08 November 2010



Grösste Überraschung nach knapp 2 Wochen neuer NBA-Saison ? Ganz klar die New Orleans Hornets. Das Team aus Louisiana steht immer noch ungeschlagen (6-0) an der Spitze der extrem wettbewerbsfähigen Southwest Division und liess vor allem durch den 96-93 Erfolg am Freitag über die Miami Heat aufhorchen. Ein paar lose Gedanken zum bisherigen Flugangriff der Stechinsekten in absolut beliebiger Reihenfolge.

- der 6-0 Start war kein Zuckerschlecken, denn das Auftaktprogramm für NO war brutal: Denver, San Antonio, Houston, Miami und zwei mal Milwaukee. Noch nie zuvor hat ein Hornets-Team mehr Siege zum Auftakt einer Saison eingefahren.

- Weniger die Bilanz an sich als vielmehr das kollektive Auftreten der Hornissen beeindruckt bisher. Diejenigen unter Euch, die das ein oder andere Spiel live verfolgt haben, konnten eine im Vergleich zu letzter Saison stark verbesserte Mannschaft erleben.

- Gründe: zum einen die Umtrukturierung des Personals. Letztes Jahr erhielten Spieler wie der 80-jährige Peja Stojakovic (SF), Morris Peterson (SG), James Posey und Darius Songaila, die sich allesamt mit angezogener Handbremse im Leerlauf fortbewegen, noch einen Grossteil der verfügbaren Minuten. Alle Spieler zeichnet vor allem eines aus: nicht oder überhaupt nicht vorhandene athletische Fähigkeiten. In dieser Saison wurden dieselben Spieler von Trevor Ariza (SF), Marco Belinelli (SG), Willie Green und Jason Smith in der Rotation ersetzt. Stojakovic erhält zum Glück nicht mehr als 11 Minuten pro Partie - das sollte sich in seinem jetzigen Leben auch nicht mehr ändern.

- das direkte Resultat lässt sich in der defensiven Beharrlichkeit der '10/11er Hornets erleben: dank jüngerer, schnellerer Beine rangiert das Team von Rookie-Coach Monty Williams unter den Top3 Defensiv-Verbünden der Liga, gestattet nur 91.5 Gegenpunkte pro Partie. Viele Steals/Deflections und ein schnelles Umschalten auf Angriff machen auf dem Platz einen Riesenunterschied aus. Paul, Emeka Okafor und Trevor Ariza stechen individuell hervor, aber die gesamte Mannschaft verteidigt hart, pausenlos, weiss immer, wo sie stehen muss und treibt die Gegner damit zur Weissglut

- Stichwort Williams: der neue Coach scheint instantan die richtige Verbindung zum Team gefunden zu haben. Williams, mit 39 der jüngste Head Coach in der NBA, hat die gesamte Mannschaft in die Verantwortung genommen. Er verlangt kompromisslosen Einsatz und harte Defense, ein Prädikat seiner eigenen Spielerkarriere in den 90ern bei traditionell defensivstarken Clubs wie New York oder San Antonio.

- ein weiteres Merkmal von Williams: seine unorthodoxe 10er Rotation. Die Starter spielen weitaus weniger als früher (Paul 35, Ariza 33, West 31, Okafor/Belinelli 28 Min. pro Partie), bleiben so frisch und vor allem in der Crunch Time scharfsinnig (4 von 6 Partien bisher mit 6 oder weniger Punkten gewonnen). Die Ersatzbank besteht hauptsächlich aus Jason Smith (bisher als Energizer ein fantastischer Backup), Green und Marcus Thornton, Stojakovic und Neuzugang Jerryd Bayless stauben beide knapp 10 Minuten ab.

- Chris Paul ist der bisherige Liga-MVP. Nach seiner arg verletzungsgebeutelten letzten Spielzeit (37 verpasste Partien) hat sich CP3 als wohl bester Einser wieder etabliert und zeigt mit knapp 19 Punkten, 10+ Assists, 6 Rebounds, 2+ Steals und einer irrsinnigen 5.5 Assist-to-Turnover Ratio Abend für Abend seine spielerische Extraklasse

- der High Pick&Roll mit Paul und einem Forward seiner Wahl ist eines der unvorhersehbarsten und verheerendsten Offensivsets überhaupt. Wieso eigentlich ? Der Big Man (meist David West oder Okafor) stellt einen harten Pick im Backcourt. So gelangt New Orleans immer ganz leicht in seine Angriffssequenz. Viele Teams haben einen ähnlichen Spielzug im Repertoire, aber bei keinem funktioniert er so reibungslos wie bei den Hornets. Der Grund ist Chris Paul: mit seiner Kraft, Geschwindigkeit und Spielübersicht zerschmettert er nahezu jedes mal die obligatorische Trap-Defense und kreiiert damit pausenlos Überzahlsituationen. Während die gegnerische Abwehr nun rotieren muss und quasi immer einen Schritt hinteher hinkt, hält CP3 alle Fäden in der Hand: entweder ein kurzer Pass zu West, der den Mitteldistanz-Jumper setzt. Oder ein Lob in Richtung Korb zu Okafor, der direkt am Ring abschliesst (8 von 9 in der Zone beim Sieg gegen Miami). Oder ein Pass nach draussen, wo die Hornets-Scharfschützen in den Ecken/Nähten auf freie Würfe warten. Und wenn alle Stricke reissen, schliesst Paul eben selbst ab - und das meist hochprozentig (51% FG). Die Schnelligkeit und Gewissheit, mit der CP3 immer die richtige Entscheidung trifft, hebt ihn von den anderen NBA-Guards ab. Hier ein kurzer Breakdown von Coach Nick (zusammen mit weiteren plausiblen Analysen aus dem Top-Spiel gegen Miami)




- die nächsten Gegner für NO: Los Angeles Clippers (Dienstag), Portland Trail Blazers (Samstag), und dann zwei mal Dallas im Back-to-Back Anfang nächster Woche

- wie stehen die Chancen, dass die Killer-Bienen ihre glühend heisse Form konservieren können in den nächsten Wochen ? Der Spielplan wird nicht wirklich einfacher, und die Ansetzung der nächsten Partien könnte ihnen etwas Wind aus den Flügeln nehmen (nur 2 Spiele diese Woche). Da 7 der nächsten 10 Matchups gegen starke Western Conference Kontrahenten ausgetragen werden müssen (Dallas, Portland, San Antonio, Utah, Oklahoma City), ist's bis zu den ersten paar Niederlagen nicht mehr weit hin. Schaffen es die Hornets, Anfang Dezember immer noch knapp hinter den LA Lakers in der West-Tabelle zu stehen, dürften auch die letzten Skeptiker einsehen, dass die diesjährige Hornets-Edition in die Playoffs fliegen wird. Und ich werde die Saisonvorschau dringend überdenken müssen. Bis auf Weiteres bleibt die aber noch so bestehen...