03 Februar 2011



Cleveland hat soeben sein 22. Spiel in Folge verloren, 117-112 gegen die Indiana Pacers. Spätestens damit sind die Cadaver aus Ohio ganz offiziell angelangt in der Diskussion um das schlechteste Team aller Zeiten in der illustren NBA-Geschichte, die schon so manchen Stinker produziert hat. Die ex-Lebrons haben nun 32 ihrer letzten 33 Partien verloren. Allein das dürfte schon ausreichen, um in der All-Time Gleichung vertreten zu sein. Aber die Zwecklosigkeit des Cavaliers-Daseins geht noch viel weiter. Obwohl man mit der jetzigen 8-41 Bilanz sicherlich (oder etwa nicht ?) am ewigen Negativrekord (siehe unten) vorbei schlittern wird, sind 22 Pleiten in Folge bereits der drittschlechteste Wert aller Zeiten. Mit einer erneuten Niederlage am Freitag in Memphis würde Cleveland den Minusrekord für die meisten konsekutiven Ls in einer Spielzeit egalisieren. Den halten (noch) zwei andere Teams auf unserer Liste: Denver und Vancouver. Das Banner mit dem saisonübergreifend miesesten Lauf der NBA-Historie (24 Niederlagen in Serie), das hängt in 'The Mistake by the Lake' bereits unter der eigenen Hallendecke. In den Saisons '81/82 und '82/83 quälten sich die Cavaliers, angeführt von Mike Mitchell und Ron Brewer (Ronnie Brewer's Dad) zu läppischen 38 Siegen insgesamt, bevor es mit Spielern wie Clifford Robinson und World B. Free wieder aufwärts ging. Kann gut sein, dass die Beschriftung des traurigen Stückes Zeitgeschichte bereits an diesem kommenden Wochenende erneuert werden muss. Sollten die Edelmänner bis dahin immer noch nicht gewonnen haben, müsste die nun folgende Liste wohl aktualisiert werden.


5. Dallas Mavericks '93/94 (Bilanz: 13-69, Streak: 20L in Folge)

Was im Jahr zuvor bereits monumental schlecht verlief, wurde auch in der darauffolgenden Saison nicht viel besser für die mit Sicherheit mieseste Basketball-Franchise der 90er, die erst mit der Ankunft von Don Nelson 1997 langsam aus dem kollektiven Plumpsklo der "Schlechtheit" heraus krabbelte. Obwohl die beiden vielversprechenden Rookies Jamal Mashburn und Popeye Jones zum texanischen Team hinzu stiessen, und man mit Jim Jackson sogar einen potenten Scorer in den eigenen Reihen hatte, verlor man unter Head Coach Quinn Buckner knapp 85 Prozent aller Partien, davon sogar 20 in Folge. Die Bilanz zum Ende der regulären Saison: 13-69. Waaaack !


4. Vancouver Grizzlies '95/96 (Bilanz: 15-67, Streak: 23L in Folge)

Es steht geschrieben, dass Expansion Franchises in ihren ersten Saison durchaus so ihre Probleme haben und sich nur langsam an das Leben in der NBA gewöhnen. Dass es so langsam gehen würde, hätte man bei den 1995 neu gegründeten Vancouver Grizzlies jedoch nicht gedacht. Obwohl man mit unsterblichen Legenden wie Benoit Benjamin, Anthony Avent und einem damals bereits 34-jährigen Byron Scott in die Saison gestartet war, kamen die Siege nur ganz mühselig bei rum. Auch Bryant 'Big Country' Reeves und die transparente Trainerlegende Brian Winters (Karrierebilanz 36-148) konnten daran nichts ändern. Mit gerade mal 15 gewonnenen Partien (bei 67 Niederlagen) und der längsten aktiven Niederlagenserie in einer Spielzeit (23 in Folge) haben die Grizzly-Bären einen Platz in den Wackness-Geschichtsbüchern sicher. Trostpreis: Vancouver war wenigstens der erste Basketballverein überhaupt mit einer eigenen Webseite (gegründet 1995 von Bob Kerstein). Diese Errungenschaft kann ihnen immerhin keiner mehr nehmen.


