18 November 2010


Die traurigste Meldung der Woche gab's soeben aus Portland: Greg Oden muss sich einer erneuten Knie-OP unterziehen und wird für den Rest der Saison 2010/11 ausfallen. Der Center hatte sich am 5. Dezember 2009 einen Bruch der linken Kniescheibe zugezogen und setzt seither aus. Der neueste Comeback-Versuch wurde nun, wenige Wochen vor seiner Rückkehr aufs Parkett, auf unbestimmte Zeit verschoben. In/auf Oden's Oberschenkelknochen wurde heute ein massiver Knorpelschaden diagnostiziert, der durch einen operativen Eingriff mittels Mikrofraktur-Technik repariert werden muss.

Die neueste Verletzung hat angeblich nichts mit der von letztem Jahr zu tun - angeblich. Ich bin da skeptisch, halte das eher für eine PR-Masche des Vereins, der vielleicht hinter verschlossenen Türen auf eine rasche Genesung Oden's gepocht hatte, um ihn vor dem Auslaufen seines aktuellen Vertrages noch einmal auf dem Platz evaluieren zu können. Übertraining, zu schnelles Comeback, und so weiter. Vielleicht kommt da im Nachhinein mehr ans Licht. Was jedoch offensichtlich ist: die Teamärzte/Physiotherapeuten in Portland machen schon seit Jahren einen lausigen Job und sind nicht in der Lage, die Gesundheit der Spieler zu konservieren, wie es zum Beispiel in Phoenix gelingt. Aber darüber soll hier nicht geblubbert werden.

Eher über Oden's Leidensgeschichte, und die hat mittlerweile einen ganz kritischen Punkt erreicht. Seit dem der 2,13m Pivot an erster Stelle im Draft 2007 von Portland selektiert wurde, hat er gerade mal 82 Saisonspiele absolviert. Wenn die neue Spielzeit im Sommer dann abläuft, wird sich Oden's Profisteckbrief so lesen: 4 Jahre (2007-2011), 82 Games played, 246 verpasst. Davon zwei Saisons komplett.

Zur Röntgenstudie nochmal kurz angeleuchtet: gebrochenes College-Handgelenk ? Check. Mikrofraktur rechts ? Check. Mikrofraktur links ? Check. Bruch der Kniescheibe ? Check. Oden hat in weniger als einem halben Jahrzehnt mehr schwere Verletzungen akkumuliert als komplette Franchises. So viel Pech kann ein einzelner Sportler eigentlich gar nicht haben, denn was noch viel schlimmer ist: keine der Verletzungen ist miteinander verwandt oder baut gar aufeinander auf. Das sind keine strukturellen Knochenprobleme wie bei Yao Ming's Fuss. Das ist einfach nur unendliches Pech.

Zwar werden die Draft-Bust Rufe in den nächsten Tagen und Wochen wieder laut erschallen, und es kann gut sein, dass die Trail Blazers ihren als Retter, als fehlendes Stück zum Championship-Puzzle propagierten Nummer 1 Pick im Sommer in die Free Agency ziehen lassen - enttäuscht, gedemütigt und mit der Geduld am Ende. Vielleicht wäre es sogar das Richtige für Oden, der - obwohl er jetzt schon wie 75 aussieht - im Sommer erst 23 Jahre alt sein wird: ein Neustart, irgendwo bei einem anderen Team wie zum Beispiel Oklahoma City, weit weg von den schwarzen Katzen, Spiegelscherben und endlosen Pechsträhnen in Portland, Oregon.