27 Januar 2011


Was haben Zach Randolph, Gilbert Arenas, Danny Granger oder Monta Ellis gemeinsam ? Sie alle wurden recht früh in ihrer Karriere zum 'Most Improved Player' auserkoren, stiegen zum wichtigsten Spieler ihrer jeweiligen Teams auf und werden - wenn die dicke Lady ausgesungen hat - auf eine lange und erfolgreiche NBA-Karriere zurück blicken können. Bis auf Bobby Simmons (Clippers '05) sind alle Preisträger der letzten 10 Jahre immer noch auf die ein oder andere Art und Weise relevant in dieser Liga. Man darf also ruhig behaupten, dieser Award adele und versichere zugleich gegen einen schnellen Absturz in die Bedetungslosigkeit. Letztes Jahr spielten sich Akteure wie Aaron Brooks (gewann den Award) oder Marc Gasol in den Vordergrund. Wer sind die 'Most Improved', die verbessertsten Spieler in dieser Saison ?

Paul Millsap: der Forward sass jahrelang seine Zeit ab auf der Jazz-Bank, weil ihm ein gewisser All-Star names Carlos Boozer stets vorgezogen wurde. Schon damals deutete Millsap aber in begrenzter Spielzeit an, wozu er fähig sein kann und dass er dem Booz in nichts nachsteht. Und siehe da: nach Boozer's Abgang via Free Agency stieg der 25-jährige zum Starting Power Forward bei den Jazzern auf und überzeugte bisher auf ganzer Linie. In knapp 25% mehr Spielzeit erzielt 'Sap gut 51% mehr Punkte und trifft weiterhin mehr als die Hälfte seiner Würfe. Er ist zu Deron Williams' bevorzugtem Passabnehmer im Halbfeldspiel gereift und sieht, dank seiner gesunden Mischung auf Low-Post- und Outside Game, einer langen und erfolgreichen Karriere entgegen.

Stats 09/10: 27.8 Min, 11.6 Pts, 6.8 Reb, 0.8 Stl, 69% FT
Stats 10/11: 33.8 Min, 16.9 Pts, 7.8 Reb, 1.3 Stl, 75% FT


Dorell Wright: einer der Spieler, der seine Talente aus South Beach mitnahm und infolge dessen aufblühte. Der 25-jährige dümpelte sechs Jahre lang in Miami auf der Bank herum, bevor ihn die Heat ziehen liessen. Wright passte in Golden State rein wie die Faust aufs Auge und verbesserte sich in 6 von 8 relevanten Kategorien: Punkte, Rebounds, Assists, Steals, Blocks und Dreier. Wright führt die Liga mit insgesamt 110 Dreiern an (2.5 pro Abend) und avanciert immer mehr zu dem Schweizer Taschenmesser, das viele schon zu High School Zeiten in ihm sahen. Wright erzielte in dieser Saison in verschiedenen Partien bereits 9 Dreier, 9 Assists und 12 Rebounds.

Stats 09/10: 20.8 Min, 7.1 Pts, 3.3 Reb, 1.3 Ast, 0.7 Stl, 0.8 Dreier
Stats 10/11: 39.2 Min, 16.5 Pts, 5.8 Reb, 3.1 Ast, 1.5 Stl, 2.5 Dreier


Michael Beasley: der Timberwolf ist ein weiterer Ex-Heat, der von einem Abgang aus Miami profitierte. Nach zwei enttäuschenden Jahren als Fussabtreter für alle Heat-Probleme schickte ihn Pat Riley für den Spatz in der Hand (lies: 2 Zweitrundenpicks) aus der Stadt. Im hohen Norden, abseits des ganzen Medientrubels, hat 'Super Cool Beas' seine von persönlichen Tiefschlägen geprägte Karriere in den Griff bekommen und sich als einer der besten jungen Scorer der Liga etabliert. Der Forward punktet effektiver als je zuvor (20 PPG) und scheint verstanden zu haben, wie man sich als Profi zu verhalten hat.

Stats 09/10: 29.8 Min, 14.8 Pts, 1.3 Ast, 0.4 Dreier, 45% FG
Stats 10/11: 33.5 Min, 20.5 Pts, 2.1 Ast, 0.9 Dreier, 47% FG


Kevin Love: noch ein Timberwolves-Akteur, der sich in dieser Saison stark in den Fokus der Öffentlichkeit kämpfte und als einer der grossen Favoriten auf den Award gehandelt wird. Der Rebound-Roboter Kevin Love legt eine Saison hin, wie sie ein untersetzter, unaustrainierter weisser Power Forward eigentlich gar nicht spielen dürfte: 21 Punkte und mehr als 15 Rebounds pro Abend, dazu neue Karrierebestwerte bei den Assists, Dreiern und den Trefferquoten. Sein Double-Double Count liegt inzwischen bei 32 Spielen in Folge, und das Glas putzt Mr. Love besser als 'Viss Universal', was seine 11 Partien mit 19 oder mehr Rebounds eindrucksvoll beweisen. Bestwerte in dieser Saison: 43 Punkte, 31 Rebounds, 7 Assists, 5 Dreier. You gotta Love it...

