27 Oktober 2010


Anstatt dem üblichen Preview-Salat, den man sonst so vorgesetzt bekommt (Startaufstellungen, Siegesvorhersagen etc.), bringt Euch nbachef eine leicht modifizierte Vorschau auf die neue Saison - und beleuchtet die jeweiligen Best/Worst Case Szenarios für alle 30 Teams in der antizipierten Tabellenreihenfolge. Weiter geht die Preview-Fahrt im wilden Westen mit den Lotterie-Teams:


9. New Orleans Hornets


Best Case: Playoffs Runde 1

Chris Paul natürlich - was sonst ? Der kleine Aufbauspieler mit dem dicken Hintern bleibt das Alpha und Omega in New Orleans. Der beste Point Guard der Liga ist für sich genommen schon gut genug, um die Hornets eine ganze Spielzeit lang im Kampf um das letzte West-Playoff-Ticket am Leben zu erhalten. Mit seinem alten Kumpel David West down low und den beiden Neuzugängen Trevor Ariza und Marco Belinelli auf dem Flügel hat CP3 endlich mal wieder ein paar Abnehmer für seine perfekt getimten Vorlagen. Wenn alles klickt, sind 42-48 Siege und eine starke erste Playoff-Runde möglich.


Worst Case: 35 Siege. Paul und West wechseln

Bei allem Optimismus ob des neuen Managements (Dell Demps), des neuen Coaches (Monty Williams) und dem Stojakovic Trade-Chip (14 Mio $) bleibt irgendwie doch alles beim Alten: dem Club geht's in erster Linie darum, Geld zu sparen. Talentierte Upgrades für einen Push hinein in die West-Elite wird man nicht verpflichten, und in der aktuellen Konstellation fehlt den Hornissen auf jeder Position adäquates Ersatzpersonal. Paul und West werden sich einmal mehr die Seele aus dem Leib spielen, um an Ende die Playoffs knapp zu verpassen. West wechselt als Free Agent im Sommer, Paul muss man früher oder später traden, um ihn 2012 nicht für lau zu verlieren. Schwere Zeiten für die Stechmücken.


10. Los Angeles Clippers


Best Case: Playoffs Runde 1

Best Case Szenarios und die LA Clippers passen an sich überhaupt nicht zusammen, noch nicht einmal theoretisch. Dennoch gibt's hier einiges zu mögen bei der 2011er Clippers-Version. Die Jugendbewegung ist in vollem Gange. Mit Blake Griffin, Al-Farouq Aminu und Eric Bledsoe stehen gleich drei Rookies in der Rotation des neuen Head Coaches Vinny del Negro. Der ist zwar kein echter Crack an der Seitenlinie, aber immer noch um Längen besser als sein überforderter Vorgänger Mike Dunleavy Sr. Der Backcourt der Clips muss sich mit Baron Davis und Eric Gordon vor keinem anderen verstecken. Der Frontcourt mit Griffin (Favorit auf den Rookie des Jahres), Chris Kaman, Craig Smith und DeAndre Jordan gibt sich solide mit viel Luft nach oben. Die Startaufstellung der Angelinos lässt sich also durchaus sehen. Soviel spielerisches Talent auf einem Haufen kann im Idealfall überraschen und in die Playoffs einziehen.


Worst Case: 30 Siege. Baron lustlos, Griffin bricht sich die Kniescheibe
Erst auf der Auswechselbank fangen die wirklichen Probleme an. Es fehlt von allem etwas. Dass Draft-Enttäuschung Randy Foye ausgerechnet hier seine Karrierelaufbahn korrigieren kann, darf bezweifelt werden. Zuguterletzt steht und fällt die Saison mit der Motivation von Baron Davis. Ausgerechnet Boom Dizzle. Je nachdem, welcher Baron auftaucht, könnten die Clippers um den 8. Platz im Westen mitspielen - oder wieder einmal mit kurzen Momenten des Erfolgs flirten, bevor das hier allseits präsente Chaos sich seinen Lieblingsverein wieder einverleibt.


