27 Oktober 2010


Vierter und letzter Teil der Saisonvorschau mit den acht Playoff-Teams in der Western Conference:


1. Los Angeles Lakers


Best Case: NBA-Titel

Kobe spielt sich nach seiner Knie-OP langsam in Form. Gasol verankert die Zone. Bynum muss verletzungsbedingt mindestens 20 Spiele aussetzen. Artest sorgt für Unterhaltung auf und ausserhalb des Platzes, während er von seiner Psychiaterin betreut wird. Fisher erreicht endlich die angepeilte Fortbewegungsgeschwindigkeit eines Stuhls. Odom startet mal, kommt mal von der Bank und schwankt wie immer zwischen Weltklasse und Bezirksklasse. Barnes, Blake, Vujacic und Brown bringen abwechselnd ein bisschen Feuer von der Bank. Phil Jackson hält sein Veteranen-Team im Fokus, das erst nach der All-Star Pause so richtig in Schwung kommt. Platz 1 im Westen und ein Durchmarsch durch die Playoffs ist bereits vorbestellt. Am Ende warten Boston, Orlando oder Miami auf dem Weg zum erneuten Three-Peat. Phil Jackson reitet auf seinem 12. und letzten Titel in den kalifornischen Sonnenuntergang hinein.

Worst Case: NBA-Finals
Kobe spielt sich nach seiner Knie-OP langsam in Form. Gasol verankert die Zone. Bynum muss verletzungsbedingt mindestens 20 Spiele aussetzen. Artest sorgt für Unterhaltung auf und ausserhalb des Platzes, während er von seiner Psychiaterin betreut wird. Fisher erreicht endlich die angepeilte Fortbewegungsgeschwindigkeit eines Stuhls. Odom startet mal, kommt mal von der Bank und schwankt immer zwischen Weltklasse und Bezirksklasse. Barnes, Blake, Vujacic und Brown bringen abwechselnd ein bisschen Feuer von der Bank. Phil Jackson hält sein Veteranen-Team im Fokus, das erst nach der All-Star Pause so richtig in Schwung kommt. Platz 1 im Westen und ein Durchmarsch durch die Playoffs ist bereits vorbestellt. Am Ende warten Boston, Orlando oder Miami auf dem Weg zum erneuten Three-Peat. Phil Jackson reitet ohne seinen 12. und letzten Titel in den kalifornischen Sonnenuntergang hinein - 11 sind wohl auch nicht schlecht.


2. Dallas Mavericks


Best Case: Conference Finale

Dirk Nowitzki wird seine Karriere in Dallas beenden, nachdem er diesen Sommer eine lukrative 4-Jahres Vertragsverlängerung unterschrieben hat. Das garantiert ihm einen Platz in der Hall of Fame als beliebtester und bester Mavs-Akteur aller Zeiten, noch vor Ikonen wie Shawn Bradley, Martin Muursepp oder Uwe Blab. Auf dem Platz wird Dirk einmal mehr eine MVP-würdige Saison abliefern und die Pferde schnurstracks in Richtung Divisionstitel führen - es wäre der 3. in den letzten 5 Jahren. Tyson Chandler ersetzt den fusslahmen Erick Dampier unter den Brettern. Haywood und Butler laufen diesmal von Saisonbeginn an im Mavs-Jersey ein. Roddy Beaubois und Dominique Jones sind zwei explosive Scorer und verfestigen den Eindruck, dass im grossen D eines der tiefsten und potentesten Teams der Liga zu Werke geht. Und dann ist da ja noch Mark Cuban, der jeden Tag aufs Neue versucht, via Blockbuster-Trade einen grossen Co-Star zu den Mavericks zu lotsen.

Worst Case: Aus in Playoff-Runde 1
Alle Jahre wieder das gleiche Lied: dominant in der regulären Saison, anemisch in den Playoffs. Daran hat sich nichts geändert. Man wird den Eindruck nicht mehr los, dass Dirk seine geliebten Mavs nie ins gelobte Land führen wird. Die Defensive ist nur Durchschnitt (Platz 15 bei den erlaubten Punkten und gegnerischen FG%), vor allem im Frontcourt fehlen die Ersatzoptionen. Und wie schon in den letzten Jahren heisst es wieder "Jetzt oder Nie". Nie es wird, denn ohne Trade keine Chancen auf den Titel.


