten Bereich zu übernehmen. Pierce und Garnett werden von ihren langsam vermodernden Körpern eingeholt und fallen längere Zeit aus. Das Team muss sich ausschließlich auf Rajon Rondo verlassen und wirkt verlassen. Das Playoff-Aus kommt spätestens in Runde 2, wo entweder Orlando/Miami oder ein aufstrebendes Team wie Chicago/Milwaukee den Altmeister demütigt und die endgültige Wachablösung im Osten unterstreicht.


4. Chicago Bulls


Best Case: Conference Finale
Ein junges und aufstrebendes Team, das schon vor den qualitativen Upgrades in diesem Sommer für die obere Etage im Osten gebucht hatte. Derrick Rose und Joakim Noah spielten sich letztes Jahr in den Fokus der Öffentlichkeit und geben den Bulls ein aufregendes, junges Tandem für die Zukunft. Hinzu kam via Free Agency All-Star PF Carlos Boozer. Der fällt zwar ein paar Monate aus, bietet den Bullen dann aber eine dringend benötigte Low-Post Option, die in der windigen Stadt seit den Tagen von Elton Brand gefehlt hatte - 20/10 inklusive. Die Verteidigung wird sich unter dem neuen Coach/Defensivguru Tom Thibodeau innerhalb kürzester Zeit zu einer der besten ligaweit entwickeln. Zusammen mit dem starken Frontcourt (Booozer-Noah-Deng) und einem Top-PG (Rose) genug für Chicago, um zum ersten Mal seit den Tagen von Michael Jordan den Divisions-Titel in der Central einzuheimsen.

Worst Case: Platz 5, Aus in Runde 1

Der Boozer-Ausfall tut weh. Ohne ihn fehlt den Bulls einmal mehr die Präsenz in der Zone, de facto eine Kopie zur letzten Spielzeit. Mit dem Unterschied, dass alle Distanzschützen (Miller, Hinrich) aus der Stadt gejagt wurden, vom Perimeter also so gut wie gar keine Scoring-Entlastung mehr erwartet werden darf. Vor allem Veteran Hinrich an der Seite von Rose wird man vermissen. Noah verliert sein Feuer unterm Arsch, jetzt da er eine fette 60 Mio $ Vertragsverlängerung unterzeichnet hat. Thibodeau ist bei seinem ersten Cheftrainer-Gig überfordert. Bis Boozer Anfang 2011 wieder ins Geschehen eingreifen kann, hinkt Chicago in den Standings hinterher und schafft es nicht mehr, Milwaukee einzuholen. Der Heimvorteil ist weg, man fliegt gegen Boston früh aus den POs.


5. Milwaukee Bucks


Best Case: Platz 3, Conference Halbfinale

Das Überraschungsteam des vergangenen Jahres im Osten mit 48 Siegen. Milwaukee zog ein paar unspektakuläre, aber effektive Free Agents an Land, holte den wuchtigen Drew Gooden und den menschlichen Foulmagneten Corey Maggette. John Salmons, der wohl beste In-Season Neuzugang letzte Saison (19.9 Pts in MIL), wird diesmal von Beginn an für die Hirsche auflaufen. Brandon Jennings brennt nach seiner schwachen zweiten Saisonhälfte auf Wiedergutmachung und will sich in die Belle Etage der NBA Point Guards spielen. Wenn Center Andrew Bogut sich einigermassen gut von seiner makabren Armverletzung erholt hat, müssen die Bucks unter der Leitung von Disziplinfanatiker Scott Skiles als einer der zwei Favoriten in der Central Division gesehen werden. Es wird ein harter Zweikampf mit den Bulls, den Milwaukee dank seiner Tiefe und 53-56 Siegen für sich entscheiden kann.

Worst Case: Platz 6, Aus in Runde 1
Jennings zeigte oft seine hässliche Fratze, traf nur 34% seiner Wurfversuche im neuen Jahr. Direkt am Korb war kein Spieler schlechter. Kann er das Team anführen ? Milwaukee's grosse Stärke - die Ausgeglichenheit - entpuppt sich in Crunchtime als grösste Schwäche. Es fehlt eine designierte Go-to Option. Maggette fährt häufig die Ego-Schiene und wird Skiles die Zornesröte ins Gesicht treiben. Bogut hat selbst schon eingeräumt, zu keinem Zeitpunkt wieder vollkommen fit zu sein. Keine guten News für einen Angriff auf die Central-Krone.


6. Atlanta Hawks


Best Case: Platz 3, Conference Halbfinale

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Joe Johnson im wildesten Free Agent Sommer aller Zeiten den lukrativsten Vertrag (120 Mio $) unterschreibt ? Angemessen oder nicht, JJ (21.3 Pts, 4.6 Reb, 4.9 Ast) bleibt der wichtigste Spieler im Team. Seit er 2005 nach Atlanta kam, konnten sich die Falken jedes Jahr verbessern. Auch wenn das in dieser Saison nicht wieder gelingt, so haben sich die Hawks unter den 6 besten Teams im Osten fest gesetzt. Fast alles bleibt beim alten: Josh Smith ist neben Dwight Howard der beste Verteidiger der Liga und hätte einen All-Star Spot redlich verdient. Den bekam statt dessen sein adretter Frontcourt-Kollege Al Horford zugesprochen. Jamal Crawford ist der amtierende Sixth Man of the Year und bringt Scoring-Punch von der Bank. Die einzige wirkliche Neuerung ist der strenge Larry Drew an der Seitenlinie, der den bisherigen Coach Mike Woodson und dessen lockere Gangart ersetzt.

