09 Dezember 2010


Miami Heat: die wackste Story des Novembers ? El Heat natürlich. Sehen wir mal für einen Moment ab von den grössenwahnsinnigen Plänen vor der Saison, den angekündigten 73+ Siegen und garantierten 6 bis 8 Meisterschaften. Sehen wir mal davon ab, dass die Heat offensiv eine exakte Kopie der Cleveland Cavaliers geworden sind, aus taktischen/basketballästhetischen Gesichtspunkten also nahezu unmöglich anzuschauen (was sogar langjährige Heat-Fans bestätigen können) ohne den viertelstündlichen Brechreiz zwischendurch. Sehen wir mal davon ab, dass Miami im Angriff, bei den Rebounds und den Assists unter dem Ligadurchschnitt liegt. Sehen wir mal von frustrierten Spielern ab, denen Head Coach Erik Spoelstra ein zu harter Hund und nicht gechillt genug ist. Sehen wir mal von der personellen Besetzung auf PG und C ab, die über D-League Niveau nicht hinaus kommt. Sehen wir mal von Niederlagen gegen höchstens mittelmässige Teams wie Memphis, Indiana und New Orleans ab. Sehen wir mal von der rund-um-die-Uhr Medienpräsenz der Heat ab, die uns suggerieren will, dass uns hier das grösste und bedeutendste Team aller Zeiten beehrt. Sehen wir mal von den miesesten "Fans" der Liga der ab, welche die Must-See Heat mit Abertausenden von leeren Zuschauerplätzen "supporten". Sehen wir mal von epischen Neuzugängen ab wie dem fossilen Neuzugang Erick Dampier. Was bleibt dann am Ende noch übrig ? Eine angesichts der eigenen Ansprüche grottige 7-7 Bilanz im abgelaufenen Monat. Für eine Mannschaft wie Miami sicherlich nicht das Ende der Welt. Aber positiv beeindruckend eben auch nicht...

Joe Johnson: die bisherigen Saison-Statistiken des 500 Milliarden Dollar Mannes sind ja an sich genommen schon lächerlich und hätten den Wackness-Award ganz im Alleingang an Land gezogen. 17 Punkte pro Spiel bei 40 Prozent aus dem Feld und 25 Prozent von Drei reichen für einen Franchise-Spieler nicht mal ansatzweise aus. In 15 November-Partien erzielte Joe 'Jumper-Jackin' Johnson nur drei Mal mehr als 21 Zähler. Weitaus peinlicher noch: seit der Shotclock-Killer verletzt ausfiel, haben die Hawks 4 von 5 Partien gewonnen. Die Motion-Offense klickt plötzlich, der Ball läuft wie am Schnürchen (Season-High 34 Assists im letzten Spiel). Vielleicht lässt sich der 120 Mio $ Deal ja irgendwie wegen defekter Ware zurück bringen...

Evan Turner: mit vielen Vorschusslorbeeren wurde Turner als 2. Pick des Drafts in Philadelphia erwartet. Er sollte mithelfen, das sinkende Sixers-Schiff wieder navigierbar zu machen. Erste Summer League Resultate deuteten aber bereits an, was die reguläre Saison bisher bestätigte: Turner ist noch ein Kind und fürs harte Profispiel nicht gut genug. 7 Punkte und 2 Rebounds im Schnitt sind, sagen wir mal, nicht ganz so berauschend. Seinen Startplatz ist Turner bis auf weiteres los, von der Bank kommend geht aber auch gegen schwächere Gegner genauso wenig. E.T., der auf dem College ständig den Ball in den Händen hielt, kommt ohne Murmel überhaupt nicht klar. Sein Sprungwurf ist eher was fürs Maurerhandwerk (41%). Alle Experten, die ihn vor der Saison mit Grant Hill in dessen Rookie-Jahr (20 Pts, 6 Reb, 5 Ast) verglichen hatten, befinden sich mittlerweile wieder unter ärztlicher Aufsicht.

