01 November 2010


Angesichts des Spielermaterials, das den Toronto Raptors nach dem Abgang ihres ehemaligen Franchise-Spielers Chris Bosh auf der Power Forward Position zur Verfügung steht, erkennt man eigentlich schon das Dilemma des kanadischen Clubs. Einen adäquaten Ersatz zu finden ist in etwa so, als würde einem kurz vor dem Rennen der Bugatti Veyron krepieren, und als Ersatz darf man dann zwischen einem Fiat Panda und einem Detroit Fish wählen.

Die respektiven Spieler sind in unserem Fall Amir Johnson und Reggie Evans - die Kandidaten für einen Platz in der Starting Five von Jay Triano. Johnson ist der jüngere, dynamischere Spieler. Der 2,06m Forward ist erst 23 Jahre alt, spielt aber schon seit 2005 in der NBA. Er ist der letzte Spieler überhaupt, der direkt von der High School zu den Profis wechselte (2. Runde, 56. Pick). Danach führte die Liga ein Mindestalter für NBA-Spieler ein, was Prep-to-Pros Karrieren de facto eliminierte. Johnson spielte erst 4 Jahre für die Detroit Pistons, ehe er vor der letzten Saison in den hohen Norden wechselte. Dort hatte Johnson auch seine bisher beste Spielzeit - relativ gesprochen. 6.2 Punkte und 4.8 Rebounds in nur 17.7 Minuten deuteten das Potential des langen Mannes schon einmal an.

Viele Beobachter (ich inklusive) hatten mit einer Beförderung Johnson's in die Startformation gerechnet nach dem Abgang des Spielers mit dem winzigen Kopf (Bosh). Reggie Evans hatte offensichtlich andere Pläne. Der Veteran (9. NBA-Saison) riss sich in den letzten Preseason-Partien den Startplatz unter den Nagel und besticht seither als Berserker am Brett. 30 Rebounds hat der 30-jährige bereits gepflückt in den ersten beiden Spielen der neuen Saison - das sind 15 im Schnitt. In bester Dennis Rodman Manier hat sich Evans ausschließlich dem Glasreinigen verschrieben - andere Stats tauchen deshalb fast gar nicht auf in seinem Boxscore. Obwohl er das Höllentempo nicht eine ganze Saison lang halten wird, überzeugte Evans schon früher als starker Rebounder (Karriere-PER36 von 12.6 Rebounds). Die abprallenden Bälle sind ganz klar seine Spezialität, und er jagt ihnen zur Zeit wie ein Gestörter hinterher.

Die Zahlenwerte bisher (im Durchschnitt):
Evans 2 mal Starter, 30 Min, 1 Pts, 15 Reb, 1 Stl, 0.5 Blk
Johnson 2 mal Bank, 16 Min, 5 Pts, 2 Reb, 1 Stl, 1 Blk

Die Raptors werden in den nächsten Wochen und Monaten einige wichtige Entscheidungen zu treffen haben. Evans Stärken im Rebounding werden durch seine wenig berauschende Offensive negiert. Auch das Verteidigen zählt nicht gerade zu seinen Spezialitäten. Da hat Johnson enorme Vorteile: er verfügt über ein, zwei Offensivmoves und kann als Shotblocker hinten ein wenig Angst verbreiten. Zudem schlummert da noch einiges an unerschlossenem Potential, und den Monsterdeal (5 Jahre, 34 Mio $) in diesem Sommer hat er sicherlich nicht offeriert bekommen, um auf der Bank zu schmoren. Je mehr Niederlagen die Dinos einsammeln, desto mehr Spielzeit wird Amir Johnson erhalten.