05 November 2010


Sicherlich hat's schon jeder mitbekommen: Charlie Villanueva und Kevin Garnett haben Beef. Und zwar gewaltig. Das persönliche Techtelmechtel ereignete sich in der Dienstagspartie zwischen Detroit und Boston - und zieht mittlerweile ganz weite Kreise. Was war passiert ?

Während des Spiels konnte man KG Profanitäten in Richtung Villanueva rufen hören - an sich altbekannt und eigentlich nicht der Rede wert. Das sah der Pistons-Forward offensichtlich anders. Er zwitscherte direkt nach dem Spiel und behauptete, Garnett habe ihn als "Krebs-Patient" (cancer patient) beleidigt.


Garnett liess später über eine offizielle Celtics-Presseerklärung verlauten, er habe tatsächlich eine Krebs-Analogie benutzt, nur sei die falsch wieder gegeben worden. Er habe Villanueva lediglich als "Krebsgeschwür" (cancer) bezeichnet, für sein Team und für die NBA als Ganzes. Für ein individuelles Interview zum Thema war KG nicht zu haben.

Wenn man einem Spieler nun glauben müsste, was tatsächlich gesagt worden ist - ich würde wohl Villa's Version den Vorzug geben. Der Forward leidet an Alopecia universalis, einer Autoimmunkrankheit, bei der das Haarwachstum von den körpereigenen Abwehrzellen verhindert wird. Garnett's Bemerkungen haben Villanueva, der schon als Kind keine Haare auf dem Kopf hatte, verständlicherweise getroffen - was seinen Ärger auch legitimiert.

Aber: die Art und Weise, wie Charlie V. seinem Unmut nach der Partie freien Lauf liess - über Twitter - muss kritisiert werden dürfen. Trash Talk gehört zum Spiel dazu wie Dreier, Dunks und Dribble Drives. Was innerhalb der vier Aus-Linien auf der Platte passiert, sollte auch dort bleiben. Das ist nicht nur ein ungeschriebener Ehrenkodex unter Ballern, sondern war gleichzeitig schon immer der modus operandi in der NBA. Garnett ist einer der letzten Dinosaurier, aufgewachsen und gross geworden in einer Zeit, als Trash Talk der ganz üblen Sorte noch wichtiger für den sportlichen Erfolg war als zwei Arm-Sleeves und Mundschutz in den aktuellen Teamfarben. Wer in den 80ern/90ern nicht nonstop die Quasselstrippe gab, galt als Softie. Und die Sachen, die vom Stapel gelassen wurden - über den Gegner selbst, seine sexuellen Vorlieben oder die inzestiösen Familienverhältnisse - waren weitaus schlimmer, als das am Dienstag Gesagte. Das konnte Celtics-Coach Doc Rivers auch so bestätigen: "I used to play, and I can't imagine us running and talking about what was said."

Um's deutlich zu machen: Garnett's Aktion war hirnrissig, auch weil erst diese Woche die Blazers-Legende Maurice Lucas an Krebs verstorben und Nuggets-Coach George Karl nach langem Kampf gegen den Krebs auf die Trainerbank zurück gekehrt war. Die Tatsache, dass die Prügelknaben-Pistons gegen Boston mit 23 unter die Räder kamen, macht KG's Mundstuhl noch überflüssiger. Aber so ist Garnett schon immer gewesen: ein dauerquasselnder Bully, der alles auf dem Platz lässt und jeden erdenklichen Vorteil sucht. Old School eben.

Villanueva hatte direkt dort, auf dem Platz, direkt nach dem Talk, die Möglichkeit, gegen diese Ungerechtigkeit vorzugehen. Er hätte Garnett persönlich konfrontieren sollen - notfalls mit einer Rechten Richtung Visage - und die Angelegenheit so aus der Welt schaffen können. Den medialen Umweg zu nehmen wirkt immer hilflos und feige - und dürfte Charlie V. innerhalb der Spielergemeinschaft isolieren.

Bleibt nur noch zu hoffen, dass diese Episode kein Nachspiel hat (Stichwort: Sperren, Geldstrafen) - die Liga mischt sich schon in zu viele Angelegenheiten ein - und wir in Zukunft auch keinen so Schwachsinn mehr lesen müssen...