Der Knicks-Spielplan: eine der schönsten Feelgood-Stories bisher ist die Wiederauferstehung der NY Knicks, die sich mit 10 Siegen aus den letzten 11 Partien unter die 6 besten Teams im Osten gespielt haben (kein Druckfehler). Ein starkes Basketballteam im Basketballmekka New York kann dem NBA-Basketball nur Basketball gut tun. Aber bevor man als Knicks-Fan jetzt schon die Erfolgszigarren und Tischfeuerwerke zündet, sollte man nochmal in Richtung Spielplan schielen: Sacramento, Golden State, LA Clippers, Charlotte, Charlotte, Atlanta (Niederlage), Detroit, New Jersey, New Orleans, Toronto, Minnesota. Alles unter .500 Teams - bis auf New Orleans, das schneller absinkt als flügellose Hornissen. Ich tippe auf 12 aus 13, denn Toronto und Washington warten als nächstes. Dann aber hat sichs ausgefeiert mit dem vorweihnachtlichen Schedule-Geschenk, denn wie immer im Leben gilt auch hier: was zu gut läuft, kommt irgendwann als Bumerang zurück. Wer alle Drecksteams der Liga direkt hintereinander aus der Halle bomben darf (vielleicht weil irgend jemand in New York kompromittierende Fotos der Schedule-Macher besitzt), auf den warten früher oder später die Big Boys. NY's Rest-Spielplan im Dez/Jan: Denver, Boston, Miami, Cleveland, Oklahoma City, Chicago, Miami, Orlando, Indiana, San Antonio, Phoenix, LA Lakers, Portland, Utah, etc.

Spencer Hawes: der 22-jährige, der vor der Saison aus Sacramento kam im Tausch für Sam Dalembert (im Paket mit Nocioni) hat in Philly alle Möglichkeiten dieser Welt. Auf der Center-Position ist weit und breit keine Konkurrenz in Sicht, und das Team steckt im Rebuilding-Modus fest - wahrscheinlich für die nächsten 15 Jahre. Darum durfte Hawes ja auch in allen 21 Partien von Beginn an ran. Dumm nur, dass Hawes einfach nicht gut genug ist. Sein glorreicher Output auf dem Platz: 6 Punkte, 4.8 Rebounds. Nochmal zum Mitlesen: Starting Center, 2,11m/115 Kilo, weniger als 5 Rebounds. You can't teach Softness !

John Kuester und die Pistons: Kuester's Bilanz als Head Coach ist schon wack genug (nur 32% Siegquote). Die Art und Weise aber, wie er die Detroit Pistons mit seinen Wechselspielchen und seinem dickköpfigen Festhalten an Veteranen wie Wallace, Hamilton und Prince in die sportliche Einöde manövriert - und zwar auf Jahre - entbehrt jeglicher Logik. Anstatt einzusehen, dass Detroit es selbst bei 28 Playoff-Teams nicht in die Postseason schaffen würde, und Youngstern wie Monroe, Daye, Villanueva, Bynum und Gordon alle Spiel- und Entwicklungszeit dieser Welt zu beschaffen, verharrt Kuester in seiner Lieblingspose (Handflächen in Unglauben am Kopf) auf der Bank und tut gar nichts. Was im Übrigen viele Coaches so an sich haben, die bald vor die Tür gesetzt werden. Vielleicht glaubt Kuester aber auch, es sei erst 2004. Dabei würde ein kurzer Blick auf Tayshaun Prince und Rip Hamilton bereits genügen. Die spielen mittlerweile so, als wäre schon 2035.

dumme Fouls/Stu Jackson: gegen harte Fouls ist nichts einzuwenden. Was aber gar nicht geht, sind die Sorte Vergehen, die eine Verletzung des Gegenspielers in Kauf nehmen, wenn man absolut keine Chance mehr hat, den Ball zu spielen. Wer einen Konkurrenten beim Dunking-Versuch mittels Stiff-Arm Football-Clothesline aus der Luft zu pflücken versucht, am Besten noch von hinten, der sollte für einige Spiele gesperrt werden. Wiederholungstäter von mir aus wochen-/monatelang. So eine Scheisse will keiner sehen. Dass NBA-Oberpolizist Stu Wack-son, der selbst nie gespielt hat, den möglicherweise folgenschweren Unterschied zwischen einem solchen Foul und ein wenig Schiedsrichterkritik noch nie verstanden hat (und für letzteres weiter munter die Geldstrafen raushaut), dürfte indes nicht überraschen.

