15 Dezember 2010


Am Mittwoch, den 15. Dezember, wird ein 3-Team-Trade offiziell über die Bühne gehen, den wir jetzt schon nach allen Regeln der Kunst sezieren können: Terrence Williams wechselt zu den Houston Rockets. Zusätzlich schicken die New Jersey Nets ihren Veteranen Joe Smith nach Los Angeles zu den Lakers, von wo Sasha Vujacic im Tausch an die Ostküste kommt. Der Clou: New Jersey erhält insgesamt noch 2 Erstrundenpicks, einen von den Lakers (2011) sowie einen aus Houston (2012). Letzterer ist dabei 'Lottery-protected', gilt also nur für einen Draft-Pick ausserhalb der Top14.

New Jersey versucht offensichtlich alles, um im Carmelo Anthony Poker den Royal Flush an Land zu ziehen, den erhofften Superstar. Mit den beiden erworbenen Draft-Picks verfügen die Nets nun über gleich 5 Erstrundenpicks in den nächsten zwei Jahren. Denver hat mehrmals verdeutlicht, dass ein potentielles Paket für Anthony neben jungen Talenten mehrere Picks enthalten müsste. Die Nets sind - so glaubt man zumindest im Sumpf - nun besser aufgestellt als jede andere Mannschaft ligaweit. Dass man mit Terrence Williams einen hoch talentierten und vielversprechenden Flügelspieler abgegeben hat, scheint man in New Jersey verschmerzen zu können. Der ehemalige 11. Pick spielte in den Planungen des neuen Coaches Avery Johnson ohnehin keine allzu grosse Rolle mehr, nachdem er sich durch mehrere Undiszipliniertheiten und eine Zwangs-Strafversetzung in die D-League selbst aufs Abstellgleis manövriert hatte. In der aktuellen Saison kam Williams über 6.7 Punkte und 3.6 Rebounds nicht hinaus. Sasha Vujacic wurde wohl eher aufgrund seines auslaufenden Vertrages (5.4 Mio $) geholt. Wenngleich der Slowene durch seine Treffsicherheit von hinter der Dreierlinie eines der schwächeren 3-Punkt Teams der Liga (nur 5.8 Treffer pro Partie, Platz 20) in diesem Spielaspekt durchaus unterstützen könnte, wird er wohl kaum PT im Nets-Backcourt erhalten. Alle Nicht-Tennis-Fans dürfen ihr Augenmerk also auf's nächste Kapitel richten. Hier gibt's nichts zu sehen.

Für die Rockets ist der Deal schon ein kleiner Steal, da mit Williams der mit Abstand beste Spieler in diesem Tauschgeschäft nach Texas wechselt. Wieder mal ein klassischer Low Risk/High Reward Deal des ausgebufften Managergehirns Daryl Morey, der einen potentiell elektrisierenden und vielseitigen Spieler für 'nen Flohmarktpreis (lies: unbeliebte, beschädigte Ware zum Schnäppchen) ergattern konnte. Dass Williams an sich alle nötigen Skills mitbringt, um in der NBA zu bestehen, hat bereits die letzte Saison gezeigt. Da kam der damalige Rookie vor allem nach der All-Star Pause so richtig ins Rollen, erzielte im März/April starke 14 Punkte, 7 Rebounds und knapp 6 Assists im Schnitt. Lediglich T-Will's Oberstübchen ist noch nicht ausreichend optimiert und steht der Erfüllung seines Potenzials bisher noch im Weg. Da aber werden Head Coach Rick Adelman und Veteranen wie Shane Battier ihre psychologischen Fähigkeiten gewinnbringend einsetzen, um Williams auf den Pfad der rechten Tugenden zu rücken. Mit seiner einmaligen Kombination aus Athletik, Offensivspiel und Verteidigerqualitäten dürfte sich der 23-jährige in Houston recht schnell auf der Flügel-Position etablieren. Man vergleicht ihn gerne mit Sixers-Wing Andre Iguodala. Wenn er den Korb attackiert, ist Williams nur schwer zu stoppen, da er ganz uneigennützig auch den freien Mann findet. Schlimm wird's allerdings, wenn er in den 'JR Smith Modus' verfällt, also unüberlegt aus allen Lagen drauf hält.

Auch wenn er nicht auf Anhieb starten wird, so winken ihm dennoch eher früher als später 30+ Minuten auf der Small Forward Position - im schlimmsten Fall als Mikrowelle von der Bank. Die Rockets haben sich jedenfalls nicht die Mühe gemacht, ihn umsonst nach Houston zu holen. Zunächst wird er brav von Old Man River Battier lernen und sich dann vorbildlich ins Raketen-System einfügen.

Um Platz zu machen für Williams schickte GM Morey noch eben schnell Jermaine Taylor nach Sacramento zu den Kings im Tausch für einen (sehr) gebundenen Zweitrundenpick. Den Draft-Pick muss Sacramento nur dann abtreten, wenn die Kings in dieser Spielzeit unter den 5 besten Teams der Liga landen. Die Chancen dafür stehen in etwa so gut wie ein NBA-Comeback von Hansi Gnad mit anschliessender All-Star Nominierung.

Der Champ aus Los Angeles schließlich schlägt gleich mehrere Klappen mit einer Fliege: zum einen wurde man den unbeliebten 5.4 Millionen Vertrag von Vujacic los, der in der Lakers-Rotation ohnehin zum Beobachter degeneriert war. Coach Phil Jackson hatte von 'The Machine' die Nase endgültig voll und gönnte ihm nur noch sehr hagere 4.9 Minuten pro Partie. Da die Lakers die höchste Gehaltsliste in der NBA führen und routinemässig im Luxussteuer-Bereich liegen, betragen die Ersparnisse bei diesem Trade mehr als 9 Millionen Dollar (Luxussteuer: jeder Dollar über der Grenze kostet doppelt). Der 35-jährige Joe Smith verdient dagegen nur knapp 1.4 Millionen, ein Grossteil davon wird von der NBA selbst bezahlt (Veteran's Minimum). Rein sportlich betrachtet ist Smith natürlich mehr wert für die Lakers. Mit seiner Grösse, Erfahrung und Treffsicherheit aus der Halbdistanz wird Smith - auch wenn nur für 10 Minuten pro Spiel - die Big Men entlasten und den Ausfall von Theo Ratliff etwas kompensieren können. Den eingebüssten Draft-Pick irgendwo im 28er-30er Bereich wird man in LA-LA Land verschmerzen können - umso mehr, wenn im Juni dafür ein weiteres Banner herausspringt.


nbachef meint: Vorteil Houston, Nachteil New Jersey