07 Januar 2011


Nachfolgende Ausführungen stellen lediglich zufällige Gedankenspiele des Autors dar. Weder wird hier auf aktuelle Gerüchte eingegangen, noch auf potentielle Bedenken involvierter Teams ob der unsicheren Tariflage im Sommer. Kommentare wie "...ja, aber wenn gestreikt wird, funktioniert das hier alles ja gar nicht" könnt ihr Euch also sparen. Diese Bedrohung ist uns allen, denke ich mal, deutlich bewusst. Zur Sache:


Schon letzte Saison galt der Guard/Forward der Philadelphia 76ers als einer der wahrscheinlichsten Trade-Kandidaten ligaweit. Wie es der Zufall so will, hat sich an Andre Iguodala's Situation auch 12 Monate später nicht viel geändert. Der Swingman steht in der Stadt der brüderlichen Liebe (mal wieder) auf dem Abstellgleis. Seine aktuelle Verletzung (Achillessehne) trifft sich gut, denn so können die Sixers ohne ihn den restlichen Kader evaluieren. Mit Iguodala in der Lineup gestaltet sich jenes Vorhaben oft schwierig, denn zum einen ist sein Ballbesitz exorbitant hoch, zum anderen bekleidet er die selben Positionen wie Evan Turner und Thaddeus Young.

In Philadelphia hat man langsam erkannt, dass Iguodala nicht der anvisierte Franchise-Spieler sein kann, wie man ihn sich einst ausgemalt hatte. Fakt ist, dass der sportliche Erfolg mit 'Iggy Hop' als Führungsspieler bisher ausblieb. Obwohl sich Iguodala selbst für einen absoluten Superstar hält, sieht die Realität anders aus. "Extrem guter und vielseitiger Semistar-Rollenspieler" trifft die Sache schon eher. Für so jemanden dann 13+ Millionen Dollar im Jahr hinzublättern, kann nicht im Sinne eines sich im Wiederaufbau befindlichen Teams sein. Selbst im Best Case Szenario ist mit dieser Mannschaft mehr als Platz 7-8 im Osten nicht drin, was gleichbedeutend wäre mit einem Playoff-Sweep in Runde 1. Nein, Philly täte langfristig sicher besser daran, seine Nachwuchsspieler in den Vordergrund zu heben und ihnen die Schlüssel zum Team auszuhändigen. Iguodala sollte für eine Mischung aus jungen Spielern, auslaufenden Deals (Cap-Entlastung), Draft-Picks und Geld gewinnbringend getradet werden.

Überfliegt man die aktuelle Situation ligaweit sowie die Bedürfnisse aller 30 Teams, bieten sich vor allem drei Vereine für einen Tausch mit den 76ers an: Dallas, Houston und New York.

Die Dallas Mavericks müssen die schwere Verletzung ihres Starting Small Forwards Caron Butler verdauen, der nach einem Sehnenriss im Knie für den Rest der Saison ausfällt. Das, plus die extrem langsame Wiedergenesungszeit der letztjährigen Rookie-Sensation Rodrigue Beaubois macht Mark Cuban & co. nervös. Die Meisterschaftsambitionen in Big D erhielten durch die Hiobsbotschaft 'Butler out for season' einen herben Dämpfer. Hier kommt Iguodala für die Mavs in Spiel. Er könnte Butler auf der Drei ersetzen, wäre spielerisch sogar ein Upgrade gegenüber dem strohhalmkauenden Forward. Mit AI9 hätte Dallas eine potente Scoringoption an der Seite von Dirk Nowitzki, die sich ihre Würfe selbst kreiieren kann und dank ihrer Lockdown Defensive auf dem Perimeter die in diesem Jahr exzellente Dallas-D (Platz 6) zusätzlich verankern könnte. Philly würde im Gegenzug den auslaufenden Vertrag von Butler erhalten, dazu je einen jungen Big Man (Ian Mahinmi oder Alexis Ajinca) und einen jungen Guard (Rodrigue Beaubois oder Dominique Jones) sowie einen oder mehrere Draft Picks, um den Abschiedsschmerz zu betäuben. Win-Win für beide Teams.

Mindestens einen Draft Pick müssten auch die New York Knicks abdrücken, wollten sie sich Iguodala angeln. Der gilt im Big Apple momentan als Alternativoption, falls es für die Knicks mit Wunschspieler Carmelo Anthony nicht klappen sollte. Eins ist klar: Iguodala käme für die Knickerbockers um einiges billiger daher als 'Melo. Ein Paket, bestehend aus Eddy Curry's auslaufendem 11 Mio $ Vertrag (...endlich), Anthony Randolph für den Frontcourt (wo bei den 76ers eine immense Lücke klafft) und ein Draft-Pick könnte hier schon ausreichen - vorausgesetzt natürlich, Philly zieht mit.

Kann natürlich sein, dass Sixers-Manager Ed Stefanksi weitaus mehr an Gegenwert anvisiert, wenn er seinen - nennen wir ihn mal 'Franchise Player' - veräussern sollte. In dem Fall könnte wohl kein Team mit den Houston Rockets mithalten. Die Texaner liebäugelten bereits letztes Jahr - wie Dallas übrigens auch - mit einer Verpflichtung Iguodala's und haben heuer mehr hochwertige Trade-Bauklötzchen zur Verfügung als jeder andere Klub.

Da wären zunächst die auslaufenden Deals von Jared Jeffries (7 Mio $) und Yao Ming (18 Mio $). Dazu eine Vielzahl junger Prospect-Spieler, wie sie Philly sich wünscht. Akteure wie Courtney Lee, Chase Budinger, Jordan Hill oder Terrence Williams (erst ab 15. Feb). Auch über Draft-Picks liesse sich mit Houston verhandeln. Zwei potentielle Deals sähen so aus: Jeffries/Hill/Lee plus Picks für Iguodala straight up. Oder Yao/Budinger/Lee plus Pick für Iguodala/Nocioni. Die Vorteile für beide Teams lägen auf der Hand: Houston verbessert seine Playoff-Chancen dank der Addition eines vielseitigen All-Star Kaliber Forwards, während Philadelphia junges Talent ansammeln und im Sommer massig Salary Cap einsparen kann.

Was meint ihr - machen diese Tradeszenarien Sinn, aus wessen Sichtweise auch immer betrachtet ? Gäbs da draussen vielleicht noch bessere Möglichkeiten, auf die Philly unbedingt eingehen sollte ?