23 Dezember 2010


Larry Brown schmeisst bei den Charlotte Bobcats hin. Der 70-jährige und das Profiteam aus North Carolina gehen in Zukunft getrennte Wege, nachdem Brown und Teambesitzer Michael Jordan nach langem Gespräch und in gegenseitigem Einvernehmen zu dem Entschluss kamen, dass es Zeit für eine neue Stimme an der Seitenlinie ist.

Nachdem Brown die Bobcats letztes Jahr zur ersten Playoff-Teilnahme in der Geschichte der Franchise geführt hatte, spekulierten viele mit weiteren Roster-Upgrades und einer erneuten Verbesserung in dieser Saison. Das haute so nicht ganz hin. Charlotte's Kader ist nun das komplette Gegenteil von Eddy Curry - extrem dünn also. Spieler wie Kwame Brown oder Matt Carroll (die Starter am Dienstag gegen Oklahoma City) haben in keinem NBA-Roster etwas zu suchen, geschweige denn in der Anfangsformation. Vor allem der Abgang des letztjährigen Regisseurs im Bobcats-Spiel und Katalyst des Playoff-Pushes, Raymond Felton, tut immer noch schmerzlich weh. (Zitat Brown: "When i found out he signed elsewhere, i died.") Das Offensivspiel der Rotluchse präsentiert sich in diesem Jahr absolut anemisch. Die Ballbewegung stagniert vollkommen, Spieler versuchen sich als Alleinunterhalter, und insgesamt wirkt die Mannschaft unmotiviert und lustlos. Brown hatte in den vergangenen Wochen alle möglichen Lineup-Wechsel ausprobiert, um das Team irgendwie wachzurütteln. Auch laute Kritik an seinen Spielern, aber auch an sich selbst, verfehlten die erwünschte Wirkung. Nun sah man in Charlotte dringende Notwendigkeit, zu handeln.

Bleibt die Frage, ob die Kätzchen ohne den Hall of Fame Coach tatsächlich besser dran sind. Paul Silas wird zunächst die Rolle des Cheftrainers auf Interimsbasis übernehmen, während Michael Jordan auf dem freien Markt nach einem adäquaten Ersatz sucht, um das festgefahrene Bobcats-Schiff wieder in ruhigere Gewässer zu manövrieren. Im Gespräch sind nun Leute wie Mike Woodson (ex-Hawks) oder Jeff van Gundy (ESPN Analyst). Auch co-Trainer wie Patrick Ewing (Orlando) und Dan Majerle (Phoenix) stehen wohl auf MJ's Kandidatenliste.

Den maroden Kader werden die aber auch nicht über Nacht in die Playoffs hieven. Charlotte hat sicher noch Chancen, denn trotz ganz schwacher 9-19 Bilanz ist man im Osten nur 2.5 Siege von einer Postseason-Platzierung entfernt. Um aber wirklich einen Lauf starten zu können in den nächsten Monaten, müssen ganz dringend ein paar Deals und Umstrukturierungen her. Vielleicht die auslaufenden Verträge von Boris Diaw (9 Mio $) und Nazr Mohammed (6.9 Mio $) abstossen. Einen Veteranen Point Guard verpflichten, um den komplett überforderten DJ Augustin zu entlasten. Vielversprechenden Youngstern wie Tyrus Thomas reguläre Spielzeit (30+ Minuten pro Spiel) einräumen. Und einen Shooter/Scorer einkaufen, der bei Gelegenheit auch mal einen von draussen einstreuen kann (CHA rangiert momentan auf Platz 29 im Scoring mit nur 91 PPG, Platz 27 bei den Dreiern).

Michael Jordan hat mehr als genug Arbeit vor sich. Und ohne seinen alten North Carolina Kumpel Larry B. wird's sicher nicht einfacher.