3. Utah Jazz


Best Case: Conference Finale

Vielerorts wurde der Verlust von Free Agent Carlos Boozer als potentiell verheerend für die Jazz diagnostiziert. En contraire: mit Neuzugang Al Jefferson unter den Brettern wird Utah noch mehr Spiele gewinnen als im letzten Jahr - da waren es 53. Big Al gibt dem Halbfeld-Spiel von Coach Jerry Sloan die dringend benötigte Low-Post Präsenz sowie zusätzlich mehr Defensive als Boozer es je konnte. Jefferson ist jünger, billiger und hat seine besten Jahre noch vor sich. Der Star und Motor des Teams bleibt nach wie vor Deron Williams, einer der 3 besten Point Guards ligaweit. Neuzugang Raja Bell bringt Toughness und Defensivskills auf dem Perimeter. Kirilenko spielt um einen neuen Vertrag und wird dementsprechend motiviert zu Werke gehen. Falls er das nicht tut, winkt den Jazz dank seiner auslaufenden 17 Mio $ ein nettes Upgrade auf den Flügeln. Kehrt Memo Okur Anfang 2011 einigermassen genesen von seiner Achillessehnenverletzung zurück, starten die Jazz einen erfolgreichen Run auf den Nordwest-Titel und Platz 3 im Westen.

Worst Case: Platz 9, Verletzungspech
In Utah gibt es selten Worst Cases: der Verein verlor nur 1 mal in den letzten 27 Jahren (!) mehr als die Hälfte seiner Partien. Unglaublich. Nur langfristige Verletzungen der wichtigsten Leistungsträger (Williams, Jefferson) können die nächste Winning Season und einen Platz in den Playoffs verhindern. Der Vollständigkeit halber sei noch auf die brisante Froncourt-Rotation hingewiesen, wo Millsap nach Jahren des tristen Backup-Daseins endlich dicke Minuten einfordern wird. Die verlangt auch der Russe, der wie gesagt um einen neuen Vertrag spielt. Und Okur will bei seiner Rückkehr auch etwas vom Kuchen abhaben. Falls AK-47 gehen muss, stellt sich die Frage, ob Familie Miller das Geld in Talent reinvestieren oder lieber unter die Luxussteuer manövrieren möchte.


4. Oklahoma City Thunder


Best Case: Conference Finale

Naturgewalt aus dem Niemansland - die Cinderella-Story der OKC Thunder war in deutscher Blog-Sprache hier als Erstes zu lesen. Seitdem ist der Hype auf Durant, Westbrook & co. noch mehr gestiegen, und wie oft üblich in solchen Situationen, laufen die Medien Gefahr, übers Ziel hinaus zu schiessen. Ganz klar ist natürlich, dass hier ein Juggernaut heran reift, eine potentielle Dynastie. Von unten nach oben mit Weitsicht und Geduld kontruiert, mit ausschließlich jungen Spielern, die sich schnurstracks in Richtung All-Star/All-NBA Niveau entwickeln. Durant wird MVP, Westbrook beginnt, Spiele im Alleingang zu dominieren, Harden und Ibaka werden immer besser. Die beiden Neuzugänge Daequan Cook und Mo Peterson stopfen die Löcher in den Dreier-Statistiken, während Rookie Cole Aldrich den Frontcourt verstärkt. Manager-Genie Sam Presti hat wieder einmal mehr als 20 Mio $ an auslaufenden Verträgen gebunkert inklusive der obligatorischen Draft-Picks. Es winkt Platz 2 im Westen hinter den Lakers.