11. Phoenix Suns


Best Case: Playoffs
Kaum ein anderes Team ist vor der neuen Saison schwerer einzuschätzen als die Phoenix Suns. Nach dem Abgang von Amare Stoudemire, der eine monströse zweite Saisonhälfte (inkl. Playoffs) ablieferte, fehlt zwar der Go-to Guy in der Zone. Dafür verfügen die Suns nun über massenhaft Offensivoptionen auf den Flügeln (J-Rich, Turkoglu, Childress, Dudley, Hill) - ganz nach dem Geschmack von Steve Nash. Der 63-jährige Kanadier agiert entgegen aller Erwartungen immer noch auf Top-Niveau. Teams mit Elite-PGs á la Nash erreichen so gut wie immer die Playoffs. Die Spielweise der Suns ist perfekt geeignet für die reguläre Saison. Phoenix wird seinen Gegnern also weiterhin davon sprinten und im Regular Season Marathon massenweise Siege einfahren - im Idealfall knapp 50, was locker für die Playoffs reichen würde.

Worst Case: 30 Siege. Nash's Rücken verabschiedet sich

Das kongeniale Nash-Amare Pick'n'Roll wird bereits jetzt schmerzlich vermisst. Ohne Stoudemire fehlt den Suns internes Rebounding und eine Präsenz in der Zone. Lopez, Frye und Warrick werden die hinterlassene Lücke nicht schliessen können, es sei denn Robin Lopez wächst über sich hinaus. Mindestens ein Trade sollte noch her, um die Fronctourt-Defizite zu addressieren. Der Supergau wäre für Phoenix zweifellos ein Ausfall des Gehirns/Taktgebers Nash. Der hat zwar in den letzten 9 Jahren nur 3 Spiele pro Saison verpasst - irgendwann endet aber jede Serie mal. Nach der sensationelle guten Spielzeit 2010/11 ist ein tiefer Sturz mit diesem Kader unausweichlich.


12. Memphis Grizzlies


Best Case: Playoffs Runde 1
Überraschend solides Jahr der Grizzly-Bären: man gewann 40 Partien und beendete die starke Western Conference als 10. Über den Sommer ist alles beim Alten geblieben in Memphis, und man hofft, dass ein weiteres Jahr Wachstum und Reife der Magie bereits genug sind. Rudy Gay erhielt einen der teuersten Deals (80 Mio $) und damit das uneingeschränkte Vertrauen des Team-Managements. Bester Spieler war aber eigentlich Zach Randolph, der mit 20.8 Pts, 11.7 Reb und als guter Teamkollege überzeugen konnte. Marc Gasol, Mike Conley und OJ Mayo komplettieren eine der besten Starting 5s der Liga. Neuzugang Tony Allen, der aus Boston kam, soll die Bank verfestigen. Alles steht und fällt aber mit den Startern. Machen die einen entscheidenden Schritt nach vorne, schafft es Memphis in die Playoffs.

Worst Case: 30 Siege. Streitereien im Team

Eines der Hauptprobleme sind die auslaufenden Verträge von Randolph, Gasol, Conley und Mayo im Sommer. Dank Gay's Monsterdeal ist nicht genug Geld für alle im Sparschwein, denn Teambesitzer Heisley ist dumm und kann nicht rechnen. In einer Mannschaft, die weniger von ihrer Chemie denn von individueller Klasse lebt und ohnehin keine wirkliche Identität besitzt, sind Streitereien um Spielzeit, Ballbesitz und Würfe vorprogrammiert. Conley kann ein Team nicht lenken, ist als Point Guard unterer Durchschnitt - und einer der Hauptgründe für ein erneutes Verpassen der Playoffs in 2010/11.


13. Sacramento Kings


Best Case: 38 Siege
Mit dem amtierenden Rookie des Jahres Tyreke Evans, der als einziger Frischling neben MJ, Big O und LBJ 20-5-5 in seinem ersten Profijahr ablieferte, sowie Neuzugang DeMarcus Cousins stehen zwei äusserst vielversprechende Youngster im Kader der Sacramento Kings, um die herum in Zukunft etwas Grosses aufgebaut werden soll. Auch Carl Landry ist beachtenswert und für den Rebuild relevant. Mit Casspi, Thompson und Greene verfügt Head Coach Paul Westphal über weiteres junges, formbares Spielermaterial. Geld ist da, und ausser OKC und den Clippers verfügt wohl kein anderes Team über mehr blutjunges Potential. Lenkt Evans in Zukunft lieber sein Basketballteam anstatt seinen Sportwagen, winkt den Kings in der W-Spalte ein substantieller Schritt nach vorn.

