12 November 2010


Ich kann die Heat-Fans schon protestieren hören: "Aber es war doch knapp. Nur 5 Punkte." Stimmt, es waren nur 5 Punkte. Allerdings war die Partie über 48 Minuten so unendlich einseitig, dass man getrost schon zur Halbzeit ins Bett hätte schlüpfen können. Die Führung im Spiel wechselte 0 mal. Die grösste Führung der Heat: 0 Punkte. Um gleich mal beimThema zu bleiben: Dwyane Wade's Ausbeute aus dem Feld in Halbzeit eins: 0 Treffer. Scoringausbeute des Heat-Starting Centers: 0 Punkte. Assists-Ausbeute aller Miami Point Guards zusammen genommen: 0 Vorlagen. Fällt hier noch jemandem ausser mir ein Trend auf ?

Heat-Präsi Pat Riley machte sich auf den Zuschauerplätzen emsig Notizen, und er wird sicherlich keine Lobeshymnen auf seine Supertmannschaft gedichtet haben. Miami liess von der ersten Minute alles vermissen, was man mit einem Spitzenteam assoziiert: individuelle Klasse, Ball/Player Movement, Offensivsets, Feuer und Einsatz in der Defensive, Herz sowie den unbedingten Willen, den Sieg einzufahren. Einzig und allein Lebron James (35 Punkte) und Udonis Haslem (21/10 von der Bank) dürfen aus einem sonst grottenschlechten Heat-Haufen hervor gehoben werden. Die Offensive stagnierte über weite Strecken, während Lebron vor allem nach der Pause in den Cleveland-Modus schaltete: Kopf runter und irgendwie Richtung Korb pflügen. Von Spielkultur keine Spur.

Ganz anders Boston: die C's zeigten nach dem Auftaktsieg in Spiel 1 einmal mehr, wer King of the Court in der Eastern Conference ist. Die Argumente, die Heat-Befürworter nach der Pleite zum Saisonauftakt noch bemüht hatten (Wade's erste Partie, noch keine Teamchemie, schwerer Gegner zum Auftakt), ziehen nach der erneuten Demontage durch den amtierenden Ost-Champ nicht mehr. Boston war dem Gastgeber in allen Belangen überlegen. Rajon Rondo sezierte einmal mehr die Heat-Defensive mit zum Teil beänstigender Ruhe und Gelassenheit und insgesamt 16 Assists. Die meisten davon fanden Ray Allen irgendwo frei stehend in den Ecken, der sich nicht zwei mal bitten liess. Shuttlesworth's Händchen brannte die ganze Nacht lichterloh. Allen versenkte 7 von 9 Dreiern und beendete die Partie mit 35 Punkten. Paul Pierce kam auf 25 Zähler, während Hobby-Trash-Talker Kevin Garnett mit 16 Punkten und 13 Rebounds die Zone dominierte.

Auch ohne die verletzten/gesperrten Jermaine O'Neal, Kendrick Perkins und Delonte West führte der Gast von der ersten Minute an durchgehend. Die ohnehin schon beängstigende Celtics-Defense, die schneller und besser rotiert als jede andere Einheit ligaweit, griff durch Miami's unausgeglichenen Kader und de facto zwei Totalausfällen vorne (PG und C) noch besser. Rondo flitzte nach fast jedem Heat-Fehlwurf per Fastbreak davon und fand ein ums andere mal seine Trailer - meist KG oder Allen. So kam Grün zu 61 Punkten in der ersten Halbzeit - bei 60% Trefferquote aus dem Feld, ähnlich wie schon beim ersten Sieg vor zwei Wochen. Das Spiel war da ebenfalls schon zur Halbzeit entschieden.

Ebenfalls eindeutig waren Miami's erneute Probleme - wie bereits gestern erwähnt - gegen einen Elite Point Guard (16 Assists) und massives Inside Scoring (42 Punkte in der Zone). Wäre nicht die riesige Diskrepanz bei den Freiwürfen gewesen (41-25), Miami wäre komplett untergegangen. Nicht dass es irgend einen Unterschied gemacht hätte. Die Heat sind momentan alles andere als ein Top-Team, nicht nur wegen der bescheidenen Bilanz (5-4). Da können sie die Minnesotas und New Jerseys der Liga mit 50 abschiessen, so viel sie wollen. Gegen .500+ Teams stehen die Ledwyane Boshs mit 1 zu 4 da. Vor allem die Spielkultur wirft viele Fragen auf. Ich habe bisher alle Partien gesehen, und warte nach wie vor auf eine Co-Produktion von Wade und James im letzten Viertel. Teamarbeit sieht anders aus. Und schöner Basketball ebenfalls. Ich geh' jetzt pennen. Weckt mich wieder im Januar, wenn Riles den jetzigen Coach Erik Spoelstra an der Seitenlinie ersetzt und Miami begriffen hat, wie Team-Ball funktioniert. Spitzenspiel, das ich nicht lache...