22 November 2010


Da lacht er, der Jarrett Jack - und das zurecht. Wer von einem der schlechtesten Teams der Liga zu einem der momentan erfolgreichsten getradet wird, dem darf schon mal ein schadenfrohes Schmunzeln über die Visage huschen. Jack wechselt im Paket mit David Andersen und Marcus Banks zu den New Orleans Hornets. Die Mücken schicken im Gegenzug Jerryd Bayless und Peja Stojakovic in den hohen Norden nach Toronto.

New Orleans, eines der Überraschungsteams der Saison, versucht mit allen Mitteln, den ehemals abwanderungswilligen Chris Paul von den eigenen Erfolgschancen in Louisiana zu überzeugen und
langfristig zu binden - was bisher ganz gut zu funktionieren scheint, denn (Teil-)Erfolge machen bekanntlich glücklich. Auf denen wollte man sich aber trotz einer bisher sensationell guten 11-1 Bilanz nicht ausruhen. Enter Jarrett Jack, der zweifellos beste Spieler in diesem Deal. Der 27-jährige ersetzt den noch sehr grünen Jerryd Bayless auf der Backup-PG Position. Und obwohl Jack hinter CP3 nicht annähernd die Spielzeit bekommen wird wie in Toronto, kann der Glatzkopf ebenso gut auf die Zwei ausweichen. Dank seiner gesunden Mischung aus Spielmacherqualitäten (Karriereschnitt Assists 4.2) und eigenem Scoring-Punch (Karriere-Punkte 10.6) wird das Angriffsspiel der Hornissen einen definitiven Aufschwung erfahren - auch weil die gegnerische Defensive sich nicht mehr auf Paul als Ballführer konzentrieren kann. Defensiv ist Jack ohnehin um Längen besser als Bayless - einem der wohl schlechtesten Hornets-Verteidiger in dieser Spielzeit - und somit ganz nach dem Geschmack von Defense-Fetischist Monty Williams.

Der Australier Andersen gilt zwar zurecht als Softie, passt aber im Big Easy ganz gut ins Konzept dank seiner Fähigkeit, den Mitteldistanz-Wurf konstant zu setzen. Im Notfall sogar von ganz weit draussen. In Kombination mit Chris Paul hat Andersen die Möglichkeit, ein effizientes Pick'n'Roll Tandem zu stellen - ähnlich wie Ersatzmann Jason Smith, der sein bestes Profijahr abliefert. Das dehnt das Spielfeld und macht Platz, damit Paul, West und Okafor in der Zone manövrieren können. Ausserdem bringt Andersen mit seinen 2,11m etwas Grösse in die Ersatz-Lineup der Hornissen, die zu den kleinsten ligaweit zählt. Banks wurde nur aufgrund seines auslaufenden Vertrages involviert - dazu später mehr - und wird kaum Spielzeit erschummeln können.

Toronto's Situation stellt sich wie folgt dar: Manager Bryan Colangelo gehörte schon immer eher zu der Sorte GM, die sich eigene Fehler eingestehen und meist unmittelbar handeln. Da fliegt dann schon mal ein Spieler nach nur einer Saison wieder aus dem Kader, wenn er nicht ins Konzept passt (siehe Turkoglu). Das gleiche galt wohl auch für Jack, der erst vor einem Jahr aus Indiana kam, ganz offensichtlich aber nicht mit Raptors-PG Jose Calderon kompatibel war. Zum langfristigen Plan bei der kanadischen Franchise zählte Jack sicherlich ohnehin nicht - ebenso wie Andersen und Banks - weshalb sein Verlust auf lange Sicht nicht allzu schwer wiegen wird. Statt dessen kommt mit
Jerryd Bayless ein vielversprechender junger Guard, der mit einem Wort (mitsamt dessen positiven und negativen Konnotationen) beschrieben werden kann: talentiert. Trotz seiner Schwächen (Defense, Wurfauswahl) darf nicht vergessen werden, dass JB erst 22 Jahre alt ist - und deshalb mit sofortiger Wirkung zu Toronto's jungem Nukleus hinzu gezählt werden darf. Bayless wird zunächst Backup-Minuten auf der Eins erhalten, wo man ihn genauestens beobachten und für grössere Aufgaben evaluieren wird.

Mit
Peja Stojakovic verlässt einer der besten Distanzschützen der NBA-Geschichte nach 4 Jahren den Big Easy. Der Small Forward benötigt noch 6 Treffer von tief, um Dale Ellis zu überholen und auf Platz 3 der ewigen Bestenliste zu klettern. Nach vielen Verletzungen in den letzten drei Jahren ist aber klar, dass Peja sich auf der Zielgeraden seiner Karriere befindet und spielerisch nicht mehr viel zu bieten hat. Natürlich wird er auch in T-Dot auf der Lauer liegen und seine Corner-Threes versenken (was angesichts der zweitschlechtesten Trefferquote aller NBA-Teams sogar hilfreich sein könnte). Den wahren Wert als Trade-Baustein hat Stojakovic aber durch seinen bald auslaufenden 15 Mio $ Monster-Vertrag. Die Raptors planen ganz klar für die Zukunft und sind dank beendeter Deals im Sommer (25 Mio $) und einer 12 Mio $ Trade Exception aus dem Chris Bosh Deal exzellent aufgestellt.

Wer diese Tatsache als klares Indiz dafür werten möchte, dass Colangelo hier langfristiger gedacht hat als sein Pendant auf Hornets-Seite, Dell Demps, wer vielleicht sogar der Meinung ist, dass die Hornets für Peja's Deal weitaus hochwertigeres Spielermaterial hätten beziehen können/sollen, für den gibt's zum Schluss noch ein kleines Schmankerl, 'Nawlins Style: der Deal ist de facto Jack für Bayless, denn Banks' und Andersen's Deals laufen ebenfalls im Sommer aus. Demps erhält sich also jegliche finanzielle Flexibilität für Trades bis zur Februar-Deadline (um vielleicht einen Andre Iguodala für Expirings + Picks zu bekommen). Gleichzeitig manövrieren die Hornets nach dem Trade weit unter die Luxussteuer, sparen mehr als 5 Mio $ ein. Und verbessern sich zudem auch noch in sportlicher Hinsicht, denn Jack ist besser, als es Bayless in den nächsten zwei Jahren jemals sein dürfte. Für ein Team, dass genau jetzt siegen muss, um Paul so glücklich zu halten, wie es Jack auf dem obigen Bild ist, also ein absoluter Volltreffer von einem Deal.



nbachef meint: Vorteil New Orleans