21 Oktober 2010


Einer der interessanteren Positionskämpfe der neuen Saison wird in Dallas auf den Guard-Plätzen statt finden, wo gleich fünf Spieler um Einsatzzeit buhlen: Jason Kidd, Jason Terry, Rodrigue Beaubois, JJ Barea und Rookie Dominique Jones. Deshawn Stevenson steht zwar auch noch im Kader, kann aber immer noch nicht sein Gesicht fühlen und kommt in dem Zustand natürlich nicht für PT in Frage.

Wenn die Preseason eines gezeigt hat, dann folgendes: Mavericks-Coach Rick Carlisle hat noch keinen blassen Schimmer, wie seine Backcourt-Startaufstellung in knapp einer Woche aussehen wird - dann nämlich, wenn es um die Wurst geht. Die Mavericks beendeten am Mittwoch ihre durchwachsene Preseason in Orlando mit 3-4 Siegen. In den 7 Partien gingen insgesamt 6 verschiedene Formationen an den Start (gespielte Minuten in Paranthesen)

vs. WAS: Kidd (18)/Butler (21). Bank: Barea (23), Terry (19), Jones (21), Beaubois DNP
vs. CHI: Kidd (19)/Jones (19). Bank: Terry (27), Barea (25), Beaubois DNP
@PHX: Kidd (19)/Barea (21). Bank: Jones (25), Terry/Beaubois DNP
vs. CLE: Kidd (20)/Jones (19). Bank: Terry (25), Barea (24)
@DET: Barea (24)/Stevenson (17). Bank: Terry (15), Jones (27), Kidd/Beaubois DNP
@CHI: Kidd (25)/Terry (22). Bank: Jones (30), Barea (26)
@ORL: Terry (23)/Jones (32). Bank: Barea (19), Kidd/Beaubois DNP

Obwohl selbst das Hubble-Teleskop hier kein ordentliches Muster erkennen könnte, fällt soviel wohl schon mal auf: Jason Kidd, der künftige Hall of Fame Point Guard, gilt trotz seiner mittlerweile 37 Lenzen als klarer Starter auf der 1. Man sollte aber vom Spieler mit den drittmeisten Triple Doubles in der NBA-Historie (105) keine 36 Minuten pro Abend mehr erwarten. Zweites auffälliges Merkmal: der designierte Starter auf der Shooting Guard Position, Rodrigue Beaubois, erhielt keine einzige Nanosekunde Einsatzzeit. Der Franzose hatte sich vor der Basketball-WM den Fuss gebrochen und musste vor wenigen Wochen wieder in einen Gehgips, weil die Heilung nicht optimal verloffen war. Sein Einsatz zu Saisonbeginn ist mehr als fraglich. Blöd für die Fohlen, die den 22-jährigen nach seiner starken Rookie-Saison (7 Pts in 12.5 Minuten) gerne von Beginn an gefeatured hätten. Daraus wird erstmal nichts, und selbst wenn Roddy in zwei Wochen wieder spielen kann, fehlt ihm die gesamte Vorbereitung und eine Menge Spielpraxis - an Startplatz ist vor dem neuen Jahr nicht zu denken.

Enter Terry & Jones. Dominique Jones, der Rookie, spielte eine exzellente Preseason für die Dallas Cubans, war mit 10.1 Punkten im Schnitt bester Punktesammler im Backcourt und drittbester des gesamten Teams (hinter Uns Dirk und dem Butler). Jones stellte seine Qualitäten als Finisher unter Beweis. Das hatte ihn schon auf dem College ausgezeichnet. Bei den South Florida Bulls brachte es das 1,93m Kraftpaket auf zuletzt 21.7 Punkte in seinem dritten College-Jahr, gut genug fürs All Big East 1st Team. Dallas hat sich in Jones einen immens talentierten Guard angeln können, der zeitweilen schon recht abgezockt auftritt und ganz klar bereit ist für den ruppigen NBA-Alltag. Seine Stats in den letzten drei Partien: 15, 19 und 14 Punkte bei 15-31 aus dem Feld in durchschnittlich 30 Minuten Einsatzzeit.

Das letzte Puzzlestück ist der Jet. Der alternde Jason Terry zählt immer noch zu den leistungsstärksten Mikrowellen ligaweit. Es ist noch gar nicht allzu lange her (2009), da gewann Terry den Sixth Man of the Year Award. Und obwohl er auch heuer mit der Auszeichnung rechnet, könnten ihm Carlisle's Rotationsplanungen da einen Strich durch die Rechnung machen. Fakt ist nämlich, dass kein anderer Maverick im Moment geeigneter erscheint für einen Platz in der ersten Fünf. JJ Barea ist und bleibt nicht mehr als ein Backup-PG hinter Kidd. Das sieht wohl auch der Coach so: Terry durfte in den letzten beiden Testspielen von Beginn an auflaufen, ein recht deutliches Indiz für seine Rolle am Eröffnungsabend. Ein zusätzlicher, dritter Scorer an der Seite von Nowitzki und Butler stünde der Startformation sicherlich gut zu Gesicht.

Was passieren wird, wenn Beaubois letztendlich wieder einsatzbereit und fit ist, kann jetzt noch keiner prophezeien. Terry hat betont, dass ihm nicht viel an der Starterrolle liegt, dass er ebenso gerne von der Bank kommt. Beaubois und Terry sind irgendwie auch der gleiche Spielertyp: primär scorende Shooting Guards mit dem Blick für den freien Mann, und als solche höchst effizient, wenn der zweite Anzug gegen die Bankdrücker der Liga ran darf. Ganz gleich, wer also im Endeffekt startet und wie die Minuten von Coach Carlisle verteilt werden: als Fernziel sollten immer die Playoffs im Auge behalten werden. Denn nur dort zählt's. Und dort wird dann (fast) alles vom Backcourt abhängen, will sich Dallas nicht wie in der letzten Saison von Tony Parker, Manu Ginobili und George Hill im Alleingang aus der Postseason bouncen lassen.