Worst Case: Platz 8, Wachstumsstörungen

Was die Thunder anbelangt, sollten die Beobachter mal geschlossen auf die sprichwörtliche Euphoriebremse treten. Selbst wenn OKC wie im letzten Jahr vollständig gesund bleibt (Durant, Westbrook, Green und Sefolosha absolvierten alle 82 Partien), warten noch etliche Straßensperren auf dem Weg zum Gipfel. Der Donner kann ohne weiteres 60 Spiele gewinnen und 2. werden - aber ebenso gut 36 verlieren und auf Platz 8. abstürzen. Kaum ein anderes Team ist anfälliger für Turnovers, auf der Bank sitzen ausschließlich Spezialisten, und Coach Scott Brooks ist wie seine Jungs jung und unerfahren. In den Playoffs warten Veteranen wie Jackson, Sloan, Popovich, Karl, Adelman und Carlisle an den Seitenlinien. Der Aufstieg kommt gewiss - man sollte nur nichts überstürzen.


5. Portland Trail Blazers


Best Case: Conference Finale
Der Hype-Kelch wurde ausnahmsweise mal an Portland vorbei gereicht in diesem Sommer, dank Miami und dem ganzen Free Agent Theater. Das gesunkene Interesse könnte für die Blazers ein Segen sein, nachdem die hohen Erwartungen der letzten Jahre das junge Team erdrückt hatten. Auf dem Papier bleibt Portland der schlafende Riese im Westen, triefend vor Talent und dem Potential auf etwas Grosses. Trotz einer nicht enden wollenden Serie von Verletzungen gewann das Team von Nate McMillan 50 Partien und wurde 6. Mit weiteren qualititativen Upgrades (Matthews, Babbitt), einem genesenen Greg Oden unter den Brettern und vollgepackt mit heiss begehrten Trade-Chips sollten knapp 60 Siege und ein Division-Titel im Nordwesten niemanden überraschen.

Worst Case: Platz 7, Chemie-Probleme
Die unendliche Tiefe ist auch ein potentieller Problemherd. Wie willst Du unter Roy, Miller, Aldridge, Camby, Oden, Batum, Matthews und Fernandez die Minuten, Ballberührungen und Würfe aufteilen, ohne dass mindestens einer davon beleidigt reagiert ? Die Vorwehen waren schon letztes Jahr zu vernehmen, und das wird heuer noch schlimmer. Fernandez will immer noch weg, Roy hat bereits über die Medien lautstark mehr Ballbesitz verlangt, und Miller fühlt sich chronisch übergangen. Das Centertandem Oden/Przybilla laboriert nach wie vor an den Verletzungen der Vorsaison, und überhaupt sind die Blazers nicht das Abbild von Langlebigkeit. Oden läuft langsam aber sicher die Zeit davon. Gut möglich, dass Portland in dieser Konstellation in der Sackgasse steckt.


6. San Antonio Spurs


Best Case: Platz 2, Conference Finale
Solange Tim Duncan, Manu Ginobili und Tony Parker sich die Pille teilen, muss San Antonio zu den Titelkandidaten gezählt werden - das ist ein ungeschriebenes NBA-Gesetz. Richard Jefferson hat sich über den Sommer den Allerwertesten aufgerissen, um Anschluss zu finden in Gregg Popovich's Spielsystem und peilt ein Comeback-Jahr an. Die beiden Youngster George Hill und Dejuan Blair haben bereits ihre Klasse unter Beweis gestellt und werden in Zukunft noch mehr Einsatzzeit erhalten. Im Idealfall laufen Hill, Blair und die zwei Rookies James Anderson und Tiago Splitter oft genug auf, um die Altstars für die Playoffs zu konservieren. Die Spurs sind eingespielt und exzellent gecoacht. Das Fenster ist nach wie vor offen, und ein Showdown mit Dallas um den Titel in der Southwest Division sorgt für Extra-Spannung 2010/11.

Worst Case: Playoff-Aus in Runde 1
Die Zeichen der Zeit gehen auch an den San Antonio Spurs nicht spurlos vorüber: von 63 Siegen in 05/06 ging es in den verganenen Jahren stetig bergab, auf zuletzt 50 Siege. Nicht zufällig sank Duncan's Spielzeit parallel dazu von 34.1 Min auf zuletzt 30 pro Partie. Der beste Forward/Center aller Zeiten ist auf dem absteigenden Ast und kann seine Sporen nicht mehr wie früher im Alleingang schultern. Die zusätzliche Abhängigkeit von Blair/Splitter/Jefferson im Frontcourt ist nicht ideal. Parker's anstehende Free Agency ebenfalls nicht. Und das leidige Verletzungs-Thema wird den Spurs auch noch dazwischen funken. Alles in allem wohl ein weiterer Abgang vor den Conference-Finals.


