28 Dezember 2010


Die Miami Heat verliessen Kalifornien am Sonntag nach einem mehrtägigen Westküsten-Trip und dem abschliessenden 96-80 Arschtritt gegen die Lakers mit dem besten aller Geschenke im Gepäck: Respekt. Den Sieg gegen den zweimaligen Champion wollte man unbedingt haben in Miami. Man wollte zeigen, dass man mehr kann, als minderwertige Gegner der Reihe nach aus der Halle zu ballern, nur um gegen Titelaspiranten wie Boston, Dallas oder Orlando zu verlieren. Man wollte sich endgültig und für alle Zeiten (sprich: den Rest dieser Saison) in die Contender-Diskussion hieven. Mission erfolgreich abgeschlossen.

Angeführt von
Lebron James (Triple Double mit 27/11/10) und Chris Bosh, der vor allem in der Zone nach Belieben schalten und walten konnte (24/13 bei 11-17 FG), liessen die Floridianer ihrem überforderten Gegner nicht den Hauch einer Chance. Nicht dass LA an diesem Tag überhaupt etwas hätte damit anfangen können. Das Spiel der Lakers war hässlicher als Kobe's Weihnachtstreter. Der Back to Back Champ blamierte sich von Beginn an durch einen völlig uninspirierten Auftritt, der jegliches Engagement, jegliche Leidenschaft vermissen liess. Kobe Bryant und Pau Gasol begannen zusammen 0 von 11 aus dem Feld. Das Publikum, welches die wohl höchsten Regular Season Ticketpreise aller Zeiten bezahlt hatte (1000 Dollar für die mittleren Reihen und bis zu 15000 (!) auf dem Schwarzmarkt) schlief schon Mitte des 1. Viertels ein und verliess Minuten vor Ende der Partie seine Plätze.

Phil Jackson sprach nach dem Spiel von "Hämorrhoiden", die er beim langen Sitzen und Zuschauen bekam. Es war ein peinlicher Auftritt seiner Schützlinge, der Lakers-Ikone Magic Johnson die Schamesröte ins Gesicht trieb und die grundliegenden Probleme der Mannschaft (ausführlicher Blogpost folgt) offenbarte: Arroganz, mangelnder Fokus, schlechter Teambasketball. Nach zwei empfindlichen Heimklatschen innerhalb weniger Tage (zuerst gegen Milwaukee, dann gegen die Heat im internationalen TV) und einer durch einen soften Spielplan künstlich aufgeblähten 21-9 Bilanz (inkl. 2-4 gegen siegreiche +.500 Teams) dringt so langsam die Erkenntnis durch, dass sich einige Dinge unbedingt ändern müssen in LA-LA Land - sodenn man wirklich noch ernshaft mit dem Three-Peat liebäugelt. Nicht von ungefähr zählt der 'Back to Back to Back' zu den unwahrscheinlichsten Errungenschaften im Teamsport. Die Lakers, die jetzt 5 Niederlagen mehr auf dem Konto haben als San Antonio und 4 mehr als Dallas, müssen das gerade auf die harte Tour herausfinden. Es bleibt freilich noch genug Zeit, das Schiff wieder auf Championship-Kurs zu lotsen. Die kommende Woche (Spurs, Hornets, Sixers) und ein harter Spätjanuar (Duelle gegen Dallas, Utah, Boston, Denver und Oklahoma City) werden den wahren Charakter des 16-fachen Champions aufzeigen.

In Miami hingegen freut mach sich wie ein Schneekönig nach dem 14. Sieg im 15. Spiel. Die Offensive hat sich nach dem holprigen Start (9-8) und dem berechtigen
Wackness-Label im November gemausert. Der Pick'n'Roll funktioniert mittlerweile hocheffizient, die Ballbewegung ist immer wieder beeindruckend flüssig, und generell hat der Angriff nur noch wenig mit der stagnierenden Krankheit von vor einigen Wochen zu tun. Im Open Court operiert Miami (dank LBJ und Dwyane Wade) weiterhin verheerender als ein entgleister Frachtzug. Bosh hat seine depressive '5. Rad am Wagen Phase' überwunden und - obwohl er an den meisten Abenden immer noch allergisch auf die bunte Zonenfarbe reagiert - sich zur gewünschten Scoring- und Reboundoption gemausert (19 PPG und 9 Reb im Dezember).

Die Visitenkarte der Heat aber bleibt die alles erstickende Defensive. Throwback Heat D. Dreckig. Dominant. Deprimierend für die Gegner. Nur 90.8 Punkte lässt Miami pro Partie zu - Platz 1 ligaweit. Gegen Los Angeles verhinderte die Mannschaft von
Erick Spoelstra 11 Angriffe in Folge einen Korberfolg. Die Länge unter dem eigenen Korb setzte die Lakers immer wieder unter Druck, so dass die Perimeter-Spieler, allen voran Wade und James, pausenlos umherstreifen und Unheil in den Passwegen anrichten konnten. Angesichts der besten Verteidigung der Liga und der weiterhin höchsten Siegesdifferenz von +9.7 Punkten (laut John Hollinger der grösste Indikator für zukünftigen Erfolg - eine Einschätzung die ich, wie viele andere Experten auch, übrigens nicht teile) wäre alles andere als ein Vordringen Miami's bis mindestens ins Conference Finale unerhörter als Griechenland's Fussball-Europameistertitel 2004. Zwar bin ich immer noch nicht davon überzeugt, dass der Heat-Spielstil (incl. Verlass auf Distanzwürfe und Softeis-Härte in der Zone) in einer Playoff-Serie über 7 Spiele gegen Boston, San Antonio, Dallas oder Los Angeles bestehen kann. Vor allem aber in den nächsten Wochen (und angesichts nur dreier echter Gegner im Monat Januar: Denver, OKC und Chicago) wird die Siegesserie der Heat weiter anwachsen, bis sie das Gegenteil von Chris Bosh's Birne und/oder Lebron James' Gehirn ist. Also riesengross. The Heat's on fire !