21 Dezember 2010


Nach Phoenix' Blockbuster-Deal mit Orlando und dem Abgang von Suns-Topscorer Jason Richardson gehen manche Experten davon aus, dass Steve Nash nicht mehr lange seine Sneaker in der Wüstenstadt schnüren wird. Immerhin ist der zukünftige Hall of Fame Point Guard jetzt 36 Jahre alt. Das Championship-Fenster ist ohne Amare Stoudemire und jetzt eben Richardson endgültig zu, und die Moves des Suns-Managements riechen schon sehr verdächtig nach Rebuild und Neuorientierung - wenngleich die drei Neuzugänge Vince Carter, Marcin Gortat und Mickael Pietrus einen kurzzeitigen sportlichen Boost für diese Saison bringen könnten.

Ist Nash also der nächste Suns-Akteur, der seine Umkleide im US Airways Center räumen muss ? Nicht so voreilig. Zwar konnte Nash, der in der Offseason wenig Begeisterung für Phoenix' damaligen Roster gezeigt (vor allem den "spektakulären Neuzugang" Hedo Turkoglu) und lieber etwas mehr Grösse und Masse unter den Körben eingekauft hätte, seine anfängliche Enttäuschung über den Deal des Wochenendes nicht verbergen. Seither gibt sich der zweimalige MVP aber alle Mühe, in der Öffentlichkeit die richtigen Töne anzustimmen. Er sei "optimistisch, dass die Moves kurz- und langfristig dem Team helfen können. Wir hätten J-Rich im Sommer wohl ohnehin nicht behalten können. Ich glaube, dass alle drei (Neuzugänge) gute Offensivspieler sind. Wir haben jetzt mehr Grösse, die wir dringend gebraucht haben", so der Spielmacher mit zuversichtlichem Blick in die Zukunft.

Teamdienlich, loyal, optimistisch - ganz wie man Nash eben kennt. Für einen wie ihn geht's um mehr, als nur ums gewinnen, wenngleich er - wie wir alle - in erster Linie natürlich dafür spielt. Aber eben nicht ausschließlich. Offen einen Trade einfordern oder die Fliege machen ist seine Art nicht. Die Teamführung um Lon Babby, Director of Basketball Operations, hat bereits betont, dass man weiterhin mit Nash plant, es sei denn, der Point Guard verlange explizit einen Trade. Das wird wohl vorerst nicht passieren. Es scheint ganz so, als wolle der Kanadier erstmal in Phoenix bleiben und beenden, was er dort begonnen hat. "Ich habe meinen Vertrag verlängert, um genau hier zu bleiben. Was soll ich jetzt tun - die Flinte ins Korn werfen ? Ich glaube immer noch, dass wir ein gutes Team werden können." Und obwohl ein zweimaliger MVP sicherlich einen Trade forcieren könnte, hält Nash das nicht für die richtige Umgangsform. "Man geht nicht einfach zum Manager und sagt dem, wo man hin wechseln will. Ich habe hier unterschrieben, ich will mein Team voran bringen."

Für den Moment scheint also alles geklärt zu sein in Arizona. Obwohl Phoenix mit den drei Neuzugängen Carter/Gortat/Pietrus sicherlich nicht die Lakers, Spurs oder Mavericks heraus fordern wird, ist man in einer besseren Position als noch vor einer Woche. Man hat eine zusätzliche Center-Option (die Nash unbedingt haben wollte), einen Perimeter-Verteidiger und Carter, der vielleicht, eventuell, wenn alles zusammenpasst, seine Karriere ähnlich wie ein Grant Hill damals noch einmal ankurbeln kann bei den Suns, dem Verein mit der besten medizinischen/physiotherapeutischen Abteilung weit und breit. Zumindest aber hat Phoenix dieses Chaos-Element zurück, einige Optionen mehr in Nash's Angriffsspiel und somit die realistische Chance, als 7th oder 8th Seed noch den Sprung in die Playoffs zu schaffen. Momentan liegt man mit 13-14 Siegen auf Platz 9.

Man sollte aus Suns-Sicht natürlich immer die Ohren offen halten, ob da draussen nicht das ein oder andere Team an einem Deal interessiert wäre. Da aber der Markt für Nash schlechter nicht sein könnte im Moment (junge Teams auf PG-Suche kommen nicht in Frage, da nicht Playoff-relevant, während alle Contender auf der Eins gut bis sehr gut besetzt sind oder keine Tausch-Assets zur Verfügung haben), wird es in dieser Saison wohl keinen Nash-Trade geben. Frühestens dann also im Sommer 2011. Oder eben nie...