Worst Case: 20 Siege
Zweifellos haben Evans und Cousins viel Talent - ob und wie das aber auf dem Feld zusammen passt, wird einen grossen Einfluss auf Sacramento's weitere NBA-Reise haben. Trotz massenhaft Cap Space macht das Gerücht von 'Relocation' die Runde durch die Arco Arena. Das wäre freilich ein Schock für die basketballverrückte kalifornische Hauptstadt. Was die kommende Saison angeht, duellieren sich die Kings mit den Warriors um Platz 13 im Westen. Es wird noch ein paar Jährchen dauern, bis das Niveau des Kult-Teams um Webber, Divac, Bibby & co. angepeilt werden kann.


14. Golden State Warriors


Best Case: 32 Siege

Viel hat sich verändert in Golden State: der bisherige Coach Don Nelson, ehemals ein brillantes und hoch innovatives Offensivgenie, war zuletzt nur noch ein Schatten seiner selbst. Er wird von Keith Smart an der Seitenlinie ersetzt. Smart übernimmt das Privileg, den produktivsten Backcourt der Liga coachen zu dürfen - Stephen Curry und Monta Ellis kamen zusammen auf 43 Pts und 11 Assists im Schnitt. Mit Neuzugang David Lee bemannt nun ein All-Star die Big Man Position bei den Warriors. Lee sollte zusammen mit Andris Biedrins die Bretter sauber halten und wenigstens ansatzweise ein bisschen Interior Defense aufbieten. Das neue Besitzerduo Gruber/Lacob wird alles daran setzen, der wohl treuesten Fangemeinde der Liga in Zukunft ein professionelleres Produkt vor die Nase zu setzen.

Worst Case: 15 Siege.

Monta Ellis und Stephen Curry, die zwei Besten bei den Warriors, sind de facto der gleiche Spielertyp und spielen die gleiche Position. Obwohl die Dubs einmal mehr zu den unterhaltsamsten Teams der Liga zählen werden, hat sich an der kollektiven Defense-Allergie nichts geändert. So kannst Du in der NBA nicht viel reissen. Trotz neuem Logo, neuer Trikots, neuem Coach, neuen Besitzern und neuen Spielern: Golden State gewinnt auswärts höchstens 10 Partien und landet wieder in der Lotterie.



15. Minnesota Timberwolves


Best Case: 20 Siege. Johnson und Beasley schlagen ein

Kevin Love (14 Pts, 11 Reb) ist das neue Gesicht der Franchise und soll die Wölfe in eine glorreiche Zukunft führen. Ihm zur Seite steht der vielversprechende Wesley Johnson, 4. Pick im diesjährigen Draft, sowie der offensichtlich irre Michael Beasley. Der wurde in Miami hochkant aus der Stadt gejagt und erhält in 'Sota die Chance, etwas mehr aus seinem Talent zu machen. Der Coaching Staff war schlau genug, das Experiment 'Triangle Offense' für gescheitert zu erklären. Das neue System 'Ball Movement' scheint auf Anhieb besser zu funktionieren (6-2 in der Preseason).

Worst Case: 8 Siege, schlechteste Bilanz aller Zeiten
Oh Mann, wo willste hier nur anfangen ? So viele Worst Case Szenarios, dass man damit ein ganzes Buch füllen könnte. GM David Kahn ist so schlecht, dass sich Wolves-Fans öffentlich Kevin McHale zurück wünschen - ein absolutes Armutszeugnis. In welche Richtung soll's gehen ? Nachdem letztes Jahr zuviele Guards im Kader standen, ist nun der Frontcourt überbevölkert. Der beste Mann Al Jefferson ist weg, Rubio hat weiterhin keinen Bock auf die Wolves. Hier ist kein roter Faden und kein Plan erkennbar. Mit diesem Kader können die Timberkahns die schlechteste Bilanz aller Zeiten (9-73) in Angriff nehmen - und unterbieten.