10 Januar 2011


Dinge, die zur Zeit auf der täglichen TD-Liste stehen: Essen, Schlafen, Sport, Musik, Zähne putzen, Carmelo Anthony Trade Rumours sondieren. Kein Tag vergeht ohne das lästige Melo-Gebrabbel. Mal steht ein Trade kurz bevor. Mal geht vor Ende Februar gar nix. Mal sind nur die Knickerbockers im Spiel (hatte mich schon im August auf New York als Anthony's neue Basketballheimat ab 2011 festgelegt), dann wiederum von Dallas über Houston und Chicago bis New Jersey fast die halbe Liga. Das neueste Geschwätz (heute via Al Iannazzone, einem New Jersey Beatwriter): ein epischer Blockbuster-Trade zwischen Denver, New Jersey und Detroit steht kurz vor der Vollendung.

Die Rede ist von 14 bis 15 Spielern, massenweise Draft-Picks und einem Haufen Hin und Her Geschiebe. Dumm nur, dass sich die Nuggets allen Anscheins nach noch immer nicht losreisen können von ihrem Franchise-Melo. Und das, obwohl Rookie-GM Masai Ujiri und der erst 30-jährige Teambesitzer Josh Kroenke in besagtem Deal eigentlich alles erhalten würden, was sich Denver nur wünschen kann: finanzielle Entlastung, massenweise junge, potente Spieler und jene Draft-Picks, die von Beginn an mitentscheidend waren im Wettbieten um Anthony. New Jersey kann davon bis zu 3 auffahren. Und 2 davon liegen bereits auf dem Opferaltar. Zusammen mit Devin Harris, Derrick Favors, Anthony Morrow, Stephen Graham, Quinton Ross und Ben Uzoh, die allesamt aus NJ abziehen müssten. Nur 5 Spieler aus dem aktuellen Nets-Kader würden das Tauschgeschäft überleben. Johan Petro und der auslaufende Vertrag von Troy Murphy würden nach Detroit wandern. Die wiederum könnten dann im Gegenzug Rip Hamilton und DeJuan Summers in den Sumpf schicken. Aus Denver kämen neben Anthony noch Chauncey Billups, Anthony Carter und Big Man Shelden Williams.Die geplanten Spielerbewegungen noch einmal im Detail:

zu NJ: Anthony, Billups, Hamilton, A.Carter, S.Williams, Summers
zu DEN: Harris, Favors,
Morrow, S. Graham, Q. Ross, Ben Uzoh
zu DET: Murphy, Petro

Die Tatsache aber, dass die Nuggets hier immer noch pokern, zeigt das eigene Unvermögen des Rocky Mountain Teams im Umgang mit dem wohl grössten Dilemma in der Franchise-Geschichte. Wieviel ist 'Melo nun wert, wie hoch soll man noch gehen mit den Anforderungen ? Lieber noch abwarten und noch mehr absahnen, auch auf die Gefahr hin, dass man am Ende mit leeren Händen da steht ? New Jersey will das Angebot noch bis Montag auf dem Tisch lassen, dann soll es zunächst wieder abgezogen werden, auch weil man die eigenen Spieler nicht unnötig psychisch belasten will.

Zudem zeichnen sich einige logistische Probleme ab:

4. Denver hat schon immer betont, dass
Ty Lawson der Point Guard der Zukunft bei den Nuggets ist. Devin Harris wäre also nicht zwingend ein Upgrade. Manche Stimmen reden bereits davon, dass ein 4. Team involviert werden soll, eines, dass im Tausch für einen jungen PG etwas Brauchbares an die Nuggs abstossen könnte

3. Detroit will nicht Johan Petro's 2-Jahres Vertrag absorbieren, selbst wenn es im Gegenzug Hamilton's ungeliebten 3-Jahres Deal loswerden könnte. Man munkelt, dass Detroit einen von New Jersey's Draft Picks verlangt, die eigentlich allesamt nach Denver wandern sollen. Hier herrscht noch grosser Einigungsbedarf


2. Es heisst, Chauncey Billups habe keinerlei Interesse daran, in New Jersey zu spielen. Er werde seinen Dienst dort nicht antreten und lieber auf einen Buyout setzen, um dann als Free Agent bei einem Team seiner Wahl (Übersetzung: Contender) anzuheuern


1. Anthony hat den Deal - selbst wenn er so zustande kommen sollte, wie geplant - noch nicht abgesegnet. Zwar geben sich die Nets weiterhin selbstbewusst, Carmelo letztendlich von den grossen Visionen (Umzug nach Brooklyn 2012, dann mit
Chris Paul, der irgendwann in den nächsten 1.5 Jahren zu den Nets wechseln wird, epische Schlachten mit den Miami Heat um Conference Titel und ewigen Ruhm) des Vereins überzeugen zu können, aber im Endeffekt hat der Superstar das letzte Wort. Und weigert er sich, die 3-Jahres/65 Mio $ Vertragsverlängerung bei den Nets zu unterschreiben, ist alles Trade-Geschwätz null und nichtig.

Alles in allem hat hier wieder einmal NBA-Superagent und Hobby-Halsabschneider Leon Rose seine schmierigen Agenten-Finger überall mit im Spiel. Es werden Gerüchte gestreut, bewusst Fehlinformationen verbreitet, Verleumdungen getätigt und falsche Hoffnungen geschürt. Die Absicht dahinter ist so perfide wie einfach: Rose, Chef der Firma 'Creative Artists Agency', will seine Klienten um jeden Preis zusammen in einem Team spielen sehen und so seinen Macht-/Einflussbereich innerhalb der Liga weiter ausbauen. Mit Lebron James, Dwyane Wade und Chris Bosh (allesamt CAA) hat der Plan schon einmal funktioniert. Nun wird bereits die Architektur des nächsten Superteams öffentlich skizziert: sowohl Anthony als auch Chris Paul (und Rip Hamilton) sind Klienten von Rose. Wie dieses abgekartete Spiel letzten Endes ausgeht, dürfte dann ja wohl allen klar sein. Fragt sich also nur noch, wieviele Spielerköpfe zur Realisierung des Plans insgesamt rollen müssen...