28 Januar 2011




Grazie. Eleganz. Power. Finesse. Er war der Alptraum jedes Gegners: der 'Dream Shake'. Eine Reihe von Spins, Post-Moves und Konterfakes, die seine Kontrahenten älter aussehen liessen als Greg Oden mit 15. Shaquille O'Neal sagte über ihn einmal: "Er macht dich einfach fertig. Er hat 5 Moves, und zu jedem dieser Moves noch 4 Countermoves. Das sind ingesamt mindestens 20, und die drückt er dir einen nach dem anderen rein, Abend für Abend. Du hast also keine Chance." Michael Jordan würde beim Versuch, ein All-Time Team zusammenzustellen, "ihn als Center nominieren, denn kein Fünfer vor oder nach ihm erreichte je seine Vielseitigkeit". Er bleibt, wohl für immer, der einzige Spieler in der Geschichte der NBA mit 200 Blocks und 200 Steals in einer Saison. Er ist einer von nur vier Akteuren, die jemals ein Quadruple Double verbuchten (18 Pts, 16 Reb, 10 Ast, 11 Blk). Er spielte 18 Jahre lang in der besten Liga der Welt und wurde zwei mal NBA-Champion. Er war der erste Akteur überhaupt, der in einer Saison als MVP, Finals-MVP und Defensivspieler des Jahres geehrt wurde. Seine Karriere beendete er in den Top-11 bei den Punkten, Rebounds, Blocks und Steals (!) und gilt deshalb - nicht nur in meinem Rekordbuch - als einer der besten Spieler aller Zeiten.

Hakeem Abdul Olajuwon (was übersetzt soviel bedeutet wie "Immer obenauf") wuchs in Nigeria heran und übenahm schon früh von seinen Eltern jene Tugenden, die sein ganzes Leben auszeichnen sollten: Ehrlichkeit, Selbstvertrauen und harte Arbeit. Mit Basketball hatte Hakeem allerdings lange gar nichts am Hut, spielte lieber Fussball und Handball. Erst mit 15 nahm er zum ersten Mal in seinem Leben die orangene Pille in die Hand. Es war Liebe auf den ersten Blick. "Basketball ist so einmalig. Ich merkte schnell, dass das genau mein Ding war. Alles andere wurde nebensächlich", erzählte Olajuwon später.

Der junge Nigerianer beschloss, nach Amerika auszuwandern, um an der Universität von Houston Basketball zu spielen. In Texas war man vom neuen Rekrut allerdings nicht allzu begeistert. "Keiner holte mich am Flughafen ab, ich sollte mir ein Taxi nehmen, um in die Sporthalle zu kommen", erinnert sich Olajuwon. In seinen ersten beiden Spielzeiten kam der damals 18-jährige kaum zum Einsatz. In der Sommerpause dann, irgendwann zwischen seinem zweiten und dritten College-Jahr, begann Olajuwon zusammen mit NBA-Superstar Moses Malone zu trainieren. Malone spielte damals für die Houston Rockets und bereitete sich auf die neue Saison vor. Olajuwon's Lernkurve schoss dank der täglichen Eins gegen Eins Sessions gegen den Hall-of-Fame Center rapide in die Höhe. In den folgenden beiden Jahren dominierte der Ausländer das Geschehen in der NCAA und erreichte mit seinen Cougars zwei mal in Folge das Finale der College-Meisterschaft. Mit Clyde Drexler bildete Olajuwon das spektakuläre Duo 'Phi Slama Jama', das dank seiner Highlights zur Legende wurde. Wie es der Zufall so wollte, gewannen die Houston Rockets 1984 den damals noch praktizierten Münzwurf zwischen den Teams mit der schlechtesten Bilanz und sicherten sich so den Nummer Eins Pick im NBA-Draft. Olajuwon verliess vorzeitig das College und wechselte zum Profiteam der National Basketball Association - in derselben Stadt.

Bei den Rockets schlug der Neuling ein wie eine Rakete. 21 Punkte, 12 Rebounds und 2.7 Blocks im Schnitt bescherten ihm einen Platz im All-Rookie Team und Platz zwei im Rookie des Jahres Voting hinter Michael Jordan. Mit dem riesigen Ralph Sampson (2,24m) zusammen bildete Olajuwon fortan die Original 'Twin Towers' und versetzte die Liga schon bald in Aufruhr. Bereits in der nächsten Saison schockte Houston den amtierenden Champion Los Angeles Lakers im Finale der Western Conference mit 4-1 und zog ins NBA-Finale ein. Dort allerdings verloren die Texaner gegen eines der besten Teams aller Zeiten, die 1986er Boston Celtics, mit 4-2.