3. Denver Nuggets '97/98 (Bilanz: 11-71, Streak: 23L in Folge)

Warum musste ich diese ganzen Krankheiten von einem Team eigentlich immer live miterleben ? Die Denver Nuggets schafften es tatsächlich, den Grizzlies in deren Zeiten grösster Not in Punkto Nutzlosigkeit sogar noch eins drauf zu setzen. Mastermind Bill Hanzlik manövrierte seine Truppen in bester 'Risiko für Planlose' Manier geradewegs ins Verderben. Allerdings hätte wohl selbst Red Auerbach aus einem Team, in dem Anthony Goldwire und Cory Alexander zu den Go-to Optionen zählten und Johnny Newman mit 14 PPG Topscorer wurde, nicht viel mehr heraus kitzeln können. Nicht nur, dass Denver mit einer 11-71 Bilanz die zweitschlechteste Siegesquote aller Zeiten aufstellte. Auch der All-Time Negativrekord (23 Niederlagen in Folge) wurde gesichert. Für einen Platz unter den zwei Vorzeigeteams reichte soviel Inkompetenz dennoch nicht aus.


2. Dallas Mavericks '92/93 (Bilanz: 11-71, Streak: 19L in Folge)

Eine meiner frühesten Basketball-Erinnerungen ist das Bild jubelnder Mavericks-Fans (ein paar Hundert dürften es schon gewesen sein), nachdem man - irgendwann Mitte April - das 10. Saisonspiel gewonnen hatte und damit den Negativerekord der 76ers doch noch abwenden konnte. Ich verstand damals natürlich kaum die historischen Implikationen des Erreichten und realisierte erst später, wie knapp diese Mavericks-Ausgabe an der goldenen Klobürste vorbei geschrammt war. Erst Anfang März hatte man den 4. Pick des Drafts, Jim Jackson, nach endlosen Verhandlungen unter Vertrag nehmen können und startete noch im selben Monat dann einen kleinen "Lauf". Dem Rookie war es letztendlich zu verdanken, dass man den freien Fall bei 19 Niederlagen in Folge stoppen konnte und den All-Time Wackness Rekord dem rechtmässigen Besitzern aus der Stadt der brüderlichen Liebe überliess.


1. Philadelphia 76ers '72/73 (Bilanz: 9-73, Streak: 20L in Folge)

Die Liebe ging nämlich soweit in Philly, dass es die Sixers, Ausgabe '72/73, fast nie übers Herz brachten, ihren Gegnern überhaupt mal einen Sieg zu stiebitzen. Geben ist schliesslich seliger als Nehmen. Und gegeben, das haben die 76ers ganz oft damals. Basketballteams sind streaky, und das waren die Sixers zweifelsohne auch: nach 15 Niederlagen gleich zum Saisonauftakt kamen noch Niederlagenserien von 20, 14 und 13 hinzu. Man konnte aber auch einmal 2 in Folge gewinnen, im Februar sogar 4 von 6. Beeindruckend. Obwohl man am Ende der Saison sage und schreibe 10 Spieler im zweistelligen Punktebereich in den eigenen Reihen hatte, reichte es nur zu 9 Siegen insgesamt. Dieser Wert wurde seither zwar schon ein paar mal angepeilt. Unterbieten war aber bisher unmöglich - und dürfte es wohl auch für immer bleiben. Obwohl man die Schmach am liebsten tilgen würde, schreibt sogar die offizielle 76ers-Webseite: "Jenes Team stellte einen neuen Standard auf, an dem man schlechte NBA-Mannschaften noch lange messen wird". In der Tat. Schöner hätten wir's auch nicht sagen können. Ehre, wem Ehre gebührt !