Anthony Randolph: als Über-Sleeper und definitiver Breakout Kandidat wurde der in Worzbach geborene 21-jährige vor der Saison gehandelt. Der Konsens: im Uptempo-System der New York Knicks würde der Forward Karrierebestleistungen aufstellen. Mag sein, aber sicher nicht dieses Jahr. Seine Bilanz in dieser Saison: 11 absolvierte Partien (2.2 Punkte im Schnitt), 11 DNP-CDs (Did not play - Coaches Decision). Schläfer, ganz klar.

Milwaukee's Neuzugänge: Bucks GM John Hammond erhielt letztes Jahr noch den 'Executive of the Year Award' für die geschicktesten Front Office Moves. Den Wanderpokal wird er bald zurück schicken müssen, denn die Neuzugänge in der Bierstadt erwiesen sich für die hohen Ambitionen der Hirsche bisher kontraproduktiv. Corey Maggette, wissenschaftlich anerkanntes schwarzes Loch, trifft keine 40% seiner Wurfversuche - wenn ihn Coach Skiles denn mal aus der Hundehütte lässt. Chris Douglas-Roberts macht bisher eher durch seine Abdul-Jabbar Gedächtnisbrille auf sich aufmerksam. John Salmons, der vor der Saison verlängert wurde, hat nach der Sommerpause noch nicht wieder gecheckt, wo genau die Körbe im Bradley Center stehen (37%). Und alle drei nehmen sich gegenseitig Spielzeit weg. Währenddessen haben die Bucks 9 Partien im November verloren. Richtig spannend wirds dann, wenn Langzeit-Invalide Michael Redd Anfang 2011 zurück kehrt. Ich kann's kaum erwarten.

Brook Lopez: Lopez scort zwar so viel wie nie (18 PPG), dafür sind seine Trefferquoten (43% aus dem Feld) und vor allem seine Reboundwerte tief in den Keller gesunken. Beobachtet Brook mal auf dem Platz: er scheint sich nicht wirklich anzustrengen, wirkt oft lustlos und so, als hätte er irgendwie seine Position verfehlt. Vielleicht gehen aber auch nur wir etwas zu hart ins Gericht mit einem 2,13m und 125 Kilo schweren Center-Koloss, der etwa 6 Rebounds pro Spiel abgreift und softer wirkt als der Marschmallow-Mann in der Kissenfabrik. Sollen sich doch die Guards in der Zone prügeln. Center sind schließlich zum Jumpshots/Dreier setzen da !

Sacramento Kings: über die Königinnen liessen sich seitenlange Problemdiagnosen erstellen. In halb-stenografischer Form sähe das ungefähr so aus: Schlechtes Personal. Stop. Fragwürdige, unreife Spielercharaktere. Stop. Keine Winnertypen. Stop. Ein Coach, der lieber in Phoenix ca. 1993 wäre. Stop. Ein Rookie, der sich jetzt schon für einen All-Star hält. Stop. Kein Offensivsystem. Stop. Schwindendes Zuschauerinteresse. Stop. Eine 1-15 Bilanz seit dem 3. November. Stop. Wenigstens hat Pooh Jeter einen der coolsten Namen in der Geschichte des Universums.

Baron Davis: der utopische Plan sah vor, dass ein gesunder, hoch motivierter Baron Davis die jungen Baby-Clippers mit seiner Veteranenerfahrung bis tief in den März hinein im Rennen um einen der wenigen verfügbaren Playoffplätze in der wieder einmal erbarmungslosen Western Conference hält. In der Realität aber sitzt Boom Dizzle mehr auf der Bank als auf dem Platz zu stehen (im Nov. 14 von 15 Partien verpasst), spielt absolut bescheiden (8.5 PPG) und wirkt zudem unaustrainiert und gelangweilt, während die Clips schon Anfang Dezember absolut nichts mehr mit den Playoffs zu tun haben. Pläne hauen eben nicht immer so hin, wie geplant...