23 November 2010


Das hatten sich die Miami Heat und LBJ sicher anders ausgemalt im Sommer, als sie der Welt mit viel Tohubawohu die spektakulärsten Free Agent Signees aller Zeiten vorstellten. "Rekord-Siegesmarke 72+", "ewige Dominanz", "der Titel schon in dieser Saison" und "6 oder 7 oder 8 Meisterschaften" waren nur einige der hochplakativen Slogans, mit denen sich die Heat und ihre seit Juni exponentiell gewachsene Anhängerschaft selbst in den Basketball-Olymp erhoben, bevor auch nur eine einzige Minute gespielt war.

Nach wenigen Wochen ist nun Ernüchterung eingekehrt in South Beach, Florida. Inmitten spannender Geschichten wie dem Aufschwung der Hornets, dem Lauf der Spurs oder dem Rookie-Zweikampf zwischen John Wall und Blake Griffin zählt die Saison der Heat zu den wacksten Storylines überhaupt und hat sich einen Platz in der ersten '10/11er Ausgabe der beliebten nbachef Kolumne (kommt noch diesen Monat) hier redlich verdient. Die Gründe für die sehr magere 8-6 Bilanz sind vielfältig. Schlecht ausbalancierter Kader. Zwei Alpha-Spieler im Team, die ohne Ball in der Hand verloren wirken wie ein Kleinkind im Shopping Center. Kein Offensivsystem. Ein Trainer, der nicht zurecht kommt. Verletzungspech (Udonis Haslem fällt nach Riss des Lisfranc'schen Bandes im linken Fuss voraussichtlich für den Rest der Saison aus). Und der fehlende Spass-Faktor.

Say whaaa' ? Richtig gehört. Der Spass-Faktor. Lebron James diktierte nach der peinlichen 93-77 Pleite daheim gegen die Indiana Pacers folgende Aussagen in die Reporter-Mikros: "Wir müssen wieder mehr Spass haben. Uns fehlen vor allem zwei Dinge im Moment: Spass und Selbstvertrauen. Spass kann manchmal aus dem Zusammenhang gerissen werden. Ihr sagt, ein Team hätte zuviel Spass, wenn es gewinnt. Ich persönlich sehe das anders. So spiele ich Basketball - ich versuche, viel Spass damit zu haben. Spass hat mir geholfen, diesen Punkt in meiner Karriere erreicht zu haben (...) Wir haben hier keinen Spass, überhaupt nicht."

James ist nur wenige Tage nach Chris Bosh's "We like to chill, Coach (Spoelstra) wants to work" Interview also schon der zweite Heat-Neuzugang, dem die ganze Situation da unten zu ernst geworden ist. Und wer will's ihnen verdenken ? Für Niederlagenserien gegen Memphis und Indiana hatte man sicherlich nicht in South Beach angeheuert. Keine Pregame Photo-Routinen. Keine Tänze. Kein Chillen. Kein Spass. Alles so seriös und überhaupt nicht lustig irgendwie. Wird höchste Zeit für Lebron, Bosh und co., schleunigst ein paar Siege zusammenzukratzen. Die 'Pat Riley Rufe' werden nämlich langsam aber sicher ohrenbetäubend laut in Miami. Und wenn der dann auf der Trainerbank sitzt, sollte man an Spass nicht mal mehr im Stillen denken...