Nach mehreren Jahren der Mittelmässigkeit und persönlicher Probleme mit dem Rockets-Management nahm Olajuwon's Karriere Anfang der '90er durch die Ankunft von Head Coach Rudy Tomjanovich wieder Fahrt auf. Gleichzeitig verschrieb sich der früher oft undisziplinierte Center voll und ganz seinem islamischen Glauben. Er begann, den Koran zu studieren und schöpfte daraus neue Kraft. Olajuwon verbesserte sein Passspiel und fügte seinem Repertoire eine Vielzahl neuer Offensivmoves hinzu. In der Addition wurde aus ihm eine unaufhaltsame Präszisionsmaschine (die entweder selber punktete oder aus dem Low-Post die freien Schützen mustergültig bediente), die vorne und hinten in der Abwehr jedes Spiel dominieren konnte. Houston stieg so zum besten Team der Liga auf. 1994 gewannen die Rockets eine der härtesten Finalserien aller Zeiten gegen New York und Olajuwon's alten Kontrahenten Patrick Ewing nach 7 hart umkämpften Partien. 1995 wiederholte Houston das Kunststück und krönte sich zum erst 5. Back-to-Back Champion überhaupt. Beflügelt von einem späten Trade für Clyde Drexler, Olajuwon's alten College-Gefährten, überwand das Team einen 6. Platz in den Western Conference Standings und brauste durch die Playoffs. Im Finale waren die Orlando Magic um einen jungen Shaquille O'Neal kein Hindernis für die Rockets, die ihren zweiten Titel einheimsten.

Es ist wirklich schade, dass Olajuwon's Raketen niemals auf Michael Jordan's Chicago Bulls trafen in der Postseason. Es wären sicherlich epische Duelle für die Ewigkeit gewesen zwischen den zwei besten Spielern und Teams ihrer Zeit. Unabhängig davon muss Hakeem Olajuwon's Name aber fallen, wenn man über die Grössten der Grossen spricht. Die Art und Weise, wie er das Spiel revolutionierte, wirkt ganz offensichtlich stark nach. Sein Dream Shake ("diesen Move habe ich vom Fussball übernommen und aufs Basketball übertragen"), seine Fussarbeit, seine unnachahmliche Mischung aus Inside- und Outside Spiel waren es, die die Bahn frei gemacht haben für die Kevin Garnetts, Dirk Nowitzkis und Tim Duncans dieser Welt. Das Spiel änderte sich für immer. Er deklassierte einen Center nach dem anderen - in einer Zeit, als noch echte Big Men Dinosaurier á la Patrick Ewing, David Robinson, Shaquille O'Neal, Dikembe Mutombo und Karl Malone das Liga-Parkett bevölkerten (im Gegensatz zu den Bargnanis, Boshs und Gasols dieser Tage).

Und tat das alles manchmal, ohne festes Essen und Trinken zu sich zu nehmen. Kein Witz: als überzeugter Muslime hielt sich Olajuwon strikt an den Rhythmus des 'Ramadan', nahm also während der Fastenzeiten keinerlei Nahrung zu sich - von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Er hechelte während des Spiels zwar oft nach Wasser, blieb aber immer stark. Olajuwon: "Ich fühlte mich explosiv, energetisch. Und wenn ich Abends dann endlich etwas trinken konnte, fühlte sich der Geschmack von Wasser so unendlich kostbar an."


Auch nach seiner Karriere blieb der heute 48-jährige ein voller Erfolg. Er investierte geschickt in Houston's Immobilienmarkt und verdiente sich so mehr als 100 Millionen Dollar hinzu. Er siedelte mit seiner Familie nach Jordanien über und pendelt nun zwischen Afrika und Amerika hin und her. Olajuwon organisiert jährlich sein berühmtes 'Big Man Camp', wo er jungen Spielern die Nuancen des Low Post Spiels nahezubringen versucht. Er arbeitete bereits mit Emeka Okafor, Yao Ming, Kobe Bryant und Dwight Howard zusammen, die allesamt von den Extra-Schichten mit der Legende profitieren. Hakeem 'The Dream' Olajuwon wurde 2008 in die Naismith Basketball Hall of Fame aufgenommen. Er ist der Spieler mit den meisten Blocked Shots (3830) in der Geschichte des Basketballs. Seine Trikotnummer 34 wurde sowohl von den Houston Rockets als auch von den Cougars an die Hallendecke gehängt und wird nie wieder vergeben.