Worst Case: Platz 6, Aus in Runde 1
Der Kopf bleibt nach wie vor das Hauptproblem in ATL, nicht das Talent. So wie sich die Mannschaft in den Playoffs abschlachten liess, müssen ernsthafte Zweifel an der kollektiven Psyche erhoben werden. Crawford ist unglücklich, weil er noch keine Vertragsverlängerung angeboten bekommen hat, muss aber exzellent spielen, damit Atlanta oben mithalten kann. Die erhoffte Verstärkung unter den Körben wurde im Sommer nicht geholt. Alle Top-Teams im Osten haben aufgerüstet, die Hawks taten nichts. Das 'Wir sind jung und haben noch ein paar Jahre' Argument zieht nicht mehr. Es wird wohl Zeit, die aktuelle Version der Vögel auseinander zu reissen.


7. New York Knicks


Best Case: Playoffs, Carmelo Anthony kommt
Nach Jahren der Hoffnungslosigkeit kratzen die Knickerbockers erstmals seit der Saison 03/04 wieder an den Playoff-Plätzen. Mit Amare Stoudemire verfügt das D'Antoni-Team endlich über einen verlässlichen Low-Post Spieler und Go-to Guy. Er kennt das Spielsystem und passt gut nach New York. Raymond Felton, der aus Charlotte kam, ist ein überdurchschnittlicher, teamdienlicher Point Guard, der perfekt ins Uptempo Spielsystem passen und die Offensive abspulen wird. Mit Danilo Gallinari, Anthony Randolph, Wilson Chandler, Toney Douglas und Timofey Mozgov verfügen die Knicks über eine Vielzahl von jungen Talenten, die auch in einem eventuellen Trade (zusammen mit Eddy Curry's auslaufendem Deal) nützlich sein könnten. Carmelo Anthony lässt grüssen. Alles in allem ist hier genug spielerische Klasse vorhanden, um einen der letzten beiden Playoff-Spots im Osten abzugreifen.

Worst Case: Platz 11, Amare reisst Kreuzband
Man hatte mit Lebron James/Chris Bosh geliebäugelt, musste sich am Ende aber "nur" mit Stoudemire/Felton zufrieden geben. Und da kommt das Hauptproblem ins Spiel: Knicks-Fans philosphieren immer noch über Akteure, die nicht im Big Apple arbeiten (Anthony, Paul). Der planlose James Dolan schreibt immer noch die Schecks aus, der Geist von Isiah Thomas (den Dolan in diesem Sommer zurück bringen wollte) spukt immer noch durch den MSG. Spielerisch fehlt es den Knicks an Rebounds und Defense. Der Weg zum ernst zu nehmenden Contender ist noch lang und beschwerlich.


8. Indiana Pacers


Best Case: Playoffs

Wie bitte - Pacers und Playoffs in einem Satz ? Schwer zu glauben, in der Tat. Aber in einer schwachen Eastern Conference, in der die letzten beiden Playoff-Plätze weit offen sind, durchaus vorstellbar. Der Trade Murphy gegen Darren Collison war ein guter Schachzug von Larry Bird, eigentlich sein erster seit langem. Das PG-Problem ist damit endlich vom Tisch, wenngleich nun im Frontcourt eine grosse Lücke klafft. Die soll Roy Hibbert stopfen. Dem beweglichen Riesen (11.7 Pts, 5.7 Reb, 1.6 Blk) trauen viele eine Breakout-Saison zu. Unangefochtener Star im Team bleibt selbstredend Danny Granger. Das wandelnde Verletzungsrisiko liefert in Jim O'Briens Uptempo-Offensive regelmässig hohe Punktwerte ab - zuletzt 24 Punkte pro Partie. Die auslaufenden Verträge von Dunleavy, Ford und Foster sind zusammen 26 Mio $ wert. Dadurch steigen die Hoffnungen auf qualitative Upgrades im Februar oder im nächsten Sommer. Jedenfalls sieht man wieder das Licht am Ende des Conseco Fieldhouse.

Worst Case: Platz 14, schlechter Trade verpulvert Cap Space
Dass Collison in einer Vollzeit-Anstellung Starter-Anforderungen gewachsen ist, muss er erst noch beweisen. Granger der Glasmann wird in traditioneller Manier 10 bis 20 Spiele aussetzen müssen. Defense wird in Indiana mit der Todesstrafe geahndet, im Rebounding waren die Pacers letztes Jahr 29. - und das war mit Troy Murphy, der 10 pro Spiel pflückte. Das Rebuilding läuft nun schon gefühlte 15 Jahre - wann kommt endlich der ersehnte halbe Schritt nach vorne ?