Stats 09/10: 28.6 Min, 14.0 Pts, 11.0 Reb, 0.6 Dreier, 45% FG, 81% FT
Stats 10/11: 37.0 Min, 21.4 Pts, 15.6 Reb, 1.4 Dreier, 47% FG, 88% FT


D.J. Augustin: der junge Point Guard (23) der Charlotte Bobcats wurde in die Starterrolle hinein gedrängt, nachdem Larry Brown den vorherigen Spielmacher Raymond Felton im Sommer nach New York ziehen liess. Erstaunlicherweise hielt Brown seinen Nachfolger an der ganz kurzen Leine und verdeutlichte einmal mehr seine Antipathie gegenüber jungen Spielern. Dennoch verbesserte sich der Guard durch die Bank weg und erlebte einen wahren Leistungsschub, nachdem Brown gefeuert und durch den neuen Coach Paul Silas ersetzt wurde. Der legte seinem jungen Spielgestalter die Zügel in die Hand und Augustin dankte für das Vertrauen: er erzielte in 14 Spielen unter Silas 13 mal 10+ Punkte und legte 11 mal 6+ Assists auf (bei 10 mal 0 bzw. 1 Turnover). Charlotte gewann 9 Partien und steht inzwischen wieder auf einem Playoff-Platz.

Stats 09/10: 18.4 Min, 6.4 Pts, 2.4 Ast, 0.9 Dreier, 38% FG, 78% FT
Stats 10/11: 34.6 Min, 14.7 Pts, 6.2 Ast, 1.6 Dreier, 44% FG, 92% FT


Kris Humphries: den Journeyman (4 Teams in 6 Profijahren) hatte vor der Saison keiner auf der Rechnung. Eine halbe Saison später hat sich Kris Humphries, der ebenso gut ein NFL-Profi hätte werden können, in New Jersey unentbehrlich gemacht dank seiner harten und ehrlichen Arbeit in der Zone. Humphries liegt bei RP48 (Rebounds pro 48 Minuten Einsatzzeit, also einer kompletten Partie) auf Platz 3 hinter Kevin Love und Dwight Howard. Obwohl seine Spielzeit starken Schwankungen unterliegt, bringt Hump die Resultate und steht Abend für Abend in der Crunchtime auf dem Parkett. Sein Coach Avery Johnson liess vor kurzem verlauten, dass man Humphries unbedingt verlängern möchte, weil er für alles steht, womit man die "neuen Nets" identifizieren soll. Eines ist sicher: wer in nur 25 Minuten schon solche Werte aufzulegen vermag, dem winken noch viele gute NBA-Jahre.

Stats 09/10: 17.7 Min, 7.1 Pts, 5.1 Reb, 0.6 Blk, 43% FG
Stats 10/11: 25.7 Min, 8.8 Pts, 9.4 Reb, 1.1 Blk, 53% FG


Jrue Holiday: wenig deutete zu Beginn der letzten Saison darauf hin, dass Jrue Holiday irgendwann der PG der Zukunft in Philly sein würde. Der neue Coach Doug Collins ist aber sehr angetan vom ehemaligen 19. Pick aus der UCLA. Holiday hat in seinem erst zweiten Jahr einen Quantensprung nach vorne gemacht und deutet immer wieder sein Potential an, einer der besten Two-way Einser der Liga zu werden. Vorne stets bemüht, eine gesunde Balance zwischen eigenem Scoring (14 PPG) und Spielgestaltung (6.5 APG) zu finden, etabliert sich Holiday vor allem hinten als echte Tour der Force. Dank seiner Länge und energischen Spielweise ist der Guard dabei, zu den besten Balldieben der Liga aufzusteigen. Das Skillset jedenfalls ist beeindruckend, und ich bin mir sicher, dass hier ein künftiger All-Star vor unseren Augen heran reift.

Stats 09/10: 24.2 Min, 8.0 Pts, 3.8 Ast, 1.1 Stl
Stats 10/11: 35.0 Min, 14.3 Pts, 6.5 Ast, 1.5 Stl


Raymond Felton: "What a difference a year makes!" Befreit von den Fesseln des restriktiven Larry Brown'schen Spielsystems blüht Neu-Knickerbocker Raymond Felton im grossen Apfel regelrecht auf und zeigt sich mit einer Vielzahl an persönlichen Bestwerten massgeblich verantwortlich für New York's sportlichen Turnaround. Felton belegt in dieser Spielzeit bei den Assists (8.9, Platz 6) und den Steals (1.9, Platz 5) einen der vorderen Plätze und hat sich auch als Outside Threat etabliert (1.7 Dreier pro Spiel, Platz 7 bei den PGs). In der Crunchtime gehört Felton nach wie vor zu den gefährlichsten Akteuren der Liga (87% Freiwurfquote). Mit ihm an den Kontrollknöpfen sind künftige Playoff-Teilnahmen für das neu formierte Knicks-Team nur noch Formsache.