7. Houston Rockets


Best Case: Conference Halbfinale

Auch ohne eine einzige Minute Yao Ming gewannen die Rockets mehr als die Hälfte ihrer Partien (42-40) und blieben länger im Playoff-Rennen, als den meisten West-Teams lieb war. 42 Ws bleiben wohl das Parterre für den zweimaligen Champ, tiefer wird's mit Yao, den Neuzugängen Brad Miller, Courtney Lee und Patrick Patterson sowie einem ganzen Jahr Martin/Brooks im Backcourt nicht gehen. Das allein reicht schon fast für extra Spiele im Mai. Bleibt der Chinese einigermassen gesund (30+ Minuten nach der All-Star Pause), fliegen die Rockets in ganz andere Sphären hinein. Auf jeder Position brennen überdurchschnittlich gute Backups (Lowry, Lee, Budinger, Hayes, Miller) auf Einsatzzeit, Rick Adelman ist ein vorzüglicher Coach, und der Manager Daryl Morey ist ein Experten-GM, der personaltechnisch immer ein paar extra Trade-Asse aus dem Ärmel schüttelt. Dank seiner Defense und Yao kann Houston den Mavs/Spurs in der Southwestern Paroli bieten.

Worst Case: Platz 10, Yao muss Karriere beenden
Wo geht der Weg der Rockets hin ? Die frustrierende 24-Minuten Vorgabe für Ming's Spielzeit kann keine langfristige Option sein, denn einen wie ihn als Rollenspieler zu integrieren, ist unmöglich. Infolgedessen könnten die Roten Identitätsprobleme bekommen, während Yao pausenlos ein- und ausgewechselt wird. Aaron Brooks bleibt beleidigt, weil Morey ihm trotz 'Most Improved' Saison noch keine Vertragsverlängerung angeboten hat. Kevin Martin ist in Wirklichkeit Elijah Price, der Mann mit Osteogenesis imperfecta, und wird mal wieder 20+ Spiele ausfallen. Und nicht zuletzt sind da die hohen Erwartungen der Fans, die sich und ihr Team bereits in der West-Elite wähnen. Mal sehen, wie die ehemaligen Underdogs mit der veränderte Mentalität umgehen.


8. Denver Nuggets


Best Case: Conference Finale

Scheint noch gar nicht lange her zu sein, da forderten just diese Nuggets den späteren Champion Los Angeles Lakers zu einem epischen Schwergewichtskampf im Western Conference Finale heraus. Das Spielermaterial ist nahezu identisch geblieben: MVP-Kandidat Carmelo Anthony (28.2 PPG), Chauncey Billups, der im letzten Jahr mit 19.5 PPG und 466 versenkten Freiwürfen neue Karrierebestwerte aufstellte, sowie die potentiell hochexplosiven Martin, Smith, Nene und Andersen. Sogar George Karl kehrt nach seinem beschwerlichen, aber siegreichen Kampf gegen den Krebs, auf den Coachingstuhl zurück und wird versuchen, seine Goldklumpen in einer sicherlich emotionalen Spielzeit zurück zu Ruhm und Ehren zu führen.

Worst Case: Platz 10, Melo-Trade
Dummerweise hat sich alles andere schlagartig gewandelt. Das Melo-Drama zieht sich in die reguläre Saison hinein und wird erst im Februar gelöst sein - wenn die Nuggets ihren abwanderungswilligen Franchisespieler widerwillig in den Osten traden. Spätestens dann fällt alles in der Mile High City auseinander. Martin und seine auslaufenden 14 Mio $ müssen ebenfalls gehen, vielleicht auch Quarterback Billups, für den in Denver dann keine Notwendigkeit mehr herrschen wird. Der Rebuild und damit einhergehend der tiefe Sturz in die Bedeutungslosigkeit sind unausweichlich. Schade eigentlich...