13 Januar 2011



Es waren einmal die Cleveland Cavaliers. Noch vor knapp einem halben Jahr galten sie (zu Unrecht) als das beste Team im Basketball. Sie hatten zum zweiten Mal in Folge die beste Bilanz der regulären Saison zusammengetragen und standen für viele Experten (aber mit Sicherheit nicht für uns hier) kurz vor dem Gewinn der Meisterschaft. Fast Forward zur Saison 2010/11: Lebron's Talente wanderten zusammen mit ihrem Besitzer nach South Beach, Miami ab. Die Art der Trennung und anschließende Schlammschlacht über alle Medienkanäle hätte hässlicher und schmerzhafter nicht sein können - für die Cavs. Gefangen in einer Art Schockstarre nach dem Abflug des ehemaligen Franchise-Spielers versäumte es Manager Dan Gilbert dann, im grössten Free Agent Sommer aller Zeiten auch nur einen einzigen relevanten Neuzugang an Land zu ziehen (was angesichts einer 14 Mio $ Trade Exception nach LBJ's Abgang und massenweise Veteranen als Tradeware umso bemerkenswerter ist, auf eine faszinierend inkompetente Art und Weise).

Ich weiss nicht welcher Anfall von Idealismus/Positivismus mich im Sommer noch dazu bewogen hatte, folgende optimistische Saisonvorschau für Cleveland auf die Webseite zu klatschen: "...Vor allem aber wird Cleveland von seiner Extra-Motivation zehren in dieser Saison. Keiner traut den ex-Lebrons etwas zu, die Erwartungen sind historisch niedrig. Die Cavs könnten, wenn alles perfekt läuft, zur Aschenputtel-Geschichte der Saison werden und sich als 8. Team in die Playoffs mogeln."

Ähm...(peinliche Stille). Soviel dazu. Seit dem 3. Viertel der Partie gegen Miami (die erste Rückkehr des in Ohio zum Staatsfeind Nummer 1 avancierten James, der für sein ex-Team mit 38 Punkten nur Hohn und Spott übrig hatte) sind die Kavaliere wie paralysiert. Waren sie vor jener Demütigung im Dezember noch bei einer respektablen 7-10 Bilanz gestanden, haben sie seitdem 19 von 20 Spielen verloren. Keines auf trübseligere Art und Weise als das 112-57 am Dienstag gegen die Los Angeles Lakers.

Der Tiefpunkt war historisch tief. Zur Sicherheit noch einmal das Endergebnis (kein Druckfehler): 112-57. Was wie ein Olympisches Duell ca. 1992 zwischen Amerika und Angola anmutet, war tatsächlich das Resultat einer NBA-Partie, welche mit Sicherheit in die Geschichtsbücher eingehen wird. All-Time Negativwert der Cavalier-Franchise-Geschichte. All-Time Bestwert einer Lakers Defensive. Und natürlich die mit Abstand anemischste Offensivleistung aller Mannschaften in dieser Saison. Es hätte noch schlimmer ausfallen können für die desolaten Kavaliere, die Glück hatten, dass im gesamten letzten Abschnitt nur noch Bankdrücker auf Lakers-Seite eingesetzt wurden. Es war, als hätte man die Cavaliers mit einem Monstertruck überfahren, anschließend in den Rückwärtsgang geschaltet, wäre noch zweimal drüber, nur um letztendlich die Überreste einzusammeln und sie als Gartendünger zu verteilen. Cleveland (8-30) hat nun seine letzten 11 Partien mit durchschnittlich 16 Punkten Unterschied verloren. Man ist grösstenteils also gar nicht anwesend auf dem Platz. Head Coach Byron Scott kann einem nur leid tun.

Wer den Schaden hat, braucht für den anschließenden Spott dann bekanntlich nicht mehr zu sorgen: Cavaliers-Forward Antawn Jamison liess verlauten, dass er "nicht wisse, wieviel davon er noch vertragen könne, ohne wahnsinnig zu werden" - was angesichts seiner früheren Engagements in Washington und Golden State (je 18 Siege) schon recht spektakulär ist. Lakers-Coach Phil Jackson wunderte sich vor der Partie über einige der Cavs-Spieler, von denen er süffisant behauptete, noch nie etwas gehört zu haben. Die Ehefrau von Lakers-Guard Steve Blake fühlte sich verpflichtet, Cavs-Spielern nach der Partie kostenlose Umarmungen und Streicheleinheiten anzubieten. Selbst Lebron James konnte es sich nicht nehmen lassen, via Twitter seine Verachtung für die gesamte Organisation zu verdeutlichen, die er selbst erst in dieses Dilemma gebracht hatte: "Karma is a b****. Gets you every time !"

Natürlich besteht das Team ausschließlich aus Rollenspielern. Natürlich war der Großteil des Spieleraufgebots in dieser Saison irgendwann einmal verletzt, das Team konnte sich nie wirklich einspielen. Natürlich fehlen auch jetzt wieder mit Varejao, Parker und Gibson drei wichtige Leistungsträger. Und ja, bei Akteuren wie Christian Eyenga, Stephen Graham oder Samardo Samuels in der Lineup muss man für jedes W doppelt und dreifach kämpfen. Aber man kann wenigstens kämpfen. Sich reinhängen. Alles geben, und sich teuer verkaufen, um auch bei der nächsten Niederlage noch mit erhobenem Haupt vom Platz gehen zu können. Die Cleveland Cadavers tun nichts dergleichen. Und beweisen so Abend für Abend, was viele nach dem Abgang von Lebron James befürchtet hatten: dass dieses Team im Sommer 2010 offiziell gestorben sein wird. Ruhe in Frieden, Cleveland.