Stats 09/10: 33.0 Min, 12.1 Pts, 5.6 Ast, 1.5 Stl, 0.8 Dreier, 76% FT
Stats 10/11: 38.7 Min, 17.5 Pts, 8.9 Ast, 1.9 Stl. 1.7 Dreier, 87% FT


Derrick Rose: schwer zu fassen, dass ein Spieler von Rose's Kaliber überhaupt in der MIP-Diskussion vertreten ist. Immerhin kam der Highflyer von den Bulls schon letzte Saison auf über 20 Punkte pro Spiel. Ein genauerer Blick auf die peripheren Werte des erst 22-jährigen lässt aber keine andere Schlussfolgerung zu: Rose hat sich im Sommer den Arsch aufgerissen und heimst jetzt die Lorbeeren ein für seine harte Arbeit. Mehr Punkte, Rebounds, Assists, Steals, Blocks und Dreier sprechen eine deutliche Sprache. Rose ist nach wie vor der einzige Spieler ligaweit, der sowohl bei den Punkten (24.6) als auch bei den Assist (8.1) in den Top10 vertreten ist. Angesichts des sicheren Bulls-Divisionstitels - und damit einhergehend einer sicheren Platzierung unter den Top4 im Osten - muss Rose in der MVP- und MIP-Wahl mit berücksichtigt werden. Er ist wirklich so gut.

Stats 09/10: 36.8 Min, 20.8 Pts, 3.7 Reb, 6.0 Ast, 0.7 Stl, 0.3 Blk, 0.2 Dreier
Stats 10/11: 38.0 Min, 24.6 Pts, 4.6 Reb, 8.1 Ast, 1.1 Stl, 0.8 Blk, 1.6 Dreier


Eric Gordon: zuguterletzt das Paradebeispiel für die Gleichung 'harte Arbeit + Erfahrung + Möglichkeit = NBA-Star'. Eric Gordon hat sich in allen Aspekten seines Spiels dermassen verbessert, dass für mich alle anderen Anwärter neben ihm verblassen, Rose inklusive (auch oder vor allem weil der Sprung von 16 zu 24 PPG innerhalb nur einer Saison immens und fast nicht zu schaffen ist). Motiviert durch seine Teilnahme an der Basketball-Weltmeisterschaft verbrachte Gordon auch danach unzählige Stunden in der Trainingshalle, wo er akribisch an seinen Qualitäten als Passer und Verteidiger feilte. Das Resultat ist ein durch und durch kompletter Offensivspieler geworden, der mit gerade einmal 22 Jahren ein erschreckend hohes Grundniveau für seine weitere NBA-Karriere etabliert hat. "Ich denke, ich habe mich überall verbessert, vom Scoring übers Passen hin zum Rebounden", so Gordon. "Dieses Produktivitätslevel werde ich halten und hoffentlich in Zukunft noch verbessern". Sein ebenfalls Award-verdächtiger Teamkollege Blake Griffin attestiert 'EJ' ein enorm gestiegenes Selbstvertrauen: "Er ist jetzt so etwas wie der Veteran bei uns. Sein Spiel ist komplett, es gibt nichts mehr, was er nicht mehr beherrscht. Er kann verteidigen, zum Korb ziehen, von draussen treffen oder aus der Mitteldistanz. Er ist das volle Rundumpaket." Und mein 'Most Improved Player 2010/11.

Stats 09/10: 36.0 Min, 16.9 Pts, 2.6 Reb, 3.0 Ast, 45% FG, 74% FT
Stats 10/11: 37.8 Min, 24.1 Pts, 3.2 Reb, 4.5 Ast, 47% FG, 82% FT


Honorable Mentions: DeMar DeRozan, Wesley Matthews, Arron Afflalo

Nachtrag: Russell Westbrook punktet zwar mehr als letzte Saison, jedoch auf Kosten seiner Teamkollegen, die durch die Bank weg weniger Würfe abbekommen. Seine PG-Werte sowie die peripheren Stats haben sich nicht verbessert, weshalb ich ihn nicht in die Diskussion mit aufnehmen konnte. Bei Roy Hibbert, der wie ein wilder Stier aus den Startlöchern in die Saison gestürmt kam, sorgten der schwache Dezember (10.9 PPG, 42% FG) und katastrophale Januar (8.2 PPG, 35% FG) für Ernüchterung. Der frühe MIP-Mitfavorit nahm sich dadurch selbst aus dem